Es gibt Karrieren, die in gerader Linie verlaufen – und solche, die Bögen beschreiben. Jörg Kukies hat beides getan: vom Hörsaal in Harvard und Chicago über die Handelsetagen von Goldman Sachs ins Bundesfinanzministerium, von dort ins Kanzleramt, schließlich auf die Regierungsbank. Nun schließt sich der Kreis.

Nach gut sieben Jahren in der Politik kehrt Kukies ins Investmentbanking zurück. Wie das „Manager Magazin“ berichtet, wird der 58-Jährige zu Morgan Stanley wechseln und dort eine Spitzenfunktion in Kontinental-Europa übernehmen.

Cooling-off als Hürde

Wann Kukies seinen neuen Posten antreten kann, ist noch offen. Laut dem Magazin entscheidet das Bundeskabinett diese Woche über die Länge seiner sogenannten Cooling-off-Periode – der gesetzlich vorgesehenen Karenzzeit für ehemalige Regierungsmitglieder vor einem Wechsel in die Privatwirtschaft. Üblich sind zwölf Monate; möglich sind bis zu 18. Die Frist soll verhindern, dass Insiderwissen aus der Regierungszeit unmittelbar dem neuen Arbeitgeber zugutekommt.

Dem Magazin zufolge dürfte Kukies zunächst in London starten, seine Aufgabe später aber von Frankfurt ausführen.

Aufsichtsbehörden, Kunden, Märkte

Welche Rolle Kukies bei Morgan Stanley konkret übernimmt, bleibt bislang unbestätigt. Insider gehen dem Bericht zufolge davon aus, dass er sich um die Beziehungen zu europäischen Finanzaufsehern, insbesondere der EZB, kümmern wird. Darüber hinaus soll er als Gesicht der Bank gegenüber Kunden und Märkten in Kontinental-Europa fungieren.

Morgan Stanley zählt neben Goldman Sachs und J.P. Morgan zu den führenden Wall-Street-Instituten.

Ein Karriereweg zwischen zwei Welten

Kukies studierte in Harvard und promovierte an der University of Chicago. Ursprünglich strebte er eine wissenschaftliche Laufbahn an, gelangte dann aber über persönliche Kontakte zu Goldman Sachs, wo er zum Co-Chef der deutschen Tochtergesellschaft aufstieg. 2018 wechselte er ins Bundesfinanzministerium.

Als Staatssekretär und später im Kanzleramt begleitete Kukies Themen wie die gescheiterte Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank, den Wirecard-Skandal und die angestrebte europäische Banken- und Kapitalmarktunion. Während der Coronakrise spielte er eine zentrale Rolle bei den staatlichen Rettungsprogrammen. Nach dem Rücktritt von FDP-Finanzminister Christian Lindner Ende 2024 übernahm er das Bundesfinanzministerium kommissarisch bis zu den vorzeitigen Neuwahlen.