J.P. Morgan plant den Start seiner Digitalbank Chase in Deutschland für das zweite Quartal 2026, wie das Handelsblatt berichtet. Das US-Finanzhaus will als erstes Produkt ein Tagesgeldkonto anbieten und richtet seinen deutschen Hauptsitz in Berlin ein.

Die Bank hatte ihren Deutschlandstart bereits Ende 2023 angekündigt, damals aber noch das Jahr 2024 als Ziel genannt. Der Marktstart verschiebt sich damit um etwa zwei Jahre. 

Die Bank entwickelt eine rein appbasierte Plattform. Kunden können sich aber per Telefon und Chat an menschliche Berater wenden. Chase wird von J.P. Morgan SE betrieben, die über eine deutsche Banklizenz verfügt und Mitglied in der deutschen Einlagensicherung ist. 

Tagesgeld als Startprodukt 

Daniel Llano Manibardo leitet das deutsche Geschäft. Er wechselte im April 2025 von der ING zu J.P. Morgan. Die Entscheidung für ein Tagesgeldkonto als Startprodukt begründet er mit der ausgeprägten deutschen Sparkultur. Die Bundesbank verzeichnet mehr als ein Drittel des deutschen Brutto-Geldvermögens in Girokonten und Sichteinlagen.

In Großbritannien startete J.P. Morgan seine Digitalbank bereits 2021. Dort gewann Chase über 2,5 Millionen Kunden und sammelte etwa 20 Milliarden Pfund an Einlagen ein. Das Unternehmen begann dort mit einem Girokonto und erweiterte das Angebot später um Sparkonten und Kreditkarten.

Umkämpfter Markt 

Chase trifft in Deutschland auf etablierte Konkurrenten. Die ING Deutschland führt mit über zehn Millionen Privatkunden vor der DKB mit 5,84 Millionen Kunden. Neobanken wie N26, Revolut und Trade Republic haben bereits mehrere Millionen Nutzer gewonnen. Ende Juni startete die spanische BBVA ebenfalls eine deutsche Digitalbank.

Die Zinssätze für das Tagesgeldkonto will Chase erst kurz vor dem Marktstart festlegen. Manche Anbieter auf dem deutschen Markt bieten derzeit Tagesgeldzinsen zwischen 3 und 3,5 Prozent – dann allerdings nur für seinen sehr kurzen Zeitraum und mit Höchstanlagesummen. Der Großteil der Zinsen für bestimmte Aktionszeiträume liegt aktuell bei 2 bis 3 Prozent. Für längere Zeiträume liegt der Zinssatz für Tagesgeld tendenziell bei 1 bis 2 Prozent.

Chase plant, sich nach und nach zu einer Vollbank für Privatkunden zu entwickeln. Bis Ende 2025 will das Unternehmen seinen Berliner Standort offiziell eröffnen. J.P. Morgan ist bereits seit mehr als einem Jahrhundert in Deutschland präsent.