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Co-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank John Cryan, Foto: Getty Images

Co-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank John Cryan, Foto: Getty Images

John Cryans Umbaupläne

Deutsche Bank zieht sich aus 10 Ländern zurück

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Anshu Jain hat die vergangenen zwei Jahrzehnte damit zugebracht, die Deutsche Bank in einen weltweit tätigen Investmentbank-Riesen zu wandeln. Jetzt will die Bank die Zahl ihrer Kunden in den Bereichen Unternehmen/Investmentbank und Märkte um 50 Prozent verringern und zieht sich rund um die Welt aus Ländern zurück.

Co-Chef John Cryan, der das Ruder übernommen hat, nachdem sich Jain im Juni zurückgezogen hat, will sich nun auf die Kunden konzentrieren, mit denen die Deutsche Bank die meisten Einnahmen generieren kann. Zudem sollen Stellen und eine Zahl von Handelsgeschäften gestrichen werden. Cryan bemüht sich darum, die Kosten zu senken und der Bank trotz regulatorischer Einschränkungen und strengerer Kapitalvorschriften wieder auf die Beine zu helfen. Am Donnerstag kündigte er an, dass sich das Institut aus riskanteren Regionen und von Kunden mit begrenzten Aussichten zurückziehen werde.

Cryan will nun Geschäfte umbauen, die sich seit 2014 im Umbruch befinden. Seine Pläne deuten auch auf eine Abkehr vom Expansionskurs Jains, der aus dem Kreditinstitut Europas größte Investmentbank mit einem Spitzenplatz im Bondhandel gemacht hatte. Die Präsentation der neuen Strategie durch Cryan war gespickt mit Kritik an den Handelsgeschäften, zum Beispiel an deren unflexibler Vergütungsstruktur, Bedenken wegen Risiken und Ausführung und dem Anspruch, zu vielen Leuten zu viele Dienste anbieten zu wollen.

„Dem vorherigen Management ging es nur um Marktanteile“, sagt Dirk Becker, ein Analyst bei Kepler Cheuvreux in Frankfurt. „Die neuen Entscheider achten viel mehr darauf, was unterm Strich herauskommt, wie viele Ressourcen auf der Kapitalseite von Kunden und Produktlinien gebunden werden. Das ist ein großer Unterschied.“

Hier will die Deutsche Bank sich zurückziehen ...

Die zehn Länder, aus denen sich die Deutsche Bank zurückziehen will, sind Argentinien, Chile, Mexiko, Peru, Uruguay, Dänemark, Finnland, Norwegen, Malta und Neuseeland. Hinzu kommt Russland, wo das Institut Bank- und Wertpapieraktivitäten schließt und sich Vorwürfen der Geldwäsche ausgesetzt sieht.

Zu den Bereichen, die ebenfalls dem Rotstift zum Opfer fallen, zählen Geschäfte, bei denen Käufer und Verkäufer von Kreditausfallversicherungen (CDS) ohne Clearing zusammengeführt werden, mit denen Investoren auf die Fähigkeit eines Kreditnehmers spekulieren, seine Schulden zurückzuzahlen. Auch das Geschäft mit einigen Wertpapieren mit Bindung an Zinssätze soll gestrichen werden, ebenso wie der Handel mit Wertpapieren, die mit Wohnimmobilien-Hypotheken von Finanzierungsgesellschaften unterlegt sind und Verbriefungen mit hoher Risikogewichtung, kündigte die Deutsche Bank an.

Aufsichtsbehörden haben die Kreditinstitute dazu verpflichtet, höhere Kapitalpuffer für potenzielle Verluste zurückzulegen. Dadurch wurden Geschäftsbereiche, aus denen sich die Deutsche Bank jetzt zurückziehen will, weniger profitabel, erklärt Craig Pirrong, Professor für Finanzwesen an der University of Houston. „Es handelt sich dabei um besonders kapitalaufwendige und kapitalintensive Geschäftsbereiche“, sagte Pirrong. „Sie sind riskant und generieren einfach nicht verlässlich genug eine Profitabilität, die das dafür notwendige Kapital rechtfertigen würde.“

... und hier sind Investitionen geplant

Cryan plant allerdings nicht nur Einschnitte. In einige Bereiche soll auch investiert werden, wie die Beratung von Kunden bei Fusionen und Übernahmen und Hilfe bei der Aktienplatzierung bei Investoren.

Dennoch „handelt es sich um eine komplett neue Strategie“, erklärte Becker von Kepler Cheuvreux. „Es war immer klar, dass eine Management-Veränderung nötig sein würde, um dies durchzuboxen“, fügte er hinzu.

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