Stephan Ertz, Leiter der Abteilung Unternehmensanleihen bei Union Investment: „Wir planen keine signifikante Erhöhung des Risikos“

Stephan Ertz, Leiter der Abteilung Unternehmensanleihen bei Union Investment: „Wir planen keine signifikante Erhöhung des Risikos“

Kaufprogramm der EZB

„Von einem Exodus des gesamten Segments sind wir weit entfernt“

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DAS INVESTMENT.com: Die EZB will vor allem Anleihen von Firmen mit guten Ratingnoten kaufen, entsprechend werden in diesem Bereich die Zinsen sinken: Wird die EZB damit einem weiteren beliebten, weil nicht allzu riskanten Anleihen-Segment der Investment-Grade-Bonds den Garaus machen?

Stefan Ertz: Die EZB wird sicherlich als einer der größten Investoren in diesem Segment dafür sorgen, dass die durchschnittlichen Renditen zurückgehen. Allerdings entsprechen nur rund 40 Prozent der ausstehenden Bonds überhaupt den Kriterien für einen potenziellen Ankauf. Somit gibt es noch genügend Investment Grade-Anleihen bei denen die EZB nicht als Käufer auftreten wird. Von einem „Exodus“ des gesamten Segments sind wir also weit entfernt.

Was bedeutet das für die Rendite-Risikoprofile Ihres Unternehmensanleihen-Fonds? Gehen Sie stärker ins Risiko und behalten die Renditeziele bei, oder lassen Sie das Risiko unverändert und senken Ihre Renditeziele?

Stefan Ertz: Wir planen keine signifikante Erhöhung des Risikos, vielmehr setzen wir auf alternative Anlagen mit ähnlichem Chance-Risiko-Profil. Beispielsweise gibt es eine Reihe von gut bewerteten US-Emittenten, die nicht für das EZB-Ankaufprogramm in Frage kommen. Auch im Nachrangbereich existieren attraktive Investmentmöglichkeiten. Da weiterhin rund 60 Prozent der Investment Grade-Unternehmensanleihen ohne mögliche Verzerrungen durch die EZB gehandelt werden können, sehen wir hier ausreichend Chancen. Außerdem profitieren wir als Investor mit hohen EZB-tauglichen Anleihe-Beständen natürlich auch davon, dass ein neuer großer Käufer am Markt aktiv ist.

Die EZB hat angekündigt, bei einzelnen Emissionen bis zu 70 Prozent der angebotenen Anleihen aufzukaufen. Inwieweit beschränkt Sie das bei der Auswahl von Anleihen für Ihren Fonds? Werden Sie in Zukunft bei attraktiven Anleihen regelmäßig schlicht nicht mehr zum Zug kommen?

Stefan Ertz: Wir sehen die 70 Prozent eher als ein theoretisches Maximum. Die EZB erwartet eine ähnliche Zuteilungsquote wie ein guter institutioneller Investor. Nicht weniger, aber wohl auch nicht mehr. Eine Anleihe, die früher 5-fach überzeichnet war, hat jetzt vielleicht eine 5,5-fache Überzeichnung. Eine leichte Reduzierung der Zuteilung dürfte zwar stattfinden. Dass eine Emission aber zu überwiegenden Teilen in die Bücher der Zentralbank läuft, halten wir für unwahrscheinlich.

Wird die EZB durch diese Maßnahmen ihr Ziel, die Inflation im Euroraum anzukurbeln, erreichen?

Stefan Ertz: Alleine kann die Ausweitung des Ankaufprogramms auf Corporate Bonds sicherlich nicht für eine signifikante Erhöhung der Inflation sorgen. Dafür ist das Volumen – auch im Vergleich zum Ankauf von Staatsanleihen – einfach zu gering. Vielmehr hat die Zentralbank vor allem eine Verbesserung der Finanzierungsbedingungen für Unternehmen im Blick. Die bereits mit Ankündigung des Programms deutlich angestiegenen Neuemissionen zeigen, dass zumindest kurzfristig dieses Ziel erreicht werden dürfte.

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