Lesedauer: 3 Minuten

"Kein kalter Entzug" Neue Analyse überrascht Anleihe-Investoren

Die Zentralbank will ihre Bond-Bestände irgendwann nach Beginn der Zinserhöhungen abbauen, und es besteht die Befürchtung, dass mit dem Ende der lockeren Geldpolitik die Kreditkosten hochschnellen könnten.

Im nächsten Jahr werden von der Fed gehaltene Treasuries im Volumen von 216 Milliarden Dollar fällig. Doch selbst wenn die Fed sie nicht durch neue Bonds ersetzt, wird dies die Renditen kaum beeinflussen, hat JPMorgan errechnet. Dafür hat die Bank die Bewegungen während des Fed-Bondkauf-Programms analysiert.

„Es würde sich nicht auswirken, und das ist neu“, sagt Lou Crandall, Chef-Volkswirt der Analysefirma Wrightson ICAP, die auf Fed-Politik und Treasury-Finanzierung spezialisiert ist. Es entstünden keine Folgekosten.

Das wäre die jüngste Überraschung in einem Markt, der die besten und schlauesten Köpfe der Wall Street weiter verblüfft. Immer wieder haben sie ein Ende des Bullenmarktes bei den Bonds vorhergesagt - und lagen damit stets daneben.

Nicht nur für Investoren ist die Höhe der Renditen wichtig, sie ist auch entscheidend für die US-Regierung und die Finanzierung der Staatsverschuldung, die sich seit der Kreditkrise auf 18 Billionen Dollar mehr als verdoppelt hat. Die Auswirkungen sind jedoch bei Regierungen, Unternehmen und Verbrauchern weltweit zu spüren, da Treasuries als Benchmark für Billionen Dollar an Verbindlichkeiten rund um den Erdball dienen.

Die Fed beendete ihr - auch unter der Bezeichnung quantitative Lockerung (QE) bekanntes - Bondkauf-Programm im Oktober 2014. Das Volumen der Bestände wurde jedoch aufrechterhalten, indem die Mittel fälliger Papiere reinvestiert wurden. In den vergangenen fünf Jahren wurden von der Zentralbank allein in Treasuries so fast 200 Milliarden Dollar reinvestiert.

Volkswirte rechnen damit, dass die Fed die Leitzinsen vor dem Jahresende anhebt und die Mittel einiger im ersten Halbjahr 2016 fällig werdender Papiere nicht im Bondmarkt reinvestiert. Neben den Treasuries hat die Notenbank auch 1,73 Billionen Dollar an mit Hypotheken unterlegten Wertpapieren aufgekauft und hält mittlerweile Bonds im Volumen von 4,2 Billionen Dollar.

Durch den Rückzug der Fed fällt eine der wichtigsten Quellen für die Treasury-Nachfrage weg, durch die die Kreditkosten gedrückt wurden, was auch die US-Erholung unterstützte. Seit die Fed 2008 die Leitzinsen auf Rekordniveau senkte und QE startete sind die Renditen der zehnjährigen Papiere von 4 Prozent auf derzeit 2,15 Prozent gefallen.

„Ich kann mir nicht vorstellen, wie es nicht“ die Renditen in die Höhe treiben soll, wenn sich die Fed aus dem Markt zurückzieht, sagt Thomas Simons, Volkswirt für Staatspapiere bei Jefferies, einem der 22 Primärhändler, die direkt mit der Fed Geschäfte machen.

Die Analyse von JPMorgan deutet jedoch darauf hin, dass der Anstieg nicht signifikant ausfallen wird. Sollte die Fed die 2016 fälligen Treasuries nicht ersetzen, hätte dies demnach einen Anstieg der Zehnjährigen-Rendite um etwa 0,05 Prozentpunkte zur Folge. Die Berechnungen der Bank, die bei Institutional Investor Rang eins für ihre Festverzinslichen- Analyse einnahm, basiert auf der Reaktion der Treasury-Renditen als die Fed Bonds kaufte. Pro 1 Billionen Dollar QE stieg die Rendite dabei um etwa 0,2 Prozentpunkte.

Auf dieser Berechnungsgrundlage würden die Zehnjährigen- Renditen bis zum Ende des Jahrzehnts um weniger als 0,3 Prozentpunkte steigen. In diesem Zeitraum werden Bonds im Volumen von 1,3 Billionen Dollar fällig.

Das US-Finanzministerium will jedoch lieber keine Risiken eingehen. Es prüft Schritte, mit denen mögliche Verwerfungen am Markt abgefedert werden können. „Sie werden keinen kalten Entzug machen“, sagt George Goncalves, Leiter Zinsstrategie bei Nomura Holdings. „Ich rechne damit, dass sie die Reinvestments nach und nach aufgeben werden.“

Mehr zum Thema
Genußscheine der anderen ArtSchokohersteller bietet süße 12 Prozent Zinsen Cash-Management im NiedrigzinsDrei Möglichkeiten, dem Strafzins zu entgehen 6 Fragen an Anleihenspezialist Stephan KuhnkeSo wirken sich steigende Zinsen auf den Anleihenmarkt aus