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Trump-Gegner und -Befürworter stehen sich gegenüber: Die US-Wahl spaltet das Land. | © imago images / MediaPunch Foto: imago images / MediaPunch

Kampf ums Weiße Haus

US-Wahlen – was wäre, wenn…?

Das Motto „Make America Great Again“ prägt die Amtszeit von Donald Trump. Diese Einstellung hat die Beziehungen zu Ländern wie China und zu Europa auf eine Bewährungsprobe gestellt.

Der amtierende US-Präsident wurde schon 2016 unterschätzt – kann er erneut für eine Überraschung sorgen? Die Welt wird jedenfalls die US-Wahl 2020 mit großem Interesse verfolgen.

… Donald Trump wiedergewählt wird?

Falls Trump sich gegen seinen Konkurrenten Joe Biden durchsetzen sollte, dürften die Beziehungen zu China und Europa angespannt bleiben. Ein schnelles Ende des Handelskriegs ist dann mit großer Wahrscheinlichkeit auszuschließen – der Konflikt bringt auch Europa in die Bredouille.  

Der Trend zur Deglobalisierung wird sich beschleunigen, was Europa vor Probleme stellt – nicht zuletzt, da multilaterale Handelsbeziehungen das Aushängeschild der Europäischen Union sind. Obwohl die Mitgliedsstaaten nicht immer einer Meinung sind, arbeiten sie – im Gegensatz zu Trumps Regierung – nach einem multinationalen Ansatz.

Ein möglicher Sieg Trumps wird also geopolitische Volatilität bringen, nicht nur für Europa, sondern für die ganze Welt.

… Joe Biden gewinnt?

Joe Biden hat bereits angekündigt, dass er im Falle eines Wahlsiegs eine Vielzahl der von Trump initiierten Gesetze ändern wird – darunter Handels- und Umweltregelungen. Anders als sein Mitbewerber will Biden seine Außenpolitik multilateral auslegen, ähnlich dem europäischen Modell. Dafür wird er zunächst eine Versöhnungspolitik betreiben müssen.

Für Anleger interessant: Biden legt den Fokus auf eine „grüne“ Infrastruktur sowie die Berücksichtigung der UN-Klimaziele. Mit seinem geplanten 2 Billionen US-Dollar schweren Klimapaket, das sich auf saubere Energie und die Verringerung der Emissionen fossiler Brennstoffe bei gleichzeitiger Sanierung der Infrastruktur konzentriert, hätte Europa einen mächtigen Verbündeten im Kampf gegen den Klimawandel an seiner Seite.

Unter Trump sind die USA aus dem Pariser Abkommen ausgetreten – ein Übereinkommen von etwa 190 Ländern, die Treibhausgasemissionen zu verringern. Biden hingegen würde die USA wieder an das Abkommen binden. Das könnte auch die Beziehungen zu Europa wieder festigen.

Wenn sich die USA darauf konzentrieren, den Klimawandel aktiv zu bekämpfen und die Wirtschaft umweltfreundlicher zu gestalten, dürfte dies wahrscheinlich die Innovationskraft des Landes stärken. Ein Beispiel: Der Markt für grünen Anleihen wächst derzeit kräftig. Davon könnten auch die USA profitieren.  

Wirtschaft befürchtet Steuererhöhungen

Es gibt jedoch, was Joe Biden angeht, zwei Aspekte, die an den Märkten für Verunsicherungen sorgen. Zum einen geht in der Wirtschaft die Angst vor den angekündigten Steuererhöhungen um, zum anderen befürchten viele eine Reform der US-Steuerpolitik, die die Märkte weltweit beeinflussen könnte.

Auch die Deregulierung sollten Anleger im Auge behalten. Unter Trump gab es einen enormen Deregulierungsschub. Wenn Biden einen Teil der Regelungen rückgängig macht, schafft dies für Unternehmen neue Hindernisse.

Wie sich Anleger angesichts der US-Wahl aufstellen können

Unabhängig davon, welcher US-Präsidentschaftskandidat gewinnt, ist nicht davon auszugehen, dass sich die Dynamik an den globalen Anleihemärkten wesentlich ändern wird. Da die Zentralbanken weiterhin Liquidität in die Märkte pumpen, ist nicht von einem massiven Anstieg der Renditen auszugehen – nur weil es einen Präsidentenwechsel geben könnte.

Wir bevorzugen aufgrund aussichtsreicher Chancen nach wie vor Unternehmensanleihen und dabei sowohl Investment-Grade- als auch Hochzinsanleihen. Anleger sollten ebenfalls europäische Staatsanleihen, darunter Italien, Portugal, Slowenien sowie Zypern, näher ansehen. Die EZB dürfte ihre massive Unterstützung beibehalten. Das wirkt sich stützend auf die Märkte aus.

Der EU-Wiederaufbaufonds in Höhe von 750 Milliarden Euro, den die 27 EU-Mitgliedstaaten beschlossen haben, hat dem europäischen Markt zudem Stabilität verliehen. Das ist unter anderem an dem Euro-Wechselkurs – mit einem Gewinn von 10 Prozent gegenüber dem US-Dollar – zu erkennen.

Die Risikoaufschläge, die Investoren für europäische Wertpapiere zahlen mussten, sind in den vergangenen Wochen zurückgegangen. Das dürfte unabhängig vom Ausgang der US-Wahl unverändert bleiben. Dennoch sollten Anleger die Entwicklungen in den USA weiterhin beobachten.

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