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Jupiter-Fondsmanager Ariel Bezalel „Die Fed wird die Zinsen noch deutlich senken“

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Aus diesem Grund halte ich es für unwahrscheinlich, dass Zurückhaltung allein ausreicht, um eine nachhaltige Rally voranzutreiben. Die Fed scheint die Wirtschaft aus der Perspektive der Mittneunziger zu betrachten, als der damalige Vorsitzende Alan Greenspan 1995 und 1998 sogenannte „vorsorgliche Zinssenkungen“ einführte, um den Aufschwung in den USA aufrechtzuerhalten. Meiner Ansicht nach handelt es sich hierbei nicht um eine Verlangsamung in der Mitte des Zyklus, und es ist zu erwarten, dass die Fed die Zinsen deutlich senken wird. Die US-Zinssätze werden in den nächsten 12 bis 18 Monaten wahrscheinlich auf Null fallen, womöglich einhergehend mit einer weiteren Runde der quantitativen Lockerung. Der Goldmarkt scheint dies bereits zu antizipieren, was sich in der kräftigen Goldrally seit Beginn des letzten Monats widerspiegelt.

„Japanifizierung“

Mir wird öfters die Frage gestellt, ob fiskalpolitische Impulse zur Ankurbelung der US-Wirtschaft beitragen könnten. Meine Antwort lautet: Eine Aufstockung der schon gigantischen US-Verschuldung ist selbst für Donald Trump unklug. Zudem ist es unwahrscheinlich, dass die Demokraten Gesetze wie etwa ein Infrastrukturgesetz verabschieden werden, was für Trump vor der US-Wahl 2020 von Vorteil sein könnte. Und bis dahin ist es vielleicht zu spät. Jegliche Impulse seitens Regierungen oder Zentralbanken scheinen in einer so hoch verschuldeten Welt nur vorübergehend zu wirken.

Selbst die rekordverdächtig niedrigen Arbeitslosenzahlen reichten nicht aus, um eine nennenswerte Inflation in den USA auszulösen. Es handelt sich hierbei um einen langfristigen strukturellen Trend und wir gehen davon aus, dass sich die dahinter stehenden Einflussfaktoren erneut durchsetzen werden. In einigen Sektoren besteht zweifellos Lohninflation, aber im Großen und Ganzen hat die Beschäftigung im Moment sehr wenig Einfluss. Wir sind bereits seit langem der Auffassung, dass die Wechselwirkungen zwischen demografischer Alterung, hoher Verschuldung und technologischem Fortschritt das Wachstum, die Zinssätze und die Anleiherenditen für einige Zeit dämpfen werden – ein Plus für festverzinsliche Anlagen. Wir haben kürzlich erörtert, wie Japan als Beispiel für die Richtung der Anleiherenditen und der Zentralbankpolitik in anderen Industrieländern dienen kann. Von dieser Japanifizierungs-These sind wir überzeugter denn je.

Defensiv positionieren, auf Spezialsituationen vorbereiten

Für das Jahr 2018 war es mein Ziel, den Märkten einen Schritt voraus zu sein und das Risiko unserer Strategie zu verringern, solange noch ein Umfeld von Marktstärke und hoher Liquidität vorherrschte. Wir haben unser Exposure in qualitativ hochwertige, liquide Staatsanleihen mit AAA-Rating in den USA und in Australien erhöht. Unsere Anteile in risikoreichere, weniger liquide Anleihen haben wir verringert, insbesondere in Hochzinsanleihen, in denen wir die geringste Position seit Beginn der Strategie halten. Weiterhin haben wir das gesamte Währungsrisiko unserer Schwellenländer-Positionen abgesichert. Die volatilen Marktbedingungen in diesem Jahr haben meine Überzeugung hinsichtlich der defensiven Positionierung der Strategie weiter bestärkt.

Dennoch bleiben wir flexibel. Der Vorteil unseres flexiblen Mandats besteht darin, dass wir weltweit in das gesamte Anleihespektrum investieren können. Wir favorisieren weiterhin indische Staatsanleihen. Hier erwarten wir in den kommenden Monaten weitere Zinssenkungen aufgrund potenzieller sinkender Inflation. Außerdem sehen wir attraktive Anlagemöglichkeiten bei US-amerikanischen und brasilianischen Geflügel- und Rindfleischerzeuger, die von Chinas Versorgungsengpass für Schweinefleisch aufgrund der afrikanischen Schweinepest profitieren. Obwohl ich mir der bevorstehenden Risiken bewusst bin, bin ich zuversichtlich, dass mein Team über die nötige Erfahrung und Anlageinstrumente verfügt, um die Strategie erfolgreich durch die nächste Phase des Zyklus zu steuern.

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