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, Aktualisiert am 12.04.2023 - 11:14 Uhrin FondsLesedauer: 8 Minuten
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Abgeordnete Katharina Beck im Interview „Firmen haben aktuell nicht viel davon, nachhaltig zu wirtschaften“

Katharina Beck, stellvertretende Vorsitzende des Finanzausschusses des Deutschen Bundestags
Katharina Beck, stellvertretende Vorsitzende des Finanzausschusses des Deutschen Bundestags: „Ich sehe die Gefahr, dass Sustainable Finance als negativ und als Belastung wahrgenommen wird.“ | Foto: Bündnis 90 / Die Grünen

DAS INVESTMENT: Geben Sie uns einen kleinen Einblick: Wie sieht ein Tag in der Bundespolitik aus?

Katharina Beck: Den einen typischen Tag gibt es nicht. Jeden Morgen gibt es ein Zeitfenster für nötige Abstimmungen mit meinem Team. Manchmal gibt es schon davor strategische SMS oder Ähnliches mit den Kollegen im Bundestag. Was definitiv jeden Tag passiert: Mein Team steht mir mit Rat und Tat zur Seite. Unverzichtbar. Wichtig ist mir außerdem ein kooperativer Führungsstil auch in der Arbeitsgruppe Finanzen – was bedeutet, Fragen zu stellen und sich auch mal helfen zu lassen.

Und das funktioniert super. Klar, manchmal kommt es zu Rivalitäten im politischen Betrieb, aber ich versuche stets eine Kultur der gemeinsamen Erfolge zu gestalten. Ich bin zwar Quereinsteigerin in die hauptamtliche Politik, aber dadurch, dass ich schon lange die Wirtschafts- und Finanzpolitik der Partei mitpräge, habe ich zu den Entscheidern bereits einen Draht, was meine Arbeit enorm erleichtert.

Sie kommen, wie Sie bereits erwähnten, ursprünglich aus der Finanzwirtschaft – konkret aus der ESG-Beratung. Dort wird ja gerne über die Vorgaben der Politik geschimpft. Wieso haben Sie die Seiten gewechselt?

Beck: In der Beratung merkt man schnell, dass es bei Firmen und dem Thema Nachhaltigkeit inzwischen den Schritt von „Müssen“ zu „Wollen“ gibt. Ich bin Politikerin geworden, um diesen Schritt zu erleichtern. Die Anreizstrukturen sind aktuell nicht so gestaltet, dass Unternehmen viel davon haben, nachhaltig zu wirtschaften. Erfolg muss neu gemessen – und das Thema Nachhaltigkeit in die Erfolgsdefinition aufgenommen werden. Wir arbeiten als Menschen gerade unrealistisch. Wir leben jetzt schon auf Pump, denn unsere Ressourcen reichen nicht. Das Problem sind die Anreize in der Wirtschaft. Deshalb möchte ich die Rahmenbedingungen verändern, damit wir künftig innerhalb der planetaren Grenzen bleiben.

 

 

Was genau wollen Sie dabei verändern?

Beck: Tatsächlich ist für mich das Herzstück das Einbetten von Nachhaltigkeit in die Bilanz. Nicht einfach in den Jahresbericht irgendwo, sondern in die Bilanz – also direkt in die Tabelle. Denn aus der Bilanz speist sich die Gewinn- und Verlust-Rechnung und dort steht der Erfolg eines Unternehmens. Aber der Erfolg eines Unternehmens berücksichtigt im Moment nicht, ob eine Firma es schafft, innerhalb der planetaren Grenzen und sozial gerecht zu wirtschaften. Was aber eigentlich unser einziges Ziel sein müsste – das wäre zumindest logisch.

Stichwort Taxonomie: Was klappt bislang in Ihren Augen gut an welchen Stellen sehen Sie Nachbesserungspotenzial?

Beck: Zu allererst finde ich die Zielsetzung sehr relevant. Damit es endlich eine Klarheit darüber gibt, was Nachhaltigkeit ist. Wir bekommen von vielen Kapitalmarktakteuren das Feedback, dass es wirklich helfen würde, wenn es eine Form der Einheitlichkeit und Standards gäbe. Die Taxonomie hat da im Grundsatz etwas wirklich gut beschrieben: Nämlich, dass ein nachhaltiges Investment einen positiven Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leisten muss und gleichzeitig keinen Schaden anrichten soll.

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