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Daniel Sheard

Daniel Sheard

„Je länger die Party, desto heftiger der Kater“

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DAS INVESTMENT.com: Der JB Absolute Return Bond basiert auf einem Multi-Strategie-Ansatz. Sie investieren global in Anleihen und Währungen. Dabei setzen Sie sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse und versuchen, Bewertungsanomalien auszunutzen. Hat Ihnen diese Diversifikation während der Finanzkrise geholfen? Daniel Sheard: Nein, gegen die Marktturbulenzen des vergangenen Jahres war auch unsere Strategie nicht immun. Auch uns war es nicht möglich, solch gravierende Ereignisse wie die Pleite von Lehman Brothers vorherzusagen. Ich bin seit 20 Jahre im Geschäft und war schockiert, dass die Märkte einfach nicht mehr so funktioniert haben, wie man es über viele Jahre gewohnt war. Wir dachten, wir wären breit genug diversifiziert, um das Jahr mit einer schwarzen Null abzuschließen. Nach dem Lehman-Zusammenbruch war es jedoch egal, wo man investiert war – alles ging bergab. Im Vergleich scheinen unsere Verluste jedoch nicht besonders hoch zu sein. Während einige andere Fonds 10 bis 20 Prozent verloren, lagen unsere Verluste nur bei knapp 2 Prozent. DAS INVESTMENT.com: Denken Sie, die Anleger Ihres Fonds erkennen es an, dass sie nur geringe Verluste erlitten haben? Sheard: Nein, das können sie gar nicht. Es ist zwar schön, dass wir viele Fonds aus unserer Vergleichsgruppe hinter uns gelassen haben, doch in erster Linie wollen wir die Renditen liefern, die Anleger von unserem Fonds erwarten, und das ist die ausgegebene Zielrendite von 2 bis 3 Prozentpunkten über dem Euribor. Unsere Investoren wissen jedoch zu schätzen, dass wir unserer Strategie, nämlich die der strengen Diversifikation, treu geblieben sind – trotz der hohen Mittelabflüsse. DAS INVESTMENT.com: Ist das nicht selbstverständlich? Sheard: Auf keinen Fall. Viele Fonds lösen bei Mittelabflüssen zuerst ihre Cash-Positionen auf, danach kommen die liquiden Anlagen und so weiter. Am Ende halten die treuen Investoren dann oft hoch konzentrierte und relativ illiquide Positionen. Wir haben dagegen sehr darauf geachtet, unsere Positionen gleichmäßig runterzufahren und diese somit anteilsmäßig auf gleichem Niveau zu belassen. Das war nicht leicht, schließlich schrumpfte unser Fondsvolumen von 5 auf 2,5 Milliarden Euro. DAS INVESTMENT.com: Wie verlief der Start 2009? Sheard: Wir hatten einen guten Start ins neue Jahr. Nach den ersten beiden Monaten liegen wir um 1,2 Prozent vorne. DAS INVESTMENT.com: Geht es nun so weiter? Sheard: Wir sehen 2009 als ein Jahr der Herausforderungen, aber auch einiger guter Chancen. Die Regierungen, weniger in Europa aber vor allem in den USA, Großbritannien und Japan haben wirklich drastische Maßnahmen eingeleitet, um ihre Wirtschaften zu stützen. Die Zinsen sind nahe der Nulllinie, den Banken wurde überaus großzügig unter die Arme gegriffen, und nun wird die Gelddruckmaschine angeschmissen. Die spannende Frage ist, ob die Maßnahmen greifen werden. DAS INVESTMENT.com: Was bedeutet das für Ihre Fondsausrichtung? Sheard: Wir erleben gerade eine enorm hohe Volatilität. Das wird ein Jahr, in dem wir sehr taktisch und flexibel agieren werden. Wir werden aber auch 2009 immer wieder auf gute Gelegenheiten stoßen, mit denen wir unser Renditeziel von 5 bis 6 Prozent erreichen wollen. DAS INVESTMENT.com: Und wenn die Gelegenheiten ausbleiben? Sheard: Gelegenheiten bieten sich im Laufe eines Jahres eigentlich immer. Schließlich können wir als UCITS-lll-Fonds an den Zins-, Währungs- und Anleihenmärkten nicht nur auf steigende, sondern auch auf fallende Kurse setzen. Und wenn wir einmal keine gute Idee haben, stehen wir halt an der Seitenlinie und schauen dem Treiben zu. Das ist ein großer Vorteil gegenüber herkömmlichen Anleihenfonds, die immer investiert sein müssen. DAS INVESTMENT.com: Verdienen lässt sich so aber auch nichts. Sheard: Manchmal ist es einfach besser, keine Position zu haben. Im Übrigen prüfen wir jede Anlageidee nicht vorrangig auf deren Gewinnchancen, sondern auf das Verlustpotential. Diversifikation und Risikominimierung sind der Kern unseres Investmentansatzes. DAS INVESTMENT.com: Sie sprechen über ein Jahr der so genannten Herausforderungen. Was bereitet Ihnen Bauchschmerzen? Sheard: Nun, da sind einige Entwicklungen, die uns zurzeit nicht gefallen. Sorge bereitet uns zum Beispiel die Kreditvergabe an Unternehmen und private Haushalte. Wir denken, dass sich diese noch deutlich einschränken und in einer echten Kreditklemme münden wird. In vergangenen Rezessionen waren die Rückgänge der Kreditvergabe deutlich stärker ausgeprägt, als dies aktuell der Fall ist. In den späten Siebzigern ging das Kreditvolumen amerikanischer Banken an Unternehmen um 7 Prozent zurück, Anfang der Neunziger waren es 10 Prozent und nach dem Platzen der Technologieblase wurden 20 Prozent weniger Geld verliehen. In der gegenwärtigen Krise sank die Kreditvergabe gerade einmal um 6 Prozent... DAS INVESTMENT.com: …und das ist erst der Anfang? Sheard: Man liest und hört überall, dass die Banken zurzeit nicht gerne Geld verleihen und dass die Maßnahmen der Regierungen darauf abzielen, diesen Kreditfluss wieder in Gang zu bringen. In Wirklichkeit hat der Kreditfluss bis jetzt aber relativ gut funktioniert. Unsere große Befürchtung ist, dass sich die Banken in Zukunft noch wesentlich restriktiver verhalten werden und die Kreditvergabe auch in dieser Krise einen Rückgang um 10 oder sogar 20 Prozent erfahren wird. DAS INVESTMENT.com: Könnten andere Marktteilnehmer einspringen? Sheard: Nein, das ist unrealistisch. Wir glauben nicht, dass Versicherungsgesellschaften, Fonds und private Investoren die von den Banken gerissene Lücke schließen und die auf den Markt kommenden Neuemissionen aufnehmen können. DAS INVESTMENT.com: Sie sehen demnach kein schnelles Ende der Krise? Sheard: Nein, das Gegenteil ist der Fall. Die Banken in den Industrieländern haben in den letzten Jahren sehr viel Dummes getan – weil die Aufsichtsbehörden sie gelassen haben. Die Bankenregulierung war über einen langen Zeitraum viel zu lasch. Das Ergebnis daraus ist nun allgemein bekannt und die Lage wird sich wahrscheinlich noch verschärfen. Je länger eine Party läuft, desto länger hält der Kater am nächsten Tag an. Wie gesagt, wir sind der Auffassung, dass die Wiederbelebung des Kreditflusses wesentlich länger dauern wird als gemeinhin angenommen. DAS INVESTMENT.com: Und die Folgen daraus? Sheard: Bis zum Ende der Krise werden wir noch sehr viele Firmenpleiten sowohl im Hochzins als auch im Niedrigzinsbereich sehen. Das wird auch operativ völlig gesunde Firmen treffen, die eine relativ hohe Fremdkapitalquote aufweisen und sich angesichts der hohen Anleihenzinsen einfach nicht mehr refinanzieren können. DAS INVESTMENT.com: Dennoch gelten Unternehmensanleihen derzeit als sehr attraktiv. Sheard: Ich würde diese Aussage noch steigern. Unter Anlegern besteht aktuell nahezu Einstimmigkeit, dass Firmenanleihen die Investmentchance des Jahrhunderts sind. Wir sind da weitaus vorsichtiger. Die Frage ist doch, wie viele Firmen am Ende tatsächlich pleite gehen und wie viel Geld ein solches Investment dann noch bringt. In dieser Situation genießen wir die Freiheiten, die uns unser Fondskonzept bietet. DAS INVESTMENT.com: Wie nutzen Sie diese Freiheiten auf Ihrer Spielwiese der Unternehmensanleihen? Sheard: Nun, nehmen wir zum Beispiel den Bankensektor und den einst größten Vertreter dieser Branche, Citigroup. Die Bank steht vor einem Berg von Problemen. Um die Bilanz auf ein vernünftiges Maß herunterzufahren, werden noch enorme Summen an Steuergeldern notwendig sein. Die Gefahr besteht durchaus, dass der Staat unter dem Druck der amerikanischen Bevölkerung irgendwann sagt, genug ist genug und weitere Hilfe verweigert. Dann kämen wir in eine Situation, in der ein gewisser Anteil der ausstehenden Anleihen in Aktien eingetauscht werden müssen, und das würde eine neue Panik auslösen. In Europa ist das nicht so einfach möglich. Zum einen ist hier die Rechtslage anders geartet und zum anderen dürfte die staatliche Unterstützung speziell in Deutschland und England noch ein ganzes Stück weitergehen als in den USA. Kurz: In den USA rechnen wir, anders als in Europa mit weiteren Bankenpleiten, die vom Staat nicht verhindert werden. Daraus ergeben sich interessante Long-Short-Strategien innerhalb des globalen Bankensektors. DAS INVESTMENT.com: Welche Strategie verfolgen Sie an den Zinsmärkten? Sheard: Wir halten es für sehr unwahrscheinlich, dass die Zentralbanken in den entwickelten Ländern in diesem und im nächsten Jahr die Zinsen anheben werden. Demnach sehen wir eine günstige Gelegenheit am kurzen Ende der Zinskurve, das mittlerweile sehr steil geworden ist. Long-Positionen in Zinspapieren mit einer Laufzeit bis 2010 sollten eine relativ sichere Ertragsquelle sein. DAS INVESTMENT.com: All diese Ideen bringen Ihnen gar nichts, wenn die Währungsmärkte nicht mitspielen. Sheard: Das ist richtig. Die Entwicklungen der Wechselkurse haben eindeutig den größten Einfluss auf die Fondsrendite. Deshalb betrachten wir Währungen als eigenständige Anlageklasse. Auf der einen Seite sichern wir viele Positionen gegen Wechselkursschwankungen ab, auf der anderen Seite gehen wir jedoch auch aktive Wetten in diesem Bereich ein. DAS INVESTMENT.com: Welche Währungswette können Sie sich in den kommenden Jahren vorstellen? Sheard: Es ist sehr schwer vorherzusagen, welche Währungen langfristig zu den Gewinnern gehören werden und welche auf lange Sicht weiter abwerten. Positiv sehen wir vor allem Währungen, die mit zukunftsträchtigen Werten hinterlegt sind. Das sind vor allem Länder, die über große Rohstoffvorkommen verfügen. Die Industrialisierung in China und Indien hat gerade erst begonnen. Eine Wette auf den australischen Dollar, die norwegischen Krone, den chilenischen Peso, den brasilianische Real und der türkischen Lira gegen den US-Dollar, den Euro und den Yen ist unserer Meinung nach eine risikoarme Strategie für attraktive Renditen in den kommenden Jahren. Ein großer Vorteil von Währungsinvestitionen, das gilt auch für Emerging-Markets-Währungen, sind die minimalen Transaktionskosten. Wenn die Dinge schlecht laufen, können die Positionen wesentlich schneller und günstiger geschlossen werden, als dies bei Unternehmensanleihen der Fall ist. DAS INVESTMENT.com: Wie schätzen Sie die Inflationsgefahren in den kommenden Jahren ein, und wie können Sie davon profitieren? Sheard: Die meisten Wirtschaftstheorien belegen die Idee, dass auf eine starke Geldmengenausweitung, eine starke Inflation folgt. Wir sind der Meinung, dass wir gerade dabei sind, eine große Inflation in der Zukunft zu produzieren, denn das ist schließlich ein probates Mittel, um die enormen staatlichen Schuldenberge abzutragen. Wir begegnen dieser Entwicklung mit amerikanischen und japanischen inflationsgeschützten Anleihen, die wir zurzeit als sehr billig erachten. In Japan hat der Markt eine zehnjährige Deflation eingepreist – das halten wir für absolut unrealistisch. In den USA wird die Inflationsrate erschreckende Niveaus erreichen. Wer so viel Geld druckt wie die Amerikaner, für den ist der einzige Ausweg eine starke Preissteigerung verbunden mit einem schwächeren Dollar. In den entwickelten Industriestaaten insgesamt können wir uns in den nächsten sechs, sieben Jahren durchaus Preissteigerungen von 4 bis 5 Prozent vorstellen. DAS INVESTMENT.com: Was raten Sie Anlegern, die sich vor einer kommenden Inflation schützen wollen? Sheard: Anstatt traditionelle Anleihenfonds zu kaufen, sollten sie sich nach alternativen Fondskonzepten mit Absolute-Return-Ansatz umschauen. Aktien sind ein effektiver Inflationsschutz, allerdings noch nicht jetzt. Ich glaube nicht, dass wir den Boden an den Aktienmärkten bereits gesehen haben. Der jüngste Anstieg war eine von Bankwerten getriebene Bärenmarkt-Rally, auf die neue Tiefs folgen werden. Interessant sind auch Grundstücke, nicht Immobilien. Außerdem sollte Gold im Portfolio eine Rolle spielen.

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