Das Deutschlandticket wird neun Euro teurer – für die Menschen wird die Nahverkehrs-Flatrate damit zur größeren finanziellen Belastung. Für Arbeitgeber bietet die Preiserhöhung jedoch auch die Möglichkeit, sich im Wettbewerb um Talente zu positionieren. Der Vermögensverwalter DJE aus Pullach etwa hat angekündigt, den Zuschuss zum Deutschlandticket beim Münchner Verkehrsverbund von 30 auf 39 Euro anzuheben. Zusätzlich können Mitarbeiter ein Jobrad mit Arbeitgeberzuschuss beziehen.
Was auf den ersten Blick als reine Mitarbeiterförderung erscheint, folgt einer klaren strategischen Logik: Im zunehmend härter werdenden Kampf um qualifizierte Fachkräfte entwickeln sich innovative Mobilitätsangebote zu einem wichtigen Differenzierungsfaktor für Arbeitgeber.
Studiendaten belegen den Trend
Viele Unternehmen bieten ihren Mitarbeitenden mindestens eine ergänzende Form der Mobilität an oder planen dies in naher Zukunft. Dienstrad-Leasing (77 Prozent), E-Auto-Flotten (72 Prozent) und das Deutschlandticket (52 Prozent) stehen dabei ganz oben auf der Agenda, so die Ergebnisse des Arval Mobility Observatory Mobilitäts- und Fuhrparkbarometers 2024.
„Für Unternehmen lohnt es sich in jedem Fall, Mitarbeitenden innovative Mobilitätslösungen anzubieten“, erläutert Katharina Schmidt vom Arval Mobility Observatory im Gespräch mit „Trend Report“. „Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels sind attraktive Zusatzangebote abseits des Gehalts kein Nice-to-have mehr, sondern eine wichtige Stellschraube, um (junge) Fachkräfte für sich zu begeistern und das bestehende Personal langfristig an sich zu binden.“
Generationenspezifische Präferenzen
Die Bedeutung solcher Angebote bestätigt auch eine Erhebung der Universität St. Gallen. Demnach rangieren Mobilitätslösungen in der Gunst der Arbeitnehmer direkt an zweiter Stelle nach zusätzlichen bezahlten Urlaubstagen.
Besonders die Altersgruppe zwischen 20 und 39 Jahren mit urbanem Wohnumfeld zeigt großes Interesse: Bei ihnen steht mit 66 Prozent der Bezug eines vergünstigten Deutschlandtickets an erster Stelle, gefolgt von Carsharing (30 Prozent) und der Bereitstellung von E-Bikes (31 Prozent).
„Die Babyboomer und ein Teil der Generation X bevorzugen oft noch den klassischen Firmenwagen und schätzen die Bequemlichkeit und den Status. Millennials und die Generation Z hingegen legen mehr Wert auf Flexibilität und Nachhaltigkeit. Sie bevorzugen häufig Mobilitätslösungen wie das Dienstrad, Carsharing-Modelle oder die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel“, analysiert Schmidt die unterschiedlichen Präferenzen.
Effizienter Einsatz der Ressourcen
Für Arbeitgeber erweisen sich die Investitionen in Mobilitätsangebote auch wirtschaftlich als sinnvoll. Ein Beispiel: Während ein Arbeitgeber für eine Nettolohnerhöhung von 49 Euro etwa 86 Euro aufwenden muss, kostet das Deutschlandticket als Jobticket bei gleichem Nettovorteil für den Mitarbeiter nur 49 Euro.
Eine durchdachte Mobilitätsstrategie zahlt sich für Unternehmen mehrfach aus: Sie stärkt nicht nur die Bindung bestehender Mitarbeiter, sondern macht Arbeitgeber auch für neue Talente attraktiver. Ein intelligentes Portfolio aus ÖPNV-Zuschüssen, Fahrradleasing und weiteren flexiblen Optionen signalisiert Zukunftsorientierung und Wertschätzung gegenüber Mitarbeitern. Das fördert die Identifikation mit dem Unternehmen und reduziert das Risiko von Abwanderungen – ein entscheidender Vorteil im hart umkämpften Personalmarkt.
Mobilitätsangebote werden als strategisches Instrument im Recruiting weiter an Bedeutung gewinnen. Unternehmen können sich im War for Talents damit einen wichtigen Vorteil verschaffen. Dabei gilt es, die unterschiedlichen Bedürfnisse der Generationen zu berücksichtigen und flexible Lösungen anzubieten – vom Jobrad über Bahncard und Deutschlandticket bis hin zum klassischen Firmenwagen.

