Seit 26 Jahren arbeitet Andreas Gessinger bei Universal Investment – ein außergewöhnlicher Karriereweg in der heutigen Zeit. Im Gespräch mit DAS INVESTMENT spricht er über seinen beruflichen Werdegang, gibt Tipps für Berufseinsteiger und erklärt, warum frühzeitiges Investieren für junge Menschen unerlässlich ist.

DAS INVESTMENT: Herr Gessinger, wie sieht Ihr beruflicher Werdegang aus?

Andreas Gessinger: Ich bin, wie ich scherzhaft sage, der Schrecken eines jeden Personalers, weil ich jetzt seit 26 Jahren bei Universal Investment tätig bin. Meine Aufgaben haben sich mit unserem Wachstum über die Jahre zwar verändert, aber im Kern war die Kundenbetreuung von Anfang an mein Thema. Ich habe in den 90er Jahren eine Banklehre bei einer kleinen Genossenschaftsbank absolviert, dann Betriebswirtschaft studiert und anschließend meinen Berufseinstieg bei Universal Investment gefunden.

Damals war es ein kleines Fondshaus, getragen von Privatbanken, die ihren Kunden Fonds anbieten wollten. Für jede einzelne Bank wäre eine eigene Gesellschaft zu aufwendig gewesen, daher haben sie sich zusammengetan und Universal Investment ins Leben gerufen. Als ich anfing, waren wir 50 Mitarbeiter. Über die Jahre haben wir unser Geschäftsmodell sehr erfolgreich ausgebaut und sind heute 1.800 Mitarbeiter an vier Standorten.

War die Finanzbranche immer Ihr Plan? Wussten Sie schon in jungen Jahren, dass Sie in diese Richtung gehen wollen?

Gessinger: Die Frage ist, was ist Planung und was hat sich ergeben? Bei mir kam das Interesse während des Abiturs. Ich habe gemerkt, dass mich wirtschaftliche Zusammenhänge interessieren, auch durch meine Schwerpunktbildung in der Schule. Damals, und ich glaube, das gilt auch heute noch, wirkte die Bankenwelt attraktiv. Da es zu meinen Interessen passte, bin ich eingestiegen. Das Thema Fonds habe ich dann während des Studiums kennengelernt und einige Schwerpunkte in die Richtung gesetzt. Dann war klar, dass ich versuchen würde, in die Fondsbranche zu kommen. Bei Universal Investment passte es wie die Faust aufs Auge – ein kleines Unternehmen, das Leute suchte, bei dem aber schon klar war, wohin die Reise gehen könnte.

Was würden Sie jungen Menschen raten, die ähnliche berufliche Ziele verfolgen?

Gessinger: Ganz wichtig ist, nicht nur darauf zu hören, was andere sagen oder was man meint, oder weil man vermutet, dort die besten Karrierechancen zu haben. Das Wichtigste ist, erst einmal etwas zu finden, was einen wirklich interessiert. Alles, was danach kommen soll – Aufstiegsmöglichkeiten, Karrierechancen – ist eng damit verbunden, dass man etwas tut, was einen wirklich interessiert, dass man morgens aufsteht und sagt: 'Ich habe Lust dazu.' Wenn ich Arbeit nur als Pflicht ansehe, wird es schwierig. Deswegen würde ich jedem Berufsanfänger raten: Mach vor allem das, was dich interessiert. Das andere kommt dann dazu. Das ist leicht gesagt, aber ich bin fest davon überzeugt.

Andreas Gessinger im Gespräch mit unserer Redaktion.
Andreas Gessinger im Gespräch in unserer Redaktion. © DAS INVESTMENT

Würden Sie Ihrem jüngeren Ich Tipps geben? Gibt es etwas, das Sie anders machen würden?

Gessinger: Es klappt nicht immer so wie bei mir, dass man bei einem Unternehmen einen solchen Karriereweg hinlegen kann. Normalerweise gehört eine Veränderung schon dazu. Im Gegensatz zu früher gehört heute auch ein Auslandssemester während des Studiums dazu, um die Perspektive zu ändern. Das sind wichtige Dinge.

Ganz entscheidend ist später bei Bewerbungen, dass man sich selbst treu bleibt, keine Rolle spielt, nichts vorspielt, sondern sich so zeigt, wie man ist. Junge Menschen, die ihren Weg gehen, aber nicht beratungsresistent sind, werden auch Erfolg haben.

Sie haben das Auslandssemester angesprochen. Warum ist internationale Erfahrung aus beruflicher Sicht so wichtig?

Gessinger: Gerade bei einem Unternehmen wie unserem, das international gewachsen ist, hilft es enorm, wenn man mit anderen Kulturen und Sichtweisen Erfahrung hat und weiß, 'wie andere ticken'. Zudem ist das Thema Fremdsprachen wichtig. Es hilft extrem, wenn man mindestens Englisch wirklich gut beherrscht. Da habe ich selbst immer wieder Nachholbedarf, aber Sprache ist ein zentraler Punkt für eine ständig wachsende Gesellschaft.

Können Sie nach der Arbeit gut abschalten? Und falls ja, wie schaffen Sie das?

Gessinger: Es schwankt manchmal. Gelegentlich nimmt man Dinge mit nach Hause und schläft vielleicht mal schlecht. Aber im Großen und Ganzen ist es bei mir die Familie – zwei Kinder, die noch zu Hause wohnen, und unser klassischer Corona-Hund, der uns alle auf Trab hält. Spätestens dann ist man in seinen anderen Themen drin.

Für mich persönlich habe ich vor ein paar Jahren das Sporttreiben entdeckt. Ich war der klassische Mensch, der mit Anfang 50 eine gewisse Gewichtsklasse überschritten hat und immer behäbiger wurde. Über eine Fußballgruppe, in der wir regelmäßig spielen und auch Abnehm- und Gesundheitstipps bekommen haben, bin ich in einen Rhythmus gekommen. Das nutze ich jetzt wirklich als Ausgleich.

In Ihrer Branche wird mit viel Geld gehandelt. Denken Sie manchmal über diese großen Summen nach?

Gessinger: Das passiert mir tatsächlich oft. Wenn man bei einer Fondsauflegung sagt, 'ich fange mit 10 Millionen an', klingt das für die meisten nach viel Geld – die meisten von uns werden nie 10 Millionen besitzen – aber bei einem Fonds ist das völlig normal. Die Gefahr ist, dass man die Dimensionen dafür verliert, es wird zu einer Recheneinheit. Man denkt dann weniger darüber nach, was das eigentlich für Gegenwerte sind.

Hinzu kommt, dass wir bei Universal Investment die Fonds administrieren. Die Entscheidungen im Tagesgeschäft, wie das Geld tatsächlich investiert wird, werden durch externe Portfolio-Manager getroffen. Ich glaube, es ist ein anderer Stress, wenn ich entscheide, was Einfluss auf die Werthaltigkeit der Anlage hat. Wir sorgen dafür, dass die Fonds ordentlich verwaltet werden, die Werte stimmen und alles nach Recht und Gesetz abläuft. Aber die Performance-Verantwortung liegt bei den Fondsmanagern, die meist in anderen Gesellschaften sitzen.

Wie behalten Sie bei großen und verantwortungsvollen Entscheidungen einen kühlen Kopf?

Gessinger: Ich habe dazu keinen richtigen Tipp. Ich bin vom Naturell her jemand, der nicht so leicht emotional wird, sondern eher zu den ausgeglichenen Typen zählt. Ich gehöre nicht zu denen, die sich in den Vordergrund drängen, wenn etwas öffentlichkeitswirksam zu erledigen ist. Aber ich bin auch keiner, der schnell in Panik verfällt, sondern erst einmal Ruhe bewahrt und analysiert.

Was waren die schönsten und was die weniger schönen Momente in Ihrem Job?

Gessinger: Die schönsten Momente sind, wenn man gemeinsam neue Kunden gewinnt – insbesondere große Kunden – oder wenn man bestehende Kunden halten kann. Es gibt in langjährigen Kundenbeziehungen manchmal Situationen, wo etwas nicht optimal läuft. Den Kunden dann wieder von uns zu überzeugen und gemeinsam nach vorne zu gehen, das sind schöne Momente.

Ich war auch für das eine oder andere regulatorische Großprojekt verantwortlich. Wenn man dafür sorgt, dass zu bestimmten Terminen wirklich große Projekte umgesetzt werden, das waren Erfolgserlebnisse.

Bei den weniger schönen Momenten: Ich habe seit einigen Jahren Personalverantwortung, und wenn – was zum Glück selten vorkommt – ein Kollege das Haus verlässt und vielleicht gar nicht damit gerechnet hat, dann ist das nicht angenehm.

Das Thema finanzielle Freiheit für junge Menschen wird im politischen Diskurs wenig behandelt. Welche Tipps geben Sie jüngeren Menschen, die finanzielle Freiheit erlangen möchten?

Gessinger: Frühzeitig mit dem Sparen anfangen! Ich will nicht im Detail über die beste Anlageform sprechen – viele wollen nur noch ETFs, ohne vielleicht zu wissen, was das ist. Aber als Einstieg kann man das auf jeden Fall tun. Als Faustregel: regelmäßige Beträge, frühzeitig, und sich dem Kapitalmarkt öffnen.

Leider sind die Schulen immer noch nicht so weit, dass Grundlagen des Kapitalmarktes gelehrt werden. Man sollte zumindest wissen, was eine Aktie ist, was ein Fonds, was ein Rentenpapier, warum man das braucht und wie es sich von Versicherungen abgrenzt. So etwas sollte zur Allgemeinbildung gehören.

Ich glaube auch, dass eine qualifizierte Beratung wichtig ist und man sich da öffnen sollte. Natürlich kann man im Hinterkopf haben, dass der Berater am Ende das Ziel hat, seine Anlageform zu verkaufen – er lebt ja von der Provision. Aber unterm Strich macht es absolut Sinn, sich beraten zu lassen und nicht auf eigene Faust loszugehen.

Mit einem gesunden Menschenverstand, etwas Wissen und guter Beratung sollte man dann regelmäßig über ein breites Anlagespektrum und über mehrere Jahre einzahlen. Die gesetzliche Rente wird nicht reichen. Die aktuellen Diskussionen in der Politik über Staatsfonds mit oder ohne Garantie können helfen, aber wenn man finanziell dazu in der Lage ist, sollte man frühzeitig einen Grundstock anlegen.

Gibt es noch einen speziellen Tipp für junge Menschen, die beim Investieren unsicher sind?

Gessinger: Qualifizierte Beratung suchen, und sich aufklären lassen. Als junger Mensch sollte man nie mit einem großen Betrag einsteigen, sondern über lange Jahre einen Kapitalstock aufbauen. Dann muss man Wertschwankungen aushalten können – und das kann man auch, wenn man weiß, dass es für die eigene Zukunft ist.

Man kann es dann aushalten, wenn die Aktienmärkte auch einmal deutliche Prozentverluste erleiden, weil die Vergangenheit gezeigt hat, dass man unterm Strich auf lange Sicht doch positive Renditen erzielen kann. Man ist an Unternehmen beteiligt, man hat etwas Reales. Das ist etwas anderes, als wenn man sein Geld auf seinem Bankkonto hält und das dann von der Inflation 'aufgefressen' wird. Garantien gibt es keine, aber es ist aus meiner Sicht der bessere Weg.