Carmen Daub

Carmen Daub

„Kein weiterer schneller Zinsanstieg“

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Das Investment.com: Aktien im Höhenflug, während die Zinsen zuletzt kräftig kletterten – ein gefährlicher Mix?

Carmen Daub: Das sehe ich nicht so. Die Notenbanken agieren immer noch sehr expansiv, auch wenn die Fed jetzt vielleicht erst im Dezember mit der Reduzierung ihrer Anleihekäufe beginnt. Für Aktien bleiben wir mittelfristig positiv gestimmt. Japan und insbesondere Europa haben wir derzeit übergewichtet: Im Euroraum festigt sich die Konjunktur.

Das Investment.com: Wie sind Sie durch die Zinsturbulenzen der vergangenen Monate gekommen?

Carmen Daub: Wir hatten steigende Renditen erwartet und uns dafür positioniert. Bei Bundesanleihen erwarteten wir einen Anstieg auf etwa 2 Prozent. Das Niveau ist fast erreicht. An einen weiteren schnellen Zinsanstieg glauben wir derzeit nicht.

Das Investment.com: Und wenn es doch so kommt?

Carmen Daub: Mit unseren Comfort-Fonds verfolgen wir einen vermögensverwaltenden Ansatz. Deuten sich Trendwechsel an, reagieren wir. Wir können beispielsweise inflationsindexierte Anleihen erwerben oder – wie zuletzt auch geschehen – die Duration in den Portfolios verkürzen. Beim Gothaer Comfort Balance darf die Aktienquote zwischen 20 und 70 Prozent betragen.

Das Investment.com: Wo liegt sie zurzeit?

Carmen Daub: Bei rund 50 Prozent, was nach unseren internen Maßstäben einer neutralen Gewichtung entspricht. Während wir im Rentenbereich auch einmal fokussiert Direktinvestments vornehmen, erfolgen Investitionen im Aktienbereich derzeit ausschließlich über Zielfonds.

Das Investment.com: Wie wählen Sie diese Zielfonds aus?

Carmen Daub: Kaufkandidaten unterwerfen wir einer ausführlichen Analyse, die quantitative und qualitative Kriterien umfasst. Wir stehen mit den Zielfondsmanagern und deren Teams in regelmäßigem Dialog. Die Zielfonds durchlaufen bei uns einen ausführlichen Due-Diligence-Prozess, bei dem auch die Kosten und die Handelbarkeit eine Rolle spielen. Neben aktiv gemanagten Aktienfonds befinden sich auch mehrere ETFs im Portfolio.

Das Investment.com: Wie gehen Sie mit Währungsrisiken um?

Carmen Daub: Die Rentenkomponente wird im Regelfall abgesichert. Bei einer entsprechenden Marktmeinung weichen wir jedoch von diesem Grundsatz ab. So hatten wir beispielsweise im vergangenen Jahr den US-Dollar nicht abgesichert, als der Euro unter Druck stand. Andererseits halten wir derzeit verschiedene währungsgesicherte Aktienfonds. Dies hat uns sehr geholfen, da der Euro zuletzt zur Stärke neigte.

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