Mark Dowding (Gastautor)Lesedauer: 2 Minuten

Bluebay-Investmentchef Jetzt könnte ein guter Zeitpunkt für Käufe sein

Sitz der Federal Reserve in Washington, D.C.
Sitz der Federal Reserve in Washington, D.C.: Die US-Notenbank hat ein Ende der lockeren Geldpolitik angekündigt. | Foto: Imago Images / Kyodo News

In den vergangenen Tagen wurden die Nachrichten von Bildern aus Afghanistan beherrscht. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, inwieweit die Fed und andere Zentralbanken ihren eigenen bevorstehenden Ausstieg aus der Geldpolitik so beschleunigen können, dass es zu möglichst wenigen Komplikationen kommt. Eine klare Kommunikation und ein geordneter Zeitplan scheinen dabei von zentraler Bedeutung zu sein.

Erste Zinserhöhung bis Ende 2022 erwartet

Unter diesem Gesichtspunkt war es interessant zu beobachten, wie sich die Fed-Spitze auf die Idee einigte, in den nächsten Monaten einen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik anzukündigen und noch in diesem Jahr mit der Reduzierung der Anleihekäufe zu beginnen. Ein aufschlussreicher Artikel im Wall Street Journal deutete darauf hin, dass viele Mitglieder des Fed-Offenmarktausschusses das Zurückfahren der Anleihekäufe bis Mitte 2022 abschließen wollen. Dies deckt sich mit unserer Einschätzung, dass eine erste Zinserhöhung bis Ende kommenden Jahres wahrscheinlich ist.

Derweil gehen wir weiterhin davon aus, dass die Delta-Variante in den USA ihren Höhepunkt erreicht hat, so wie es in weiten Teilen Europas und des Vereinigten Königreichs bereits der Fall ist. Ein Blick auf die Anzahl der Tage, die die Delta-Welle in Indien bis zu ihrem Höhepunkt brauchte, legt nahe, dass dies in den USA – oder zumindest in den am stärksten betroffenen US-Bundesstaaten – in der kommenden Woche der Fall sein dürfte.

US-Konjunktur macht robuste Fortschritte

Ungeachtet von Turbulenzen bleiben die zugrundeliegenden Wirtschaftstrends stabil und wir rechnen weiterhin mit robusten Fortschritten auf dem Weg zur Normalisierung des US-Arbeitsmarktes, da die großzügigen Sozialleistungen auslaufen und gleichzeitig ein Rekordniveau an offenen Stellen gemeldet wird.

In den Sommermonaten bleiben viele Anleger den Märkten fern. Daran dürfte sich in den nächsten Wochen nicht viel ändern. Weil Liquidität nach wie vor im Überfluss vorhanden ist, stehen genügend Barmittel bereit, um die aktuelle Delle in den Kursen auffangen zu können. Wir gehen nicht davon aus, dass eine Korrektur bei Risikoanlagen zu ausgeprägt sein wird. Hinter dem Scheitel der Delta-Welle dürfte wieder ruhigeres Fahrwasser liegen. Daher scheint jetzt ein guter Zeitpunkt zu sein, um Positionen aufzubauen und mit Blick auf die mittelfristige Zukunft zu halten, anstatt sich von den Unwägbarkeiten der kurzfristigen Preisentwicklung zu sehr beeindrucken zu lassen.

Wir sind zuversichtlich, dass der Offenmarktausschuss der Fed den Ausstieg aus der Geldpolitik nicht in der Weise „verbocken“ wird, wie das Weiße Haus den Rückzug aus Afghanistan bewerkstelligt hat. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt scheinen sich die Fed-Mitglieder bewusst zu sein, dass das größte Risiko darin besteht, die Normalisierung zu lange hinauszuzögern. Wir hoffen auf einen geordneten Ausstieg.

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