Morten Borg

Morten Borg

Jyske-Manager Morten Borg über aktuelle Aktien-Favoriten

„Der niedrige Ölpreis befeuert Fluggesellschaften“

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DER FONDS: Wie muss ein Unternehmen beschaffen sein, damit seine Aktie für Ihren Fonds in Frage kommt?

Morten Borg:
Unsere Investmentphilosophie besteht aus einer Kombination von Value und Momentum. Wir kaufen unterbewertete Unternehmen, die fundamental gerade einen Lauf haben. Ideal ist zum Beispiel ein vom Markt vernachlässigtes und entsprechend billig gehandeltes Unternehmen, das aber bei guter Marktstellung mit einem starken Produkt über mehrere Quartale überraschend gute Gewinne eingefahren hat.

Wie viele Aktien beobachten Sie weltweit, und wie viele landen dann tatsächlich im Fonds?


Insgesamt besteht unser Universum aus 5.000 bis 6.000 investierbaren Aktien, von denen typischerweise 600 bis 800 zunächst einmal interessant aussehen. Am Ende bleiben aber nur 30 bis 50 Titel übrig. Für die Auswahl schauen wir uns zunächst einzelne Unternehmen an und bewerten deren Wachstumsmöglichkeiten. Danach nehmen wir die Chancen in der jeweiligen Branche und im Gesamtmarkt unter die Lupe. Entscheidend ist wie gesagt die Kombination aus Value und Momentum, wobei wir eine Aktie im Schnitt ein Jahr und vier Monate halten. Fremdwährungs-Risiken sichern wir dabei nicht ab.

Einige Ihrer aktuellen Top-Positionen wie Google, Apple oder Johnson & Johnson tauchen in vielen globalen Aktienfonds an prominenter Stelle auf – Ihre aktuell drittgrößte Position BNP Paribas eher nicht. Was macht diesen Wert für Sie so interessant?

Es ist schwierig, bei europäischen Banken ein starkes Momentum zu finden. Aber im Falle BNP Paribas ist die Bewertung so attraktiv, dass sie diesen Nachteil aufwiegt. Wir versuchen zudem, ein breit gestreutes Portfolio aufzubauen – vor diesem Hintergrund ist die Aktie wesentlich interessanter als so manch andere europäische Bank.

Gibt es Obergrenzen für Länder und Regionen, etwa für Schwellenländer?

Nein, gibt es nicht, ebenso wenig für einzelne Branchen. Unsere größte Übergewichtung haben wir derzeit zum Beispiel bei indischen Aktien, die 8 Prozent des Fondsvermögens ausmachen statt nur ein Prozent wie im Vergleichsindex. Ähnlich sieht es im Technologiesektor aus, während wir Industrietitel und britische Aktien deutlich untergewichten.

Was sind jüngste Neuerwerbungen?


Wir haben kürzlich Delta Air Lines gekauft, die zweitgrößte US-Fluglinie. Hier gibt es ein bemerkenswertes Momentum, weil die Gewinne im Flugverkehr durch zyklischen und strukturellen Rückenwind getrieben werden. Außerdem hat der niedrige Ölpreis die Industrie zusätzlich befeuert. Auch die Bewertung ist sehr attraktiv.

Sie haben auch Schlumberger mit 3 Prozent im Portfolio. Wie wirkt sich der niedrige Ölpreis auf Ihren Fonds aus?


Wir haben die Position von Schlumberger halbiert – und statt heute zwei hatten wir drei Ölaktien im Portfolio. Auch einige unserer Industrie-Positionen hingen vom Öl-Sektor ab – diese haben etwas unter dem niedrigen Ölpreis gelitten. Die starke Korrektur des Preises hat fast jedes Unternehmen in dieser Branche seines Momentums beraubt. Im Einklang mit unserer Philosophie haben wir daher unser Engagement zurückgefahren.

Und wer außer den von Ihnen genannten Fluggesellschaften profitiert vom sinkenden Ölpreis?

Unter anderem die indische Wirtschaft, da das Land viel Öl einführt. Das hat uns auch darin bestärkt, indische Aktien überzugewichten.

Wie sieht Ihre Renditeerwartung für 2015 aus?

Auf ein einzelnes Jahr bezogen lässt sich das immer sehr schwer beantworten. Langfristig peilen wir jedoch vor Steuern eine Überschussrendite von 3 bis 5 Prozentpunkten gegenüber dem MSCI All Country World an.

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