Jens Spudy

Jens Spudy

Jens Spudy: „Die Klientel eines Family Offices ist sehr anspruchsvoll“

DAS INVESTMENT.com: Die Deutsche Bank prüft die Übernahme der alteingesessenen Kölner Privatbank Sal. Oppenheim. Statt eines blattgoldbedruckten Sparbuchs gibt es bald eine hellblaue Kundenkarte. Die Schweizer UBS kommt auch nicht aus den Negativschlagzeilen heraus. Die Hochfinanz ist in den Niederungen der Krise angekommen. Jens Spudy: Nein, dass stimmt natürlich nicht. Nicht das Private Banking oder die Verwaltung von sehr großen Vermögen sind für die aktuellen Probleme verantwortlich. Unser Geschäft ist nicht von dem Streben nach maximalem Gewinn oder der vielfach zitierten Gier bestimmt. Wir handeln sehr konservativ und sind vor allem auf die Erhaltung der Vermögen bedacht. Warum ist denn die Deutsche Bank an Sal. Oppenheim interessiert? Das Geschäftmodell ist nach wie vor hochinteressant und nicht unrentabel. Die Endkunden müssen kein Vermögensaufbau mehr betreiben, sie sind bereits vermögend. Die Konsequenz daraus ist die Abnahme des einzugehenden Risikos. Nichtsdestotrotz verfolgen wir als großes bankenunabhängiges Family Office die aktuelle Entwicklung mit einem gewissen sportlichen Interesse. DAS INVESTMENT.com: Kölsche Millionen werden doch jetzt nicht den Weg nach Hamburg finden? Spudy: Es gibt erstklassige Family Offices in Köln, Großvermögen sind in der Regel sehr verwurzelt in der jeweiligen Region. Das trifft aber nicht den Kern. Wie bereits angesprochen, ist die Klientel eines Family Offices sehr anspruchsvoll und hat, wie viele andere Anleger auch, unter der Finanzkrise gelitten. Daher werden einzelne Bindungen überprüft, auch in Hamburg und Norddeutschland. Wir befinden uns in einem Wettbewerb und der ist völlig normal und legitim. DAS INVESTMENT.com: Was brauche ich, um bei Ihnen Kunde zu werden? Spudy: Wir haben mehrere Geschäftsbereiche. Im Vermögenscontrolling sollte die Höhe des Vermögens zwischen  15 und 20 Millionen Euro liegen, im Bereich Family Office sind es 35 Millionen Euro. DAS INNVESTMENT.com: Haben Ihre Kunden die vergangenen zwei Jahre Geld verloren? Spudy: Kaum. Unsere Mandanten sind sehr risikoscheu und streben zu allererst den Erhalt ihres Vermögens an. Insofern orientieren sie sich an der Inflation. Das Erreichen dieses Zieles war unsere zentrale Herausforderung in den vergangenen Monaten, daran haben wir im Sinne unserer Mandanten stets hart gearbeitet. DAS INVESTMENT.com: Die Turbulenzen gingen an Ihnen vorbei? Spudy: Es war eine schwierige Zeit. Wie andere Häuser bekamen wir auch ängstliche Anrufe mit dem Tenor: „Alles verkaufen und in Goldbarren anlegen.“ Vereinzelt gab es große Sorgen und Bedenken. Selbstverständlich ist es derzeit schwieriger einen Unternehmensverkauf durchzuführen, als noch vor wenigen Jahren. Ferner unterliegen wir ebenso konjunkturellen Schwankungen, aber ein großes Vermögen kann im Vergleich zu geringeren Vermögen deutlich breiter diversifiziert werden. Viele Beteiligungen setzen hohe Eintrittsbarrieren an, die jedoch für unsere Mandanten kein Hindernis darstellen. Gegen ganz menschliche Verlustängste allerdings kann auch die beste und umfangreichste Analyse sowie die ausgewogenste Asset Allocation nichts ausrichten. Unsere Aufgaben und Pflichten gegenüber unseren Mandanten sind dann zuzuhören, zu beruhigen, erneut zu analysieren und verlässlich unsere Arbeit zu machen. Da spielt Psychologie eine Rolle, die beste Basis ist allerdings die vertrauensvolle und stabile Beziehung zu unseren Mandanten. DAS INVESTMENT.com: Sie sind das Bindeglied zwischen den Banken, bei denen das Vermögen liegt, und dem Endanleger. Nun stockt der Absatz von Finanzprodukten, und statt des ängstlichen Kunden haben Sie es jetzt mit dem Bankenvertrieb zu tun. Spudy: Die Marktpenetration durch die großen Banken ist immer recht hoch. Auffallend ist jedoch, dass momentan verstärkt versucht wird, neue margenträchtige Produkte am Markt zu platzieren. Dies liegt vor allem daran, dass Anleger momentan Zertifikate und andere komplexe Finanzinstrumente meiden. DAS INVESTMENT.com: Wie beurteilen Sie die Zukunft der vielen freien Berater, die keinen so exklusiven Kundenstamm haben? Spudy: Bei diesen wird es zu einer massiven Konsolidierung kommen. Vermögensverwaltung, wie wir sie betreiben, ist eine kostspielige Angelegenheit. Die Fixkosten sind hoch: die Prüfungen der Bafin und externer Wirtschaftsprüfer, die Gebühren für die Teilnahme an der Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen. Die Berater brauchen erstklassige Software und Infrastruktur, es ist ein Prozess der ständigen Erneuerung. DAS INVESTMENT.com: Mehr Honorarberatung statt provisionsgesteuertem Vertrieb? Spudy: Diese Diskussion ist alt und wird immer wieder geführt. Es wird noch Zeit brauchen, bis sich die Honorarberatung auch im Geschäft mit kleineren Vermögen durchsetzt. DAS INVESTMENT.com: Die Geschäfte der Groß- und Privatbanken sind stark eingebrochen. Spüren Sie diese Entwicklung und bekommen mehr Bewerbungen? Spudy: Ganz massiv. Uns erreichen sehr viele Bewerbungen. Ein Problem liegt häufig an dem Wechsel zu einer anderen Perspektive. Unsere Berater stehen an der Seite des Mandanten und nicht auf der Seite der Bank. Außerdem fehlen oft soziale und analytische Kompetenzen. Aber natürlich gibt es auch ganz erstklassige Bewerber, und auf die freue ich mich immer.

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