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Kames Global Sustainable Equity Fund „Wir mögen Firmen, die ihr Aufholpotenzial in Sachen Nachhaltigkeit nutzen“

Craig Bonthron, Fondsmanager des Kames Global Sustainable Equity Fund

Craig Bonthron, Fondsmanager des Kames Global Sustainable Equity Fund

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Kames bietet schon seit 1989 ethische Fonds an. Jetzt ist der Nachhaltigkeitsfonds Global Sustainable Equity Fund hinzugekommen. Was ist für Sie der Unterschied zwischen ethisch und nachhaltig?

Craig Bonthron: Unsere ethischen Fonds versuchen bestimmte Risiken zu vermeiden. Sie verzichten auf Unternehmen und Branchen, die wir als schädlich für Umwelt und Gesellschaft betrachten. Dazu zählen zum Beispiel Firmen aus der Waffen-, Tabak- oder Atomkraftindustrie, ebenso Unternehmen, die Kinderarbeit oder Gentechnik nutzen. Auch bei dem Nachhaltigkeitsfonds beachten wir diese Ausschlusskriterien. Wir setzen aber zusätzlich auf den positiven Einfluss, den nachhaltiges Wirtschaften auf Unternehmen hat. Wir meiden also nicht nur bestimmte Risiken, sondern suchen gezielt Chancen. Hier gehen wir dabei nicht thematisch vor. Wir sind Stockpicker und suchen bottom-up nach den besten Gelegenheiten.

Sie haben ein hauseigenes Nachhaltigkeits-Research. Wie funktioniert das?

Bonthron: Zunächst filtern wir Unternehmen heraus, die aufgrund ihrer Produkte oder Dienstleistungen auf keinen Fall in den Fonds kommen. Zum Beispiel gibt es einige Tabakfirmen, die sehr gut bei den klassischen Nachhaltigkeits-Kriterien abschneiden, die für uns aber dennoch nicht infrage kommen. Über dieses Negativ-Screening schließen wir rund zehn Prozent unseres globalen Anlageuniversums von 4.000 Aktien von vornherein aus. Im Anschluss folgen unser hauseigenes Nachhaltigkeits-Screening und eine qualitative Analyse.

Wir bewerten die Unternehmen anhand von ESG-Kriterien, also ökologische, soziale und die Unternehmensführung betreffenden Kriterien. Im Gegensatz zu anderen ESG-Ansätzen achten wir zusätzlich auf die Auswirkungen des Produkts oder der Dienstleistung auf Umwelt und Gesellschaft. Unternehmen, die im quantitativen Screening durchschnittlich abschneiden, können dennoch ins Portfolio gelangen, wenn sie in der qualitativen Analyse überzeugen. Auch Unternehmen aus bestimmten Regionen, die mit den westlichen Standards noch nicht ganz mithalten können, müssen keine schlechten Unternehmen sein, sondern können aus sozialer oder ökologischer Sicht sehr gute Produkte haben.

Haben Sie ein Beispiel?

Bonthron: Shimano. Das japanische Unternehmen produziert unter anderem Fahrradzubehör. Es hat ein sehr gutes Management-Team, das langfristig gute Ergebnisse für Aktionäre geliefert hat. In der Nachhaltigkeitsanalyse schneidet es vor allem aus ökologischer Sicht auch aufgrund seiner Produkte sehr gut ab. Bei der Unternehmensführung hinkt es westlichen Standards aber noch hinterher.

Wie wichtig ist die finanzielle Analyse?

Bonthron: Sehr wichtig. Die Titelauswahl für alle unsere Aktienfonds basiert auf unserer FVT-Analyse. Diese umfasst fundamentale Kriterien (F), Bewertungsaspekte (V=Valuation) und technische Kriterien (T). Beim Global Sustainable Equity Fund wird die fundamentale Analyse um die Nachhaltigkeitsperspektive erweitert.

Die Nachhaltigkeitsanalyse liefert Leader, Improver und Laggards. Was verstehen Sie darunter?

Bonthron: Leader sind Unternehmen, die die meisten unserer ESG-Kriterien erfüllen. Improver überzeugen in Sachen Nachhaltigkeit noch nicht vollständig, sie sind aber auf dem richtigen Weg. Laggards kommen nicht ins Portfolio. Diese Unternehmen fallen entweder unter unsere Ausschlusskriterien oder sie erfüllen nur sehr wenige oder keine der Nachhaltigkeitskriterien und es deutet auch nichts darauf hin, dass sich dies bald ändern wird.

Welche Unternehmen zählen zu den Leadern?

Bonthron: Ein fantastisches Unternehmen ist Ansys. Es stellt unter anderem Simulationssoftware her, die Ingenieuren hilft, Projekte von Autos bis zu Ölplattformen sehr effizient zu entwickeln. Das Unternehmen ist exzellent gemanagt, hat ein transparentes Reporting und überzeugt auch bei den sozialen Kriterien. Ein anderes Beispiel ist Mohawk, ein Hersteller für Bodenbeläge. Das Unternehmen würde niemals in einem nach Themen gemanagten Nachhaltigkeitsfonds auftauchen. Vor einigen Jahren hat Mohawk in die Entwicklung eines neuen Prozesses investiert, der die Herstellung von Teppichen aus recycelten Plastikflaschen ermöglicht.

Im Portfolio sind Leader und Improver. Warum konzentrieren Sie sich nicht auf die Leader?

Bonthron: Improver sind eine sehr gute Alphaquelle. Der Markt belohnt diese Firmen zum Beispiel für ihre zunehmende Transparenz, etwa beim Reporting, oder für Kostenreduzierungen durch die effizientere Nutzung von Ressourcen. Improver in unserem Portfolio sind zum Beispiel der irische Nahrungsmittelspezialist Kerry oder das Unternehmen Keyence, das Komponenten für die Automatisierungstechnik erstellt. Zurzeit haben Improver sogar einen größeren Anteil am Portfolio als die Leader. Diese Aufteilung kann sich jedoch jederzeit ändern, sie ergibt sich rein aus unserer Bottom-up-Aktienauswahl.

Hat der Fonds eine Tendenz zu bestimmten Sektoren?

Bonthron: Wir haben keine typischen Branchen, allerdings verzichten wir aufgrund unserer Ausschlusskriterien auf bestimmte Themen wie Tabak oder Waffen. Auch Energie- und Minengesellschaften haben wir eher nicht im Portfolio, da wir nicht in Unternehmen investieren wollen, die schädlich für die Umwelt sind. Unser Ziel ist ein über Sektoren und Regionen gut diversifiziertes, aber konzentriertes Portfolio aus 35 bis 45 Aktien.