Ben Leyland, Manager des Aktienfonds JOHCM Global Opportunities

Ben Leyland, Manager des Aktienfonds JOHCM Global Opportunities

JO-Hambro-Manager Ben Leyland über seine aktuelle Watchlist

„Wir stehen kurz davor, in den Emerging Markets zu kaufen“

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DER FONDS: In den ersten Jahren seit Auflegung Mitte 2012 lief Ihr Fonds mehr oder weniger mit dem Vergleichsindex MSCI World, 2015 hat er sich dann nach oben abgekoppelt. Was ist passiert?

Ben Leyland: Das Umfeld hat sich geändert. Vor allem 2013 und 2014 hatten wir stark momentumgetriebene, ja nahezu selbstgefällige Aktienmärkte. In solchen Phasen haben wir Probleme, uns vom Index abzusetzen. Denn unser Fonds konzentriert sich eher auf den inneren Wert von Unternehmen als auf Momentum. Im August 2015 kam der Wandel zu deutlich volatileren Märkten. Es kamen erste Zweifel auf, ob die Notenbanken mit ihrer lockeren Geldpolitik das Richtige tun. Viele Anleger sind ebenso schnell ausgestiegen, wie sie zuvor eingestiegen sind, vor allem über passive Instrumente. Die Bewegung fand also vor allem in Indextiteln statt.

Volatilität kommt Ihrer Strategie entgegen?

Ja, wir mögen volatile Zeiten. Diese ermöglichen es uns, Aktien günstig zu kaufen und teuer zu verkaufen. Die Dispersion in den Märkten nimmt zu. Das gibt Stockpickern wie uns Möglichkeiten, sich vom Markt zu unterscheiden.

Wird 2016 auch ein gutes Jahr für Stockpicker?

Es hat zumindest schon einmal gut begonnen. Ich weiß nicht, in welche Richtung sich der Markt bewegt, ob wir letztlich am Jahresende ein Plus oder Minus haben. Ich tendiere eher zum Minus. Ziemlich sicher bin ich mir hingegen, dass 2016 deutlich volatiler sein wird als 2013 und 2014. Aktienkäufer haben ihre Selbstgefälligkeit verloren.

Gibt es einige große Treiber, die die Märkte bewegen?

Es gibt unendlich viele. Es gibt viele politische Risiken und wirtschaftliche Unsicherheit. Die Wahrscheinlichkeit für gute und schlechte Überraschungen ist sehr hoch. Wir sehen Herdenverhalten in beide Richtungen. In Abwärtsmärkten flüchten Anleger aus Angst vor zu großen Verlusten. Geht es hingegen nach oben, befürchten viele professionelle Investoren, hinter der Benchmark zu bleiben, und steigen schnell wieder ein. Das führt zu großen Schwankungen.

Sie dürfen bis zu 20 Prozent Cash in Ihrem Fonds halten. Ende Januar waren es 16 Prozent. Haben Sie seitdem etwas gekauft?

Nein. Die Märkte sind gestiegen. Wir haben keine Kaufgelegenheiten gesehen.

Im Kurseinbruch im Januar auch nicht?


Da haben wir den Luxusgüter-Hersteller Richemont gekauft. Wir haben allerdings auch Procter & Gamble aus dem Basiskonsumgüter-Bereich verkauft. Die Cash-Rate ist etwas gesunken, aber nicht viel. Wir investieren nur in ausgesuchte Qualitätsunternehmen. Wir sind sehr geduldig und warten auf den richtigen Preis, bevor wir kaufen.

Der Einbruch in den ersten Wochen des Jahres reichte Ihnen noch nicht?

Nein, der Aktienmarkt ist schon seit drei Jahren sehr teuer. Ein 5- oder 10-prozentiger Einbruch macht uns noch nicht wirklich glücklich. Uns ist auch nicht wichtig, dass der Markt insgesamt einbricht. Entscheidend sind die Aktien auf unserer Watchlist. Wir nähern uns aber der Marke, an der wir einsteigen können – irgendwann in den volatilen Märkten der nächsten sechs bis neun Monate werden wir Kaufzeitpunkte sehen. Solange konzentrieren wir uns vor allem auf Unternehmen, die ihre Gewinne in neues Wachstum investieren.

Zum Beispiel?

Experian, TJX oder Mastercard. Diese Unternehmen werden jedes Jahr wertvoller, und geduldige Investoren wie wir werden so belohnt. Halte ich solche Unternehmen drei oder vier Jahre, habe ich einen guten positiven Gesamtertrag, auch wenn ich sie nicht ganz so günstig einkaufe. Allerdings darf ich auch nicht zu teuer kaufen. Dies ist das Problem bei einigen Unternehmen aus dem Basiskonsumgüter-Bereich, die einfach zu teuer sind.

Warum haben Sie Richemont gekauft?

Unsere beiden jüngsten Neuzugänge waren Aktien mit einem starken Fokus auf die Emerging Markets. Entsprechend kräftig haben sie in der Vergangenheit verloren. Neben Richemont haben wir Edenred gekauft. Der Gutschein-Dienstleister ist in Frankreich notiert, hat aber ein starkes Geschäft in Brasilien. Richemont ist international tätig mit besonderer Ausrichtung auf China. Wir haben die Aktien gekauft, da die kurzfristige Nachtrichtenlage negativ ist. Die Gewinndynamik ist verschwunden. Es sind aber sehr solide Unternehmen mit hoher Preissetzungsmacht und starken Bilanzen. Der Markenwert wird durch die schlechten Nachrichten nicht zerstört.

Und welche Aktien stehen auf Ihrer Warteliste?

Zum Beispiel Rio Tinto. Rohstoffe sind eigentlich kein klassischer Sektor, in den wir investieren. Die Minengesellschaft überzeugt jedoch mit sehr niedrigen Produktionskosten, einer starken Bilanz und soliden Cashflows. Ebenso sind wir kurz davor, in den Emerging Markets zu investieren. Zurzeit haben wir dort keine Positionen und sind sehr selektiv. Die meisten Schwellenländer-Unternehmen haben für uns keine ausreichende Preismacht und sind zu kapitalintensiv. Gute Chancen sehen wir jedoch bei einigen brasilianischen Unternehmen wie zum Beispiel Odontoprev, ein Unternehmen für zahnärztliche Leistungen, oder der Mietwagen-Firma Localiza Rent a Car.

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