So errichtete beispielsweise der japanische Autohersteller Honda 1981 sein erstes Werk in den USA und beliefert den US-Markt in erster Linie mit dort hergestellten Produkten. Fast zeitgleich errichtete Toyota Montagewerke in den USA, in denen seine äußerst beliebten Hybridmodelle auch heute noch gefertigt werden.7 Schaut man sich die prozentualen Preiserhöhungen an, die notwendig wären, um Trumps Zölle in der Automobilbranche auszugleichen, dann wären die beiden japanischen Produzenten Honda und Toyota in geringerem Maße von den US-Zöllen betroffen als der US-Autohersteller Ford (CLSA, What to expect in Japan in 2025).

Bei diesem Szenario gehen wir von Zöllen in Höhe von 25 Prozent auf Autos und Autoteile aus Mexiko und Kanada, 60 Prozent für China und 20 Prozent für alle übrigen Länder aus.

Grafik 3: Notwendige prozentuale Preiserhöhungen zum Ausgleich von Trumps Zöllen in der Automobilbranche: Toyota und Honda wären in geringerem Maße betroffen als Ford

Quelle: Quelle: CLSA. Januar 2024. Notwendige prozentuale Preiserhöhungen zum Ausgleich von Trumps Zöllen in der Automobilbranche – ausgehend von Zöllen in Höhe von 25% auf Autos und Autoteile aus Mexiko und Kanada, 60% für China und 20% für alle übrigen Länder.

Eine positive Aufwärtsspirale von Lohnsteigerungen und Inflation

Die Bemühungen der Bank of Japan (BoJ), eine positive Spirale von Lohnsteigerungen und Inflation in Gang setzen zu wollen, wäre unseres Erachtens der Beginn einer neuen Ära des Wirtschaftswachstums in Japan. Viele Skeptiker bezweifelten, dass dies erreichbar sei. In den vergangenen zwölf Monaten beobachteten wir eine Inflationsrate, die dauerhaft über 2 Prozent lag, und eine Lohnsteigerungsrate von etwas mehr als 3 Prozent. Wir haben nun guten Grund zu der Annahme, dass die Inflation in Japan kein vorübergehendes Gastspiel gibt, sondern langfristig Bestand hat. Sie entsteht durch eine positive Aufwärtsspirale von Lohnsteigerungen und Preisen, die auf ein nachhaltiges Wachstum des nominalen BIP hinweisen. Dies dürfte weiterhin zu einem günstigen Konjunkturzyklus beitragen, denn es spornt Unternehmen an, mehr in Wachstum zu investieren und ihre Kapitaleffizienz zu steigern.

 

Einige Anleger argumentieren, dass ein stärkerer Yen, mit dem 2025 zu rechnen ist, die vorteilhafte Inflationsentwicklung in Japan zunichte machen wird. In unseren Augen ist das unwahrscheinlich. Japan verfügt über ein begrenztes Arbeitskräfteangebot. Das Renteneintrittsalter wurde hochgesetzt, die Erwerbsquote von Frauen ist gestiegen und eine grundlegende Reform der Einwanderungspolitik ist sehr unwahrscheinlich, d. h. die Nachfrage nach Arbeitskräften dürfte das Angebot übersteigen. Unseres Erachtens wird dies selbst bei einer Aufwertung des Yen nachhaltige Lohnsteigerungen und eine Inflation begünstigen, sodass es in Japan wahrscheinlich nicht wieder zur Deflation kommt. Japans nominales BIP hat sich aus dem Deflationsgleichgewicht befreit. Unterstützt von nachhaltigen Lohnsteigerungen hält es nun Kurs auf ein mäßiges Wachstum.

Grafik 4: Japans nominales BIP ist nun allmählich auf Wachstumskurs

Quelle: Schätzungen von Morgan Stanley Research. Kabinettsamt, Morgan Stanley Research.

Die dynamische Lohn-Preis-Entwicklung dürfte zu einer weiteren Normalisierung der Geldpolitik der BoJ führen, und wir erwarten im Laufe des Jahres 2025 schrittweise Zinserhöhungen. In Anbetracht
der weltweiten Lockerung der Geldpolitik durch die Zentralbanken wird dies den Yen voraussichtlich stärken. Klar ist, dass der Yen Einfluss auf die Fundamentaldaten von Unternehmen hat. Ein schwächerer Yen kommt exportorientierten Branchen zugute und setzt binnenwirtschaftlich orientierte Unternehmen unter Druck, während ein stärkerer Yen genau das Gegenteil bewirkt. Während der jahrelang anhaltenden Deflation bemühten sich japanische Unternehmen nach Kräften, die Breakeven-Absatzquote zu senken.

Daher können sie auch dann noch stabile Gewinne erwirtschaften, wenn externe Faktoren, wie die Wechselkurse, schwanken.

Fazit

Unseres Erachtens ist die japanische Wirtschaft gut aufgestellt, um 2025 wieder durchzustarten, da Themen wie Reflation, steigende Löhne, eine bessere Unternehmensführung und eine Zunahme der Fusions- und Übernahmetätigkeit im Fokus stehen. Anders als bislang dürfte nun auch das Gewinnwachstum von der Inlandsnachfrage abhängiger Unternehmen den japanischen Markt stärken. Aus makroökonomischer Sicht wird Japan unserer Ansicht nach wohl zu den Ländern gehören, die durch die Androhung von US-Zöllen gegenüber wichtigen Volkswirtschaften am wenigsten betroffen sind, da zahlreiche Produktionsprozesse in die USA verlagert wurden und vielfältige geopolitische Beziehungen bestehen.

Die langfristige Entwicklung wird ebenfalls nicht beeinträchtig. Japanische Unternehmen sind von dem Modell der 1980er-Jahre, das vom Kampf um Marktanteile, niedrigen Gewinnspannen und hohen Investitionen gekennzeichnet war, nunmehr zu einem Modell übergegangen, das auf Rendite und Kapitaleffizienz ausgerichtet ist. Wir sind der Meinung, dass die japanischen Unternehmen in einer viel besseren Verfassung sind als in den vergangenen Jahrzehnten. Zudem ist der Markt im historischen und weltweiten Vergleich weiterhin attraktiv bewertet.

Kurzum: Es ist eine sehr spannende Phase! Wir erleben einen durch solide Fundamentaldaten gestützten Markt, auf dem das Wachstum voraussichtlich an Dynamik gewinnen wird. Für aktive Anleger wie uns bietet sich eine Vielzahl von attraktiv bewerteten Anlagemöglichkeiten.