Themen
TopThemen
Fonds
Fondsvergleich Märkte Finanzberatung
Versicherungen
Boulevard
Experten
Denker der Wirtschaft
Krypto
Services
Academy Newsletter Veranstaltungskalender
Jupiters scheidender Star-Manager Alex Darwall (links) hat die Latte für seinen Nachfolger Mark Nichols hoch gelegt. | © Jupiter/Threadneedle

Jupiter European Growth Wechsel im Fondsmanagement löst gemischte Gefühle aus

Es gab im vergangenen Jahrzehnt nur wenige Fonds für europäische Aktien, die so durchgängig überzeugt haben wie der 2001 aufgelegte Jupiter European Growth. Fondsmanager Alex Darwall, seit 2007 für das Portfolio verantwortlich, startete nach der Finanzkrise voll durch und beendete mit Ausnahme von 2011 und 2016 jedes Kalenderjahr mit mehr oder weniger großem Vorsprung vor dem Durchschnitt der Konkurrenz. Seit Mitte 2009 beträgt der Wertzuwachs 298 Prozent gegenüber 177 Prozent in der Vergleichsgruppe und nur 105 Prozent im Großbritannien und die Schweiz einschließenden Europa-Index Stoxx 50*. Dabei profitierte Darwall unter anderem von seinem klaren Fokus auf Wachstumsaktien hoher Qualität, deren Anzahl er in der Regel auf 30 bis 40 Einzeltitel beschränkt. Mit weniger als 3 Milliarden Euro ist das Volumen zudem noch überschaubar genug, um jederzeit flexibel auf Marktveränderungen reagieren zu können. Kurzum: ein echtes Juwel, das von Beginn an zu den von DAS INVESTMENT definierten 100 Fondsklassikern gehört und bei dem Profis wie Privatanleger in der Vergangenheit gerne zugriffen.

Zumindest bis zum 1. April 2019. Denn an diesem Tag verkündete Jupiter, dass Darwall seinen Posten im Lauf des zweiten Halbjahres räumen wird. Der designierte Nachfolger Mark Nichols vom Wettbewerber Columbia Threadneedle ist seit Anfang Juli im Unternehmen und soll bis zur zeitlich nach wie vor nicht exakt terminierten Übergabe eng mit Darwall zusammenarbeiten. Zwar gilt Nichols keineswegs als unbeschriebenes Blatt: Er deckt seit 18 Jahren europäische Aktien ab und managt seit 2016 zusammen mit Dave Dudding den ebenfalls zu den 100 Fondsklassikern zählenden Threadneedle European Select. Trotzdem fielen die ersten Reaktionen auf den geplanten Wechsel verhalten aus. Morningstar etwa stufte das qualitative Rating des Jupiter European Growth prompt von der Höchstnote „Gold“ auf „Neutral“ herunter. „Nichols fehlt ein hinreichend langer Track-Record als eigenständiger Fondsmanager“, begründet Morningstar-Analystin Barbara Claus. Die Schweizer Großbank UBS rät sogar zum Verkauf der börsennotierten Jupiter-Aktie. Eine hauseigene Untersuchung an mehr als 70 Beispielfällen in ganz Europa habe gezeigt, dass der Abgang eines erfahrenen Portfoliomanagers in den folgenden zwölf Monaten im Durchschnitt Netto-Abflüsse in Höhe von 15 Prozent nach sich ziehe. Ein schlechtes Omen nicht nur für Aktionäre, sondern auch für Fondsanleger: Kämpfen nämlich Fondsmanager mit permanenten Anteilsrückgaben, leidet zwangsläufig die Flexibilität und damit häufig auch die Performance.

Zuspruch erhält der neue Mann dagegen von Darius McDermott. „Mark Nichols ist einer der besten Nachfolger, den Jupiter für Alex Darwall hätte finden können“, sagt der Analyst der Londoner Bewertungsgesellschaft Fund Calibre und hebt den ähnlichen Investmentstil beider Manager hervor. Zwischen dem Threadneedle European Select und dem Jupiter European Growth gebe es insbesondere bei den Top-Holdings diverse Überschneidungen, auch wenn Nichols und Dudding einzelne Positionen nicht ganz so hoch gewichteten wie mitunter Darwall. Gleichwohl will McDermott in den kommenden Monaten genau hinsehen, bevor er ein endgültiges Urteil fällt. Gleiches gilt für den Threadneedle European Select. Dort hat mittlerweile Ben Moore – Nebenwerte-Spezialist mit elfjähriger Investmenterfahrung – Nichols‘ Platz an der Seite von Dave Dudding eingenommen. Für Morningstar im Übrigen kein Anlass, das bisherige Rating „Bronze“ infrage zu stellen.

*Stichtag: 19. Juni 2019
nach oben