Die Abberufung von Klaus Naeve aus der erweiterten Geschäftsleitung Anfang Dezember war nicht das Ende eines schwierigen Jahres für Berenberg – sie war vielmehr der Auftakt für eine deutlich größere Umbruchphase, wie Recherchen von DAS INVESTMENT und dem private banking magazin zeigen.

Offiziell verkauft die Bank ihre Neuordnung als organisatorische Straffung: mehr Effizienz, engere Verzahnung der Bereiche, klare Zuständigkeiten, wie es in der Pressemitteilung heißt. Doch hinter den Kulissen zeigt sich ein anderes Bild. Nach Informationen aus unabhängigen Branchenquellen kommt es in verschiedenen Markteinheiten bei Berenberg zu deutlichen Einschnitten – darunter im Wholesale-Bereich und im Kooperationsgeschäft, im internationalen Vertrieb (etwa Zürich, Paris, Genf, London) und Teilen des Marketingteams.

Unbestätigten Quellen zufolge soll es neben dem Asset- und Wealth Management auch in der IT und im Controlling zu Veränderungen kommen. Eine Anzahl von insgesamt bis zu 20 Mitarbeitenden soll im Raum stehen (auch bei Finanz-Szene wird diese Zahl vermeldet).

Ein Sprecher der Bank wollte die Berichte weder dementieren noch bestätigen.

Das Schweigen fällt jedoch in eine Phase, in der viele Marktteilnehmer ohnehin irritiert sind. Denn schon die Ereignisse der vergangenen Monate – das abrupte Ende des neu geschaffenen Chief Investment Office, der Weggang zweier zentraler Investmentverantwortlicher und die ungewöhnlich schnelle Beförderung eines 34-Jährigen zum Leiter eines neu zugeschnittenen Großbereichs – hatten in der Branche für Aufsehen gesorgt.

Auf den Fluren der Hamburger Privatbank wird derweil gemunkelt, dass die aktuellen Entlassungen nur der Auftakt für weitere personelle Einsparmaßnahmen im kommenden Jahr seien. 

Asset Management bleibt Kernproblem

Mit der Zusammenlegung von Wealth, Asset und Corporate Management entsteht nicht nur eine neue organisatorische Einheit, sondern zugleich ein neues Geschäftsmodell. In der Praxis bedeutet diese Bündelung, dass Mandatslösungen für Privatkunden und Multi-Asset-Fonds künftig aus einer Hand gesteuert werden könnten. Ein solcher Ansatz reduziert Reibungsverluste, verändert aber zugleich die Rolle klassischer Portfolio-Manager, die in einem solchen Konstrukt nur noch in reduzierter Zahl benötigt werden.

Der Druck, unter dem das Asset Management bei Berenberg steht, ist erheblich. Das Publikumsfondsvolumen ist in drei Jahren von 7,2 auf 3,2 Milliarden Euro gefallen – ein Rückgang um 55 Prozent. Besonders betroffen: die früheren Zugpferde im europäischen Growth- und Small-Cap-Bereich, die teilweise auf Bruchteile ihres früheren Volumens geschrumpft sind.

Dass eine Organisation auf solche Zahlen reagieren muss, überrascht nicht. Irritierend ist vielmehr die Geschwindigkeit und der Stil, in dem dies geschieht. Die Bank agiert derzeit so, als habe sie keine Zeit mehr für lange Linien. Entscheidungen folgen dicht aufeinander, und kaum ein Monat vergeht ohne strukturellen Eingriff.

Eine Bank, die in den vergangenen Jahren mit großem Aufwand ihr Markenbild als aktiver Qualitätsmanager geschärft hat, zuletzt mit aufwendigem Relaunch, verliert durch die jüngsten Personalien innerhalb kürzester Zeit zentrale Bausteine ihres Marktzugangs. Denn Vertriebsteams sind im Asset Management nicht nur Kostenstellen, sondern Brücken zu Investoren – ohne sie lassen sich selbst gute Produkte kaum in den Markt tragen. 

Mehr demnächst bei DAS INVESTMENT und private banking magazin