„Kein Flickenteppich und Vorsicht vor falschen Beratern“

Die 10 schlimmsten Fehler bei der Altersvorsorge

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Mehr als 160 Milliarden Euro haben Verbraucher in der Dekade 2001 bis 2010 in den Wind gesetzt, weil sie ihre Versicherungsverträge frühzeitig gekündigt haben. Das ergibt eine aktuelle Studie des Professors Dr. Andreas Oehler vom Lehrstuhl für Finanzierung an der Universität Bamberg. Die Gründe für die hohen Verluste sind vielfältig – lassen sich aber in den meisten Fällen vermeiden.

Die 10 größten Vorsorgefehler

1. Der innere Schweinehund
Die Deutschen kaufen Autos, Computer, Küchengeräte und gehen auf Reisen. Bevor sie sich für eine Ausgabe entscheiden, investieren sie viel Zeit, lesen Testberichte, wägen ab. Geht es allerdings um Versicherungen und die eigene Vorsorge, sieht dies anders aus. „Natürlich ist die eigene Vorsorge kein angenehmes Thema“, sagt Winkler vom IGB. Doch sie weiß auch: „Da müssen wir durch! Oftmals ist es nur der erste Ruck, den wir uns geben müssen. Dann merken wir, dass die eigene Vorsorge gar nicht so schlimm ist, sondern im Gegenteil sogar ein gutes Gefühl von Sicherheit gibt.“

2. Lückenhafte Vorsorge

Natürlich gilt: Sich um einen Teil der Vorsorge zu kümmern, ist besser, als es gar nicht zu tun. Doch wirklich abgesichert ist man erst, wenn alles steht. Laut Winkler kommen zur bisherigen Altersvorsorge folgende vier Säulen hinzu: 1) individuelle Vorsorgevollmacht, 2) Patientenverfügung, 3) Klärung der Finanzen im Pflegefall, 4) Testament. „Sind alle vier Punkte geklärt, kann man sicher in die Zukunft zu blicken.“

3. Die falschen Berater
„Freunde, Familie und Bekannte in alle Vorsorgefragen einzubeziehen, ist wichtig und stärkt die Bindung zueinander. Doch sich allein auf ihren Rat zu verlassen, wäre fatal“, sagt die Altersexpertin. Denn nur ausgebildete Finanzberater können auch in Haftung genommen werden. Sie sind verpflichtet, alle besprochenen Versicherungen und Vorsorgeprodukte zu dokumentieren. Voraussetzung für die Haftung: Eine Rechtsschutzversicherung inklusive Vertragsrechtsschutz.

4. Vorsorge ist nicht gleich Vorsorge
In der Altersvorsorge gibt es keinen allgemeingültigen Masterplan. Jede Familiensituation ist individuell, jeder Mensch hat andere Wünsche und Bedürfnisse. Die Tipps und Pläne von Freunden lassen sich daher nicht einfach auf das eigene Leben übertragen. Und auch Berater, die einen vorgefertigten Vorsorgefahrplan aus der Schublade ziehen, erscheinen nicht sehr seriös. „Vor allem in Patchwork-Situationen oder bei angeheirateten Ehepartnern gelten andere Spielregeln in der Vorsorge. Darauf sollte individuell eingegangen werden.“

5. Schwarze Schafe der Finanzbranche

Finanzmakler und -berater haben oftmals einen schlechten Ruf, denn immer wieder sorgen schwarze Schafe der Branche dafür, dass Verbraucher verunsichert sind. Sie sind allesamt Profis auf ihrem Gebiet, treten professionell auf, sind freundlich und vermitteln ein Gefühl von Sicherheit. Doch auf die Feinheiten kommt es an. Winkler nennt Beispiele: „Wenn der Berater ein bestimmtes Produkt geradezu aufdrängt, keine Bedenkzeit gibt und nicht auf die persönliche Situation eingeht, dann ist äußerste Vorsicht geboten.“

6. Sich auf andere verlassen
Vertrauen ist gut, Kontrolle besser. Dieser weise Spruch gilt in der Vorsorgeplanung mehr denn je. „Wer sich blind auf die Ratschläge anderer verlässt, könnte ein böses Erwachen erleben“, weiß Winkler. Daher gilt immer: Recherchieren, lesen, die Meinung anderer einholen. Wer gut informiert ins Beratungsgespräch geht, der läuft seltener Gefahr, über den Tisch gezogen zu werden. Und laut Winkler hat dies einen weiteren Vorteil: „Wer sich mit der persönlichen Vorsorge beschäftigt, weiß oftmals schon, was er möchte und was überhaupt nicht in Frage kommt. Das erleichtert die Aufstellung des persönlichen Konzeptes ungemein.“

7. Vorsorge-Flickenteppich
„Im Laufe der Jahre schließen wir alle mehr oder minder viele Verträge zur Vorsorge ab – und zwar meist von verschiedenen Maklern, Banken und Versicherungen. Aufeinander abgestimmt sind allerdings die wenigsten“, weiß die Expertin. Dabei ist ein fein aufeinander abgestimmter Krisenplan wichtig, um im Ernstfall alle Eventualitäten abzudecken. „Ein guter Berater geht auf die individuelle Situation seiner Kunden ein, ist empathisch und sensibel. Schließlich geht es um hochemotionale Themen.“

8. Sinnlose versus sinnvolle Versicherungen
Es gibt Versicherungen, die nicht notwendig sind und solche, die jeder haben sollte. Doch welche sind wirklich vonnöten? „Zu den wichtigsten Versicherungen zählen die Berufsunfähigkeitsversicherung, eine Unfallversicherung und eine Privathaftpflicht“, sagt Winkler und fügt hinzu: „Wer seinen Kindern später nicht auf der Tasche liegen möchte, sollte auch den Pflegefall unbedingt absichern.“

9. Hochriskante Anlagen
Die eigene Altersvorsorge sollte Sicherheit bringen. Anlagen in hochriskante Produkte des sogenannten Grauen Kapitalmarktes sind da der falsche Weg – auch wenn Berater hohe Renditen versprechen. „Finger weg von Unternehmensbeteiligungen, Diamantenhandel oder Termingeschäften. Denn deren Seriosität ist sehr unterschiedlich“, weiß die Expertin.

10. Alles auf eine Karte setzen
Anlagen sind nicht per se schlecht. Nur die richtigen sollten es sein. „Und keinesfalls nur auf eine Anlageart setzen!“, warnt Winkler. Neben der gesetzlichen und betrieblichen Altersvorsorge sollten Verbraucher etwa auch in offene Fonds oder Immobilienwerte investieren.

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