Aktualisiert am 04.07.2013 - 13:00 UhrLesedauer: 4 Minuten

Jason Singer: „Bond-Anleger müssen flexibel sein“

Jason Singer
Jason Singer
DAS INVESTMENT: Die internationale Geldpolitik ist extrem expansiv. Wie lange wird das Ihres Erachtens so bleiben?
Jason Singer:
Sicherlich werden die Notenbanken die Leitzinsen irgendwann erhöhen – auf absehbare Zeit rechnen wir damit aber nicht. Investoren sollten aber auch noch an etwas anderes denken: Wir bewegen uns gegenwärtig in einem Umfeld der finanziellen Repression, in dem die Notenbanken durch Staatsanleihekäufe die Kapitalmarktrenditen künstlich niedrig halten.

Diese quantitative Lockerung könnte enden, obwohl Inflation und Wirtschaftswachstum noch niedrig sind. Und dann dürfte es für Bond-Investoren bereits gefährlich werden.

Inwiefern?
Singer:
Endet die quantitative Lockerung, werden die Renditen an den Bondmärkten steigen. Bei länger laufenden Papieren, insbesondere zehnjährigen US-Staatsanleihen, erwarten wir dann eine Verdopplung der Renditen. Das bedeutet Kursverluste für Anleger, die dort investiert sind. Meiner Ansicht nach ist derzeit deshalb nicht das Kredit-, sondern das Durationsrisiko die größte Gefahr.

Und wie gehen Sie bei Ihrem Fonds mit dieser Situation um?
Singer:
Flexibilität ist für Anleiheinvestoren derzeit das A und O. Wichtig ist zum Beispiel eine aktive Steuerung der Anleihelaufzeiten im Portfolio. Wir können etwa eine negative Duration eingehen, um von einem Umfeld steigender Zinsen zu profitieren – ohne die im Fonds gehaltenen Anleihen verkaufen zu müssen. Aber wir können auch die ganze Bandbreite der Anlagemöglichkeiten nutzen, die das Bonduniversum bietet, und so weltweit nach attraktiven Anleihen mit positiver realer Verzinsung suchen.

Bei welchen Anleihen stimmt denn das Chance-Risiko-Verhältnis noch?
Singer:
Die Renditen hochverzinslicher Anleihen sind bereits recht stark zurückgekommen. Mit einer durchschnittlichen Rendite von 5 Prozent bringen sie, historisch betrachtet, in der Tat nicht mehr viel.

Entscheidend für die Attraktivität von High-Yield-Papieren ist aus unserer Sicht aber die Renditedifferenz zu sicheren Staatsanleihen. Und die liegt, da Bundesanleihen und US-Staatsanleihen eben historisch niedrige Renditen aufweisen, durchschnittlich immer noch bei rund 400 Basispunkten, was wir angesichts der starken Fundamentaldaten im High-Yield-Sektor nach wie vor für attraktiv halten.

Die expansive Geldpolitik beispielsweise der EZB und der Fed hat dazu geführt, dass Investoren auf der Suche nach höheren Renditen vor allem in Unternehmensanleihen aus dem Investment-Grade-Bereich angelegt haben, aber zögerlicher waren, in riskantere Sektoren wie High Yield zu investieren. Daher glauben wir, dass der High-Yield- Markt mit Bezug auf das fundamentale Risiko immer noch attraktiv ist.

Und Schwellenländer sind aus dem Portfolio nicht mehr wegzudenken.
Singer:
In der Tat. Dieses Universum war noch vor 15 Jahren mit einem Volumen von 100 Milliarden Dollar sehr illiquide. Heute stehen Anleihen im Wert von 3 Billionen Dollar aus diesen Staaten aus. Und die Emerging Markets wachsen dynamisch, zudem sind die Staatsfinanzen in vielen dieser Länder gut aufgestellt.

Aus diesem Grund sind unseres Erachtens zum Beispiel die Staatsanleihen aus diesen Ländern derzeit sehr attraktiv. Sollten sich die makroökonomischen Bedingungen jedoch verändern, sind wir mit dem Portfolio kurzfristig in der Lage zu reagieren. Da es einen Absolute-Return-Charakter hat, können einzelne Anlageklassen jederzeit reduziert werden.

Dann wäre da aber noch das Währungsrisiko in den Emerging Markets.
Singer:
Hier muss man differenzieren. Wir halten derzeit etwa brasilianische Staatspapiere für attraktiv verzinst. Allerdings schwächt sich das Wachstum dort gerade ab. Das könnte sich negativ auf die Entwicklung des Brasilianischen Real auswirken, weshalb wir dort das Währungsrisiko absichern. Anders sieht es in Mexiko aus. Dort sind wir aufgrund struktureller Verbesserungen optimistisch, weshalb wir dort ohne Währungsabsicherung in lokale Bonds investieren.

Was unsere Einschätzung der wichtigsten Währungen anbetrifft, haben wir derzeit auch Positionen im Chinesischen Yuan, in der Indischen Rupie und in Bundesanleihen gegenüber US-Staatspapieren, da wir davon ausgehen, dass die Geldpolitik im Euroraum, aufgrund der schlechteren wirtschaftlichen Entwicklung, länger expansiv bleiben wird als in den USA.

Sind weitere Bereiche interessant?
Singer:
Auf jeden Fall. Wir halten Hypothekenkredite auf den US-Immobilienmarkt für attraktiv. Das wesentliche Risiko bei diesen Anleihen besteht im Hypothekarkreditrisiko, sie gehörten nach dem Abschwung des US-Häusermarkts zu den Papieren mit der schlechtesten Wertentwicklung. Aber der US-Häusermarkt befindet sich auf dem Weg der Besserung, er zeigte im vergangenen Jahr eine starke Erholung. Wir sehen dort nach wie vor Chancen, wenn auch die Renditen nicht mehr so attraktiv wie 2012 sind.

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Über den Interviewten: Jason Singer arbeitet seit 1999 bei Goldman Sachs Asset Management. Er erwarb seinen BA in Finanzen und Entrepreneurship an der Whitman School of Management an der Syracuse Universität und machte seinen Master in Finanzmathematik an der Universität von Columbia. Bei Goldman Sachs leitete Singer zunächst das International Portfolio Management innerhalb des Global Liquidity Management Teams in London, ehe er 2008 Managing Director wurde. Heute ist er Senior Lead Portfolio Manager im Global Fixed Income Team.

 
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