Jamie Dimon, Chef der US-Bank J.P. Morgan Chase, hat sich in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ positiv über Bundeskanzler Olaf Scholz geäußert und eine optimistische Einschätzung der deutschen Wirtschaft gegeben.
Über sein Treffen mit Scholz im vergangenen Jahr sagte Dimon: „Er war ganz anders, als er in den Medien meist beschrieben wird. Er ist schlau, kompetent, engagiert, hartnäckig und ehrlich.“ Gleichzeitig erkannte Dimon die Herausforderungen der Ampel-Koalition an: „Dass er in einer Koalition mit drei Parteien regiert, ist offensichtlich komplex. Das sorgt dafür, dass die Regierung bestimmte Dinge nicht machen kann.“
Trotz des vergleichsweise geringen Wirtschaftswachstums in Deutschland bleibt Dimon zuversichtlich: „Deutschland muss nicht bange sein. Es gibt hierzulande viele außergewöhnliche Unternehmen, talentierte Mitarbeiter und eine gute Arbeitsmoral.“ Er hob auch das deutsche Bildungssystem hervor und widersprach der Ansicht, dass sich ausländische Investoren von Deutschland abwenden würden.
J.P. Morgan hat große Deutschland-Pläne
Kritischer blickt Dimon in die Zukunft. Die Staatsschulden steigen, die Länder der Welt rüsten militärisch auf, die Wirtschaft ist gezwungen sich nachhaltig zu transformieren. All das kostet viel Geld und könnte dafür sorgen, dass die Inflation länger auf einem höheren Niveau bleibt, als es die Märkte derzeit erwarten. Für die Zukunft sieht er potenzielle Risiken: „Es könnte dazu führen, dass die USA in eine Rezession rutschen, womit aktuell niemand rechnet.“
Wachsen möchte J.P. Morgan in Deutschland. Dimon erklärte dazu im „Handelsblatt“-Gespräch seine ambitionierten Pläne: „Wir wollen mehr Geschäft mit Konzernen und Mittelständlern machen. Wir wollen im Zahlungsverkehr und Investmentbanking wachsen. Wir wollen neue Produkte einführen und unser Personal weiter aufstocken. Es gibt eigentlich keinen Bereich, in dem wir nicht zulegen wollen.“
Das Ziel sei es, eine der drei größten Banken in Deutschland zu werden. Obwohl J.P. Morgan Ende 2023 nach eigenen Angaben auf Platz fünf lag, betonte Dimon die positiven Entwicklungen: „Wichtig ist, dass unsere Kundenzahl in Deutschland weiter gestiegen ist.“
Dimon kündigte zudem an, innerhalb der nächsten fünf Jahre als Chef von J.P. Morgan zurückzutreten, schloss aber eine weitere Tätigkeit als Chairman nicht aus, sofern „der Verwaltungsrat das so entscheidet“.
