Kames Capital über abflachende Renditekurven „Keine Chancen im Spätzyklus verpassen“

Trader in New York: Die jüngste Abflachung der Renditekurve könnte als Signal gewertet werden, Aktien abzustoßen. | © Getty Images

Trader in New York: Die jüngste Abflachung der Renditekurve könnte als Signal gewertet werden, Aktien abzustoßen. Foto: Getty Images

Eine inverse Renditekurve bedeutet, dass die Zinsen für lange Laufzeiten niedriger sind als die Zinsen für kurze Laufzeiten. Viele Investoren deuten dies als verlässlichen Hinweis auf eine Rezession, die stark mit fallenden Aktienkursen korreliert. Dafür gibt es jedoch keinen Grund.

Die nachfolgende Grafik zeigt die US-Renditekurve (Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen abzüglich der Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen). Sie illustriert die Phasen, in denen sich die US-Wirtschaft in den vergangenen 30 Jahren in einer Rezession befand (graue Schattierung). Es zeigt sich: Seit 1988 ist die Wirtschaft nach jeder Umkehr der Renditekurve innerhalb von ein bis zwei Jahren in eine Rezession gerutscht.

Wir wissen, dass Aktien in Rezessionsphasen in der Regel dramatisch an Wert verlieren. Dementsprechend könnte die jüngste Abflachung der Renditekurve als Signal gewertet werden, Aktien abzustoßen. Unseres Erachtens ist es dafür jedoch zu früh – aus folgenden zwei Gründen: Erstens sind die Renditen an den Aktienmärkten in der Spätphase eines Konjunkturzyklus oft besonders hoch (siehe Grafik).

Als sich beispielsweise die Renditekurve im Januar 1989 umkehrte bewirkte der anschließende Ausverkauf, dass US-Aktien 9 Prozent über null verharrten. Folglich ist aktuell noch erhebliches Aufwärtspotenzial vorhanden, das nicht verschenkt werden sollte. Die Kursverluste an den Aktienmärkten zwischen in den Jahren 2000 bis 2005 waren erheblich gravierender. Dennoch verpassten Anleger, die am Wendepunkt gleich ausstiegen, ein Aufwärtspotenzial von 12 beziehungsweise 26 Prozent.

Zweitens hat sich die Renditekurve zwar jüngst abgeflacht, jedoch noch nicht umgekehrt. Die nachfolgende Grafik veranschaulicht die Renditen am Aktienmarkt in den Jahren 1988, 1997 und 2005 zwischen dem Zeitpunkt, als die Renditekurve ihr derzeitiges Niveau von 0,33 Prozent erreicht hatte und dem folgenden Höchst- und Tiefstand.

Kames-Fondsmanager halten an Aktien fest

Für Fondsmanager ist die Renditekurve ein wichtiger Indikator. Einige Analysten beurteilen die Aussichten für die Kapitalmärkte aufgrund der abflachenden Tendenz pessimistisch. Dabei besteht nach unserer Einschätzung die Gefahr, die Chance auf hohe Aktienrenditen in der Spätphase des Zyklus zu verpassen.

Wann der Markt seinen Höhepunkt erreicht, ist bekanntlich kaum vorhersehbar. Unter dem Strich werden die Aktienmärkte nach unserer Einschätzung bis zum nächsten Höchststand noch eine Zeit lang weiter aufwärts tendieren. Die Manager der Kames Diversified Growth Strategy werden jedenfalls auf absehbare Zeit an einer umfangreichen Aktien-Allokation festhalten.