Quelle: Rainer Sturm/Pixelio

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Junge Kunden erwarten Concierge-Service für Finanzdienstleistungen

16- bis 35-Jährige vertrauen kaum noch auf klassische Altersvorsorge-Institutionen wie Staat und Familie. Nur neun Prozent der Befragten jungen Erwachsenen würden sich in einer aktuellen Notlage auf staatliche Sicherungssysteme verlassen, wie eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts You Gov Psychonomics im Rahmen des „Heidelberger Leben Trendmonitors 2011“ ergab. Geht es um die Versorgung später im Alter, vertrauen nur 18 Prozent auf den Sozialstaat. Auf die klassische Vorsorge früherer Zeiten, Kinder und Enkel, verlässt sich immerhin gut ein Drittel (38  Prozent). Was bedeutet das für die Absicherung im Alter und welche Konsequenzen hat dies für Versicherungsvermittler?

Der Wegfall der klassischen Altersvorsorgeinstitutionen hinterlässt ein Vakuum, das junge Menschen versuchen, auf andere Art und Weise zu füllen: Gut ein Viertel der Befragten (28  Prozent) sorgt mit privater Vorsorge wie Lebensversicherungen, ein weiteres Viertel (27  Prozent) mit einer Kombination aus staatlicher Förderung und privater Vorsorge wie Riesterrenten für das Alter vor. Immobilien, Geldanlagen oder ähnliches spielen für 16 Prozent eine Rolle in der Altersvorsorge. Jeder fünfte Befragte (20  Prozent) macht sich allerdings noch keine Gedanken über eine Absicherung im Alter – eine erschreckend hohe Zahl, die zeigt, dass hier vor allem von Seiten der Versicherungsunternehmen und der Makler noch Einiges an Aufklärungsarbeit geleistet werden muss.

Vier von zehn Befragten wollen für einige Zeit bewusst aus dem Job auszusteigen

Zusätzlich zur unklaren Versorgungslage im Alter ist ein Trend zur „Multigrafie“ zu erkennen. Der traditionelle Lebenslauf mit den klassischen Abschnitten Jugend/Ausbildung, Familienphase und Ruhestand ist immer seltener zu finden. In Zukunft, so die Prognose des Zukunftsinstituts von Matthias Horx, das den „Heidelberger Leben Trendmonitor 2011“ im Auftrag der Heidelberger Lebensversicherung AG erstellt hat, erweitern sich Biografien um mindestens zwei Lebensphasen. Zwischen Jugend und Erwachsenenzeit schiebt sich die Postadoleszenz: die Zeit des Ausprobierens sowie der Selbstfindung und Ausprägung individueller Vorlieben. Hinzu kommt der zweite Aufbruch, die Phase der Neuorientierung im mittleren Alter. Gleichzeitig unterliegt der bisherige Ruhestand einem starken Wandel – weg von einem passiven Lebensabend hin zu einer aktiven Lebensgestaltung im Alter.

Diese Prognose spiegelt sich auch in den Umfrageergebnissen im Bezug auf die Erwartungen an das Berufsleben wider: Vier von zehn Befragten halten es für wahrscheinlich, für einige Zeit bewusst aus dem Job auszusteigen, um etwas ganz anderes zu machen. Ebenso Viele halten es für wahrscheinlich, beruflich noch einmal ganz neu anfangen zu müssen. Immerhin gut ein Viertel fürchtet, für längere Zeit arbeitslos zu werden. Fast jeder Zweite (44  Prozent) kann sich vorstellen, noch einmal einen zusätzlichen Abschluss, beispielsweise einen MBA, eine Promotion oder ein spätes Studium zu machen.

Flexibilität in Altersvorsorge gefragt

Diese Wechsel im Lebenslauf erfordern, dass sich Altersvorsorgelösungen flexibel an die jeweilige Lebenssituation anpassen lassen, da die Ansparphase zum Teil mehrmals unterbrochen sein kann. Starre Produkte mit statischen Beiträgen werden in Zeiten geringeren Einkommens, beispielsweise während künftiger Sabbaticals oder längerer Arbeitslosigkeit, zum Problem. Dies bedeutet für Versicherer wie Versicherungsvermittler, dass sie sich auf die veränderten Gegebenheiten in Angebot und Beratung einstellen müssen. Insbesondere der Berücksichtigung der individuellen Wünsche und Ziele kommt dabei eine wichtige Bedeutung zu.

Die höheren Ansprüche an die private Altersvorsorge müssen sich auch in erhöhtem Service und verbesserter Beratungsqualität der Vermittler niederschlagen. Im Idealfall handeln Versicherungsvermittler in Zusammenarbeit mit Altersvorsorgeanbietern künftig proaktiver, entlasten ihre Kunden systematisch und schaffen gemeinsam eine Atmosphäre der Aufmerksamkeit und des Vertrauens, so dass eine Art Concierge-Service für Finanzdienstleistungen entsteht.

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