Andy Kastner

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Julius Bär Fondsmanager Kastner: „Wir suchen ständig nach kleinen Perlen“

Andy Kastner ist seit November 2008 für Julius Bär tätig. Zuvor arbeitete er sieben Jahre als Fondsmanager für mehrere Themen- und Sektorenfonds bei der Credit Suisse.
DAS INVESTMENT.com: 2008 hat der Julius Bär Europe Stock Fund eine unterdurchschnittliche Performance von minus 46,5 Prozent erzielt. Erst nach Ihrem Einstieg als Fondsmanager im November 2008 geht es wieder bergauf. Wie erklären Sie sich das? Andy Kastner: Zum einen hat der Fonds natürlich von der Erholung an den europäischen Aktienmärkten profitiert. Zum anderen haben wir den Investment-Ansatz geändert. Wir haben die Aktienauswahl in den Vordergrund gestellt und die aktiven Wetten gegenüber der Benchmark erhöht. Zudem haben wir die Anzahl der Titel im Fonds kontinuierlich reduziert. Mittlerweile macht die aktive Aktienauswahl rund zwei Drittel des Performancebeitrags aus. Als aktiver Fondsmanager habe ich den Vorteil, unabhängiger von Märkten und Indizes zu sein DAS INVESTMENT. com: Und den Nachteil, schlechte Performance nicht einfach auf den Markt schieben zu können. Kastner: Das stimmt. Aber ich habe die Ambition, unsere Fonds im vorderen Bereich der Rankings zu etablieren. Die Verantwortung nehme ich dabei gerne in Kauf. DAS INVESTMENT. com: Nach welchen Kriterien suchen Sie die Titel aus? Kastner: Wir suchen ständig nach kleinen Perlen, die der Markt noch nicht entdeckt hat. Das sind Gesellschaften, über die nicht viel gesprochen wird und an denen die Rally bislang vorbei gegangen ist. DAS INVESTMENT. com: Zum Beispiel? Kastner: Der kasachische Minenkonzern Kazakhmys. Die Aktie war ein Schnäppchen: Das Kurs-Buchwert-Verhältnis lag bei gerade einmal 0,3. Mittlerweile hat sich die Aktie von ihrem Absturz erholt. Zudem dürfte das Unternehmen von dem bevorstehenden Anstieg der Kupferpreise profitieren. Ein weiteres Schnäppchen war Freenet, dessen Aktie sich seit unserem Einstieg verdreifacht hat. DAS INVESTMENT. com: Kasachstan hört sich aber nicht gerade nach einem risikoarmen Unternehmensstandort an. Haben Sie keine Angst vor politischen Unruhen? Kastner: Nein, solange die Risikoprämie stimmt. Kazakhmys-Aktien sind zwar risikoreicher, versprechen aber auch höhere Renditen. DAS INVESTMENT. com: Worauf achten Sie bei der Aktienauswahl besonders? Kastner: Am wichtigsten sind für uns die Liquidität und die Kapitalrendite eines Unternehmens. Wir bevorzugen Gesellschaften, die über einen Wirtschaftszyklus in der Lage sind, den ökonomischen Wert eines Unternehmens zu steigern und dessen Potential im Aktienkurs noch nicht eingepreist ist. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis spielt dagegen nur eine untergeordnete Rolle. DAS INVESTMENT. com: Sie haben in letzter Zeit Ihre Positionen im Energiesektor reduziert. Rechnen Sie nicht mehr mit steigenden Preisen in diesem Bereich? Kastner: Ich rechne vor allem mit steigenden Kosten für die Erschließung neuer Quellen. Schließlich wird der Zugang zu neuen Energiequellen immer komplizierter und daher kostspieliger. Die Gewinndynamik der meisten Energie-Unternehmen überzeugt mich derzeit nicht. DAS INVESTMENT. com: Gleichzeitig haben Sie die Finanzbranche stärker gewichtet. Sehen Sie dort nach der Rally der vergangenen Monate noch Potenzial? Kastner: Für Banken wie Deutsche Bank oder Credit Suisse sehe ich durchaus noch Potenzial. Sie kommen im Wettbewerb als Gewinner der Finanzkrise hervor. Wir bevorzugen im Allgemeinen Banken, die bei der Finanzierung auf ein stabiles Privatkundengeschäft zurückgreifen können. Aber auch andere Finanzinstitute sind daran, umfassende Umstrukturierungen durchzuführen, haben ihr Kapital aufgebessert und stehen jetzt wieder besser da. DAS INVESTMENT. com: Welche weiteren Branchen werden kurz- bis mittelfristig outperformen? Kastner: Der Rohstoff-Sektor dürfte weiter von steigenden Preisen für Kupfer und andere Basismaterialien profitieren. Auch die Technologie-Branche hat einige interessante kleine Gesellschaften zu bieten. Insbesondere ein Hersteller von Anlagen zum Bau von  LED-Leuchtsystemen sowie verschiedene Softwareunternehmen gefallen uns. DAS INVESTMENT. com: Wie geht es weiter auf den europäischen Aktienmärkten? Kastner: Nach der Rally könnte es zu einer kurzen Konsolidierungsphase kommen, die nur gesund für den Markt wäre. Mit einem größeren Rückschlag rechne ich jedoch nicht. Viele institutionelle Anleger sind derzeit noch im Geldmarkt investiert. Sie werden früher oder später an die Aktienmärkte zurückkehren. Zudem sind die europäischen Aktienmärkte nach wie vor attraktiv bewertet. DAS INVESTMENT. com: Und wie lautet Ihre Prognose für den deutschen Aktienmarkt? Kastner: Der deutsche Aktienmarkt dürfte aufgrund seiner Struktur überdurchschnittlich von einer allmählichen Erholung der Wirtschaft profitieren. Der Dax dürfte bis Jahresende noch 10 Prozent zulegen. Doch für aktive Manager wie uns spielt das eine untergeordnete Rolle. Denn die Finanzkrise hat eines klargemacht: Der Anleger kann sich nicht mehr vor Entscheidungen drücken, indem er Indexfonds kauft.

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