Des Weiteren ist davon auszugehen, dass die veränderte Mentalität der jüngeren Japaner, die bestrebt sind, ihren Wohlstand durch wachsende Privatvermögen zu sichern, ebenfalls zum verstärkten Kauf japanischer und internationaler Aktien beitragen wird. Der gleiche Trend war vor über 40 Jahren in den USA zu beobachten, als dort ähnliche, auf steuerliche Anreize setzende Programme wie der Altersvorsorgeplan IRA (Individual Retirement Account) und 401k eingeführt wurden. Wir sind überzeugt, dass der Trend „Investieren statt sparen“ auf längere Sicht ein sehr wichtiges Thema für Japan sein wird. Die Umschichtung des Vermögens der privaten Haushalte dürfte den langfristigen Vermögensaufbau in Japan begünstigen und sich positiv auf den Konsum auswirken.
Verstärkte Fusions- und Übernahmetätigkeit – ein positiver Impuls für die Umstrukturierung von Unternehmen
Da die Umgestaltung der jahrzehntealten Governance-Standards in Japan weiter voranschreitet und die Unternehmen die Reformen umsetzen, rechnen wir angesichts der hohen und steigenden Aktionärsrenditen sowie des lukrativen Potenzials von Unternehmensumstrukturierungen auch mit einer Zunahme der Fusions- und Übernahmetätigkeit. In Japan wird ein Anstieg der Dynamik in diesem Bereich zu beobachten sein, denn die Anleger sind erpicht darauf, die weltweit höchste Branchenfragmentierung auszunutzen, die 55 Prozent über dem globalen Durchschnitt liegt.
Tatsächlich ist ein durchschnittliches japanisches Unternehmen laut Jefferies in 2,4 anstatt nur 1,5 Branchen wie seine Wettbewerber in den USA oder der EU tätig. Unternehmen, die ihre Umsätze in einer einzigen Hauptbranche erzielen, haben für gewöhnlich eine höhere Eigenkapitalrendite, größere Gewinnspannen und bessere Verwaltungsräte als solche Unternehmen, deren Umsätze sich auf mehrere Branchen verteilen (Jefferies). Diese Fragmentierung hatte im Verlauf der Jahre zweifellos negative Auswirkungen auf die Unternehmensführung, Gewinnspannen und Rentabilität in Japan.
Da sich die Corporate-Governance-Reform jedoch von einer Optimierung der Bilanzen hin zu einer Unternehmensumstrukturierung entwickelt und nicht organisch bedingte, drastische Veränderungen bei Übernahmen durch japanische und ausländische Unternehmen den Markt beleben (beispielsweise die laufenden Verhandlungen im Zusammenhang mit Seven & I), erwarten wir beträchtliche positive Auswirkungen auf die Deal-Pipelines. Ein Beispiel aus unserem Portfolio: Der Zündkerzenhersteller Niterra übernimmt gerade das Zündkerzengeschäft des Automobilzulieferers Denso, was den Wert von Niterra deutlich steigern dürfte. Niterra hat eine Grundsatzvereinbarung getroffen, um einen Teil des Geschäfts von Denso zu erwerben. Wenn die Aufsichtsbehörden der Übernahme zustimmen, wird diese im Laufe der Zeit erheblichen Anteil am Gewinn von Niterra haben.
Politische Entwicklungen
Erstmals seit 1905 verlor jede Regierungspartei in den Industrieländern, die 2024 zur Wiederwahl antrat, Wählerstimmen. In Japan büßte die regierende Liberaldemokratische Partei (LDP) bei der Wahl ihre Mehrheit ein. Die Regierungskoalition bleibt jedoch die größte Fraktion im Unterhaus. Wir rechnen zukünftig mit einer gewissen Marktvolatilität aufgrund der Ungewissheit, halten es jedoch für höchst unwahrscheinlich, dass die marktorientierte Politik ausgehebelt wird. Zum besseren Verständnis: Die LDP sorgte während der vergangenen zehn Jahre für eine stabile Politik in Japan und setzte eine Reihe von Reformen im Hinblick auf die Unternehmensführung und das Arbeitsrecht um. Dabei handelt es sich um Gesetze, die nicht umkehrbare strukturelle Veränderungen nach sich ziehen, durch die sich in den nächsten zehn Jahren grundlegende Veränderungen für japanische Unternehmen ergeben werden.
Im vierten Quartal 2024 standen die US-Wahlen im Mittelpunkt des politischen Geschehens. Die Anleger machten sich Gedanken über die Folgen von Donald Trumps zweiter Amtszeit. Japan ist seit jeher vom weltweiten Wachstum abhängig, und der Index würde sich voraussichtlich gut entwickeln, wenn die US-Wirtschaft wieder in Schwung käme, was zu Trumps Hauptanliegen gehört. Die Erholung der Investitionstätigkeit in den USA, ein Wiederanstieg der US-Produktion und ein schnelleres weltweites Wachstum dürften japanischen Unternehmen in die Hände spielen.
Inwieweit die US-Wirtschaft wieder an Fahrt gewinnt, ist sicherlich von der Höhe der US-Zölle abhängig, die von der neuen Regierung als Verhandlungsinstrument eingesetzt werden. Dennoch dürfte Japan zu den Ländern gehören, die durch die Androhung von Zöllen gegenüber wichtigen Volkswirtschaften am wenigsten betroffen sind, da zahlreiche Produktionsprozesse in die USA verlagert wurden und vielfältige geopolitische Beziehungen bestehen.