Märkte bewegen Aktien, Zinsen, Politik. Und Menschen. Deshalb präsentieren wir dir hier die bedeutendsten Analysen und Thesen von Top-Ökonomen - gebündelt und übersichtlich. Führende Volkswirte und Unternehmensstrategen gehen den wichtigen wirtschaftlichen Entwicklungen clever und zuweilen kontrovers auf den Grund.
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Volkswirt Ulrich Kater
Diese 3 Risiken könnten den Kapitalmärkten 2026 gefährlich werden
Die Weltwirtschaft verlässt das Jahr 2025 mit kräftigem Schwung und verleiht dem kommenden Jahr damit ein robustes Fundament für die Kapitalmärkte. Trotzdem ist die Liste der Risiken für die Konjunktur länger geworden.
1. Die Entwicklung im Technologiesektor
Zuoberst auf dem Risikostapel liegt die viel diskutierte Entwicklung im Technologiesektor. Es ist allenthalben anerkannt, dass sich die gegenwärtige Technologiewelle im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) vom Internet-Hype Anfang der 2000er Jahre unterscheidet. Anders als seinerzeit können die Unternehmen bereits extrem hohe Einnahmen vorweisen, aus denen heraus ein großer Teil der Investitionen finanziert wird – selbst wenn jetzt zunehmend Fremdkapital hinzukommt.
Auch sind die Bewertungen der KI-Firmen nicht so hoch wie diejenigen der Internet-Unternehmen vor einem Viertel-Jahrhundert. Ein weiterer Unterschied liegt darin, dass wenig Euphorie über die bisherige Kursentwicklung im Markt ist, im Gegenteil: Dies ist der unbeliebteste Börsenaufschwung aller Zeiten.
Das ist gut so, denn die Erwartung schwankender Kurse dämpft deren Schrecken. Aber selbst wenn die Börsianer mit Kursübertreibungen umgehen könnten, was wäre, wenn auch die bisherigen Unternehmenserträge und damit die Geschäftsmodelle sich als Seifenblasen herausstellen?
2. Politische Einschränkungen der Weltwirtschaft
Eine weitere Risiko-Quelle liegt in einer Fortsetzung der in laufenden Jahr begonnenen politischen Einschränkungen in der Weltwirtschaft. Die Vereinigten Staaten haben 2025 ihre dominante Position im internationalen Handel dazu ausgenutzt, sich von den weltweiten Gewinnen des Außenhandels durch Zollerhebung mehr anzueignen als sie anderen Ländern zugestehen. Voraussetzung dafür war (und ist weiterhin), dass die vielen kleineren und politisch abhängigen Handelspartner der USA keine Gegenmaßnahmen ergriffen haben.
Wie nicht anders zu erwarten war, blieben solche Gegenmaßnahmen auch aus, da der Vorteil der Teilnahme am internationalen Handel mit den USA größer ist als der zollbedingte Schaden, den die US-Politik ausgelöst hat. Aber die Trump-Agenda ist noch längst nicht abgearbeitet. Die Konsequenz: Die Aufspaltung der Weltwirtschaft wird sich weiter fortsetzen. Dass Welthandel, Kapitalverkehr und Wachstum dauerhaft so resilient auch gegenüber neuen Einschnitten bleiben werden, ist alles andere als sicher, von geopolitischen Risiken neuer gewaltsamer Konflikte ganz abgesehen.
3. Veränderte Strukturen in Finanzsektoren
Schließlich bereiten auch sich verändernde Strukturen in den Finanzsektoren zunehmend Kopfzerbrechen. Insbesondere in den USA hat sich in der vergangenen Dekade ein Wandel im Kreditsektor abgespielt: Kreditgeber aus dem Nichtbankensektor übernehmen viele Risiken, die Banken aus regulatorischen Gründen nicht mehr übernehmen können. Trotzdem ist der Bankensektor bei dieser neuen Finanzierungsart mit Überbrückungskrediten beteiligt.
Das Gleiche gilt auch für den dynamischen Kryptosektor, in dem sich Banken ebenfalls einbringen. Neue Finanzierungsfelder sind zunächst – auch für die Aufsicht – intransparent. Eine zu schnelle Ausbreitung von neuen Finanzierungsformen oder sogar missbräuchliche Verwendung neuer, vermeintlich „sicherer“ Instrumente kann die Stabilität auch den Bankensektors gefährden. Daher ist durch Analysten und Aufsicht den neuen Formen der „Private-Credit“-Finanzierungen verstärkt Aufmerksamkeit zu widmen.
... oder doch der gute Zustand der US-Wirtschaft?
Mit diesen und weiteren Risikothemen werden die Börsianer im kommenden Jahr leben müssen. An den Finanzmärkten gilt oft, dass Problemtrends, die an den Märkten bereits bekannt sind und breit diskutiert werden, regelmäßig nicht diejenigen, aus denen sich plötzliche aufkommende Krisen entwickeln.
Gefährlicher sind die Fehlentwicklungen, die nicht erkannt wurden und vollkommen überraschend auftreten. Ein Kandidat hierfür könnte paradoxerweise der gute Zustand der US-Wirtschaft sein. Denn sollte die Konjunktur in den USA oder eventuell sogar darüber hinaus positiv überraschen, sind Zinssteigerungen nicht weit entfernt. Damit können neue Belastungen für den Finanzsektor schnell ein Thema werden.
