Keine Angst vor schlechten Schlagzeilen Fonds-Klassiker im Check-Up: Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen

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2. Die aktuelle Positionierung

Traditionell übergewichtet im Vergleich zur Konkurrenz ist Fischer in Deutschland. Auch Unternehmen aus Österreich und der Schweiz nehmen in seinem Fonds einen breiten Raum ein. Eher zurückhaltend beurteilt er dagegen britische Aktien und vor allem Finanztitel: „Weder trauen wir den Bilanzen der Banken, noch verstehen wir sie richtig und in allen Einzelheiten.“ Rohstoffaktien beobachtet Fischer zwar aufmerksam, sieht aber von einigen Ausnahmen abgesehen noch keine Kaufkurse.

Auf Einzeltitelebene favorisiert der Shareholder-Value-Manager derzeit unter anderem die Aktie von Washtec: Der Augsburger Hersteller von Fahrzeugwaschanlagen hat jüngst ein Aktienrückkaufprogramm gestartet. Auch die Aktie des österreichischen Telekommunikations- und Verkehrstelematik-Konzerns Kapsch findet sich seit einiger Zeit im Portfolio. Ganz neu aufgenommen hat Fischer Gerry Weber, wo „derzeit wahrscheinlich außer der Familie Weber und uns keiner mehr Aktien des Unternehmens haben möchte“, spielt er auf jüngste Negativ-Schlagzeilen an.

Nach dem Übernahmeangebot von Mitsubishi Electric verkauft hat Fischer seine Beteiligung an Delclima, ebenso die Aktie des französischen Pharma-Unternehmens Stallergenes, das sich unter von ihm im Frühjahr heftig kritisierten Konditionen mit der US-Gesellschaft Greer Laboratories zusammengeschlossen hat. Auch der in den vergangenen Monaten enttäuschende dänische Anlagenbauer FL Smidth ist seit kurzem nicht mehr im Portfolio vertreten.

Auf Länder- und Branchenebene hat sich das Portfolio in den vergangenen Monaten kaum verändert – lediglich die Cash-Quote bleibt bis auf weiteres erhöht. Fischer: „Rund um den Globus hat sich der Sentix-Konjunkturindex ins Negative gedreht. Deshalb bleiben wir zunächst skeptisch, was die konjunkturelle Entwicklung anbelangt.“ Sollten sich in den kommenden Wochen bei dem einen oder anderen eigentümergeführten Unternehmen neue Gelegenheiten auftun, will er allerdings gezielt zukaufen.




3. Drei Fragen an Frank Fischer




DER FONDS: „Ich habe Schiss!“ bekannten Sie 2011 auf dem Höhepunkt der Euro-Krise in einem Logbuch auf Spiegel Online. Geht es Ihnen momentan ähnlich, oder ist die Situation heute trotz der jüngsten Korrekturen eine völlig andere?


Frank Fischer: Schiss wie damals habe ich heute nicht. Wir sind aber nach wie vor vorsichtig und haben unsere Aktienquote noch nicht erhöht, auch wenn es eine andere Situation als 2011 ist. Wir wissen heute, dass die Notenbanken alles Notwendige tun, um die Märkte zu stabilisieren – über die legalen Grenzen hinaus und rund um den Globus. Das dies langfristig nicht gut gehen kann, steht auf einem anderen Blatt.

In welchen Ländern und Branchen finden Sie derzeit die aussichtsreichsten Werte, und welche Titel fassen Sie derzeit auf gar keinen Fall an?

Interessante Titel finden wir immer wieder, in vielen Ländern und Branchen, wie jüngst Gerry Weber. Auch in China werden einige Titel wieder interessant, zum Beispiel Baidu. Rohstoffe scheinen inzwischen ebenfalls einen Boden gefunden zu haben. Worum wir einen Bogen machen sind überbewertete Wachstumsaktien, deren Aufwärtstrend rein auf Spekulation beruht. Und Aktien aus Regionen wie Russland, wo wir als Aktionäre keine Rechtssicherheit haben.

Wie passt ein Titel wie Google in Ihr Portfolio, in dem Sie ansonsten einen Schwerpunkt auf Europa setzen und dort vor allem bei eher kleineren Unternehmen?

Google ist zwar kein europäischer Nebenwert, aber ansonsten eine Aktie, die alle unsere Kriterien erfüllt. In erster Linie sind hier die Gründer mit ihrer Management-Exzellenz zu erwähnen. Sie halten zwar nur 11 Prozent der Aktien, verfügen aber über 52 Prozent der Stimmrechte. Und angesichts seiner überlegenen Suchmaschinen-Technologie, hohen Wechselhemmnissen und einem positiven Skaleneffekt besitzt Google einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil. Zwar ist das PC-Geschäft rückläufig. Dies wird jedoch durch Youtube, den globalen Trend zu mobilen Endgeräten und Android mehr als kompensiert. So können Sie in China bereits online bestellen und bekommen die Ware innerhalb von drei Stunden geliefert. Davon profitiert neben Google auch Baidu, die chinesische Antwort auf Amazon.

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