2026 redet die halbe Welt von KI-Agenten, die uns die Arbeit abnehmen. Jens Bredler wäre schon zufrieden, wenn er einen Eigentümer aus dem Grundbuch ziehen könnte, ohne ein Fax zu schicken. Der Bauantrag liegt vielerorts auf Papier, ein offen einsehbares Register fehlt. KI sei in Teilen der Immobilienbranche schwierig, sagt Bredler im Podcast „For Professional Investors Only“ – weil oft gar keine Daten existieren, auf die sie aufsetzen könnte.
Bredler war erst Zimmermann auf dem Bau, dann kam Finance, ein Studium in Glasgow, heute führt er Arcneo. Sein Unternehmen entwickelt serielle Holzmodulhäuser, finanziert sie über Anleihen und lässt ein hauseigenes KI-System Projektunterlagen prüfen – hunderte Exposés, B-Pläne von 1974 neben Satzungsbeschlüssen von heute. Frontier-Modelle wie Claude Opus übernehmen die Fleißarbeit, ein Mensch bleibt trotzdem im Loop.
Bredlers zentrale Beobachtung: Während KI anderswo digitale Prozesse optimiert, muss sie in Immobilien erst digitalisieren. Es ist ein Zwischenschritt, den die Branche jahrzehntelang übersprungen hat. Und selbst dann bleibt der Engpass menschlich, nämlich das Bauamt. Sein Vorschlag an die Politik: nicht mehr Bau-Regeln, sondern Anreize in der Verwaltung. „Mehr Arbeit wird nicht belohnt“ – und wer Vorgänge liegen lässt, muss nichts befürchten.
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Wie schnell das kippt, zeigt Zillow: Der US-Portalriese ließ Häuser weitgehend von der KI bewerten und einkaufen und schrieb rund 800 Millionen US-Dollar ab. Bredlers Lehre daraus klingt trocken: „Ich würde lieber einmal mehr das Kind in den Brunnen fallen lassen, als alle Brunnen zuzumachen.“ Regulierung ja, aber an den richtigen Stellen, etwa beim Mieter-Scoring, nicht als Innovationsbremse.
Mit dem Hype rechnet er ab. Auf Linkedin sei Claude die Lösung für jedes Problem, spottet Bredler – in der Realität liefere dasselbe Modell zehnmal ein anderes Ergebnis. Seine Formel: „Intelligenz in Form der großen LLMs ist so was wie ein Rohstoff geworden.“ Oben die Gießkanne, unten ein Kanalsystem, das die teure KI nur dort abruft, wo sie zählt. Und: „Es muss nicht für alles eine App geben.“
Und das Geschäftsmodell? Arcneo startete mit dem Versprechen, dass Privatleute ab 100 Euro mitbauen – „Trade Republic für Immobilien“. Heute liegt die Mindestanlage bei 100.000 Euro. Ist die demokratisierte Geldanlage damit beerdigt oder nur vertagt? Und lässt sich ein Modell, das in Deutschland gegen Fax und Bauamt kämpft, in ganz Europa skalieren? Wie genau das funktioniert, welche Fehler gemacht wurden und worauf Jens Bredler jetzt setzt, darüber spricht er im Podcast.
