Japan: Vom heimlichen Favoriten zur verbotenen Zone

Diese Kolumne wurde bereits am 11. März fertiggestellt. Doch damals hatte sie einen anderen Inhalt: Japans Aktien, insbesondere die Nebenwerte, gehören zu den preiswertesten weltweit, so der Tenor. Gerade weil viele Anleger Japan in den vergangenen Jahren gemieden hatten, konnten Anleger, die genauer hinschauten, außergewöhnlich attraktive Unternehmensperlen entdecken.

Aktien der zweiten Reihe, ersichtlich am Index Topix 2, waren im August 2010 zu einem sehr schönen und konstanten Kursaufschwung aufgebrochen, der bis vor kurzem anhielt.

Atomare Verseuchung weiterhin möglich

Doch diese positiven Perspektiven haben sich aufgelöst. Nicht nur das jahrelange Mini-Wachstum, die Überalterung der Bevölkerung und die immensen Lasten des Sozialsystems lasten nun auf Japan. Auch der Wiederaufbau nach dem Erdbeben und dem Tsunami wird viel Kraft kosten, obgleich manche Analysten sogar positive Wachstumseffekte erkennen wollen. Doch wegen der anhaltenden atomaren Bedrohung haben sich die Risiken potenziert.

Man muss nicht den Teufel an die Wand malen, aber wenn zahllose seriöse Wissenschaftler eine dramatischen Entwicklung weiterhin für möglich halten, muss wohl auch das Schlimmste einkalkuliert werden – eine großflächige atomare Verseuchung des Inselstaates.

Noch tut die japanische Regierung das, was man weitestgehend von ihr erwartet: Sie bemüht sich, die Verseuchung abzuwenden und versucht, den Betroffenen zu helfen; sie stabilisiert die Kapitalmärkte mit einer gigantischen Menge an Liquidität und ruft die Bevölkerung zur Solidarität auf. Und die Japaner agieren in der Tat unglaublich selbstdiszipliniert und gehen mit der Krise in einer extrem vernünftigen Weise um.

Risiken mit unendlicher Tragweite

Man stelle sich vor, das Unglück hätte sich in Deutschland ereignet. Dann gäbe es in der Mitte Europas vermutlich bereits massive Menschenbewegungen, die außer Chaos auch die Auflösung der gesellschaftlichen Ordnung mit sich bringen könnten. Doch Japan bietet als dicht besiedelter Inselstaat für seine Bewohner nur wenig Fluchtraum.

Tritt das Schlimmste ein, wird das Land allerdings nie mehr aussehen wie zuvor. Denn während die zeitliche Perspektive bei bisherigen Katastrophen, wie dem Öldesaster im Golf von Mexiko im vergangenen Jahr, stets irgendwie begrenzt war, würde eine großflächige Verstrahlung Japan für Jahrhunderte unbewohnbar machen. Die Frage nach der Entwicklung der Börse wäre dann wohl von untergeordneter Bedeutung.

Wir alle wünschen Japan und seinen Menschen, dass diese Tragödie nicht das denkbar schlechteste Ende nimmt. Solange der Ausgang der Ereignisse aber ungewiss und hochriskant ist, kann für Anleger, die ihr Geld mit Vernunft und kalkuliertem Risiko investieren wollen, nur eines gelten: Hände weg von Investments in Japan!

Zum Autor: Ekkehard Wiek ist Asien Fonds-Manager und Geschäftsführer der W&M Wealth Managers (Asia) Pte. Ltd. in Singapur sowie Beirat der Asia4Europe Investment GmbH in Ettlingen und einer der Experten von www.vermoegensprofis.de. In DAS INVESTMENT.com äußern sich renommierte Vermögensverwalter in regelmäßigen Kolumnen zu aktuellen Finanz- und Kapitalanlagethemen.

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