„Keine ausreichende Due Dilligence“ GAM erklärt sich in der Causa Haywood

Tim Haywood wurde im Juli von seinen Aufgaben bei GAM entbunden. | © Julius Baer

Tim Haywood wurde im Juli von seinen Aufgaben bei GAM entbunden. Foto: Julius Baer

Mit einer Stellungnahme begegnet die Schweizer Fondsgesellschaft GAM jetzt den Gerüchten zur Causa Haywood. Fondsmanager Tim Haywood war Ende Juli von seinen Aufgaben bei dem Unternehmen entbunden worden. Die Suspendierung sei Folge einer internen Untersuchung, hatte GAM den Schritt begründet. Neun Anleihefonds, die Haywood direkt oder indirekt geleitet hatte, wickelt GAM derzeit ab.

Der Fall hatte ein starkes öffentliches Echo hervorgerufen. Insbesondere die zeitnah geäußerte Begründung von GAM, nach der Haywood gegen Unternehmensrichtlinien verstoßen haben soll, hatte Raum für Spekulationen gelassen. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete zwischenzeitlich über Aussagen eines Indiders, nach denen Haywood in großem Stil nicht ausreichend geprüfte Papiere ins Porfolio geholt haben soll, die mit Firmen des britischen Industriellen Sanjeev Gupta verbunden sein sollen. Zu diesen konkreten Portfoliopositionen habe sich GAM laut Bloomberg allerdings nicht äußern wollen.

Jetzt meldet sich das Unternehmen mit einer umfangreichen Stellungnahme im Fall Haywood zu Wort:

Als Reaktion auf aktuelle Medienspekulationen kann GAM bestätigen, dass die interne Untersuchung bezüglich des Verhaltens von Tim Haywood, Investment Director der ARBF-Fonds, aufgrund von Bedenken eines internen Whistleblowers eingeleitet wurde. In Einklang mit ihren etablierten internen Prozessen hat GAM diese Hinweise sehr ernst genommen und gleichzeitig sichergestellt, dass die Existenz und die Identität des Whistleblowers geschützt werden. GAM beabsichtigt, dem Whistle­blower auch weiterhin alle angezeigten Schutzmassnahmen zukommen zu lassen. Im November 2017 leitete GAM eine von unabhängigen externen Experten unterstützte interne Untersuchung ein. Im März 2018 ergänzte der Whistleblower seine anfänglichen Hinweise und nahm Kontakt mit der britischen Financial Conduct Authority (FCA) auf, während er gleichzeitig das Unternehmen informiert hielt.

Die interne Untersuchung entwickelte sich mit der Aufdeckung zusätzlicher Fakten und Umstände weiter und identifizierte diverse potenzielle Verfehlungen, die insgesamt zur Entscheidung führten, Herrn Haywood zu suspendieren. Wie schon früher kommuniziert, finden in diesem Zusammenhang keine Untersuchungen gegen andere Mitarbeiter statt, und es wurden keinerlei Anhaltspunkte gefunden, die solche angezeigt erscheinen liessen. Das interne Disziplinarverfahren in Bezug auf den suspendierten Investment Director ist noch im Gange.

Im Zuge der laufenden Liquidation der ARBF-Fonds, welche die Fairness gegenüber allen Anlegern und deren Gleichbehandlung gewährleistet, wurden bis heute zwischen 60% und 87% der Fondsvermögen ausbezahlt. Die zweiten Liquidationszahlungen beginnen in der Woche vom 24. September 2018, und weitere Fondsvermögen werden, abhängig von den Marktbedingungen, in den kommenden Monaten liquidiert und die entsprechenden Barmittel an die Anleger zurückerstattet. Bislang wurden keine materiellen Nachteile für Kunden festgestellt, und wir werden dies weiterhin überwachen.

Wie bereits früher mitgeteilt, bezieht sich das aufgedeckte potenzielle Fehlverhalten darauf, dass in bestimmten Fällen keine ausreichende Due Diligence durchgeführt oder belegt bzw. keine internen Aufzeichnungen von Dokumenten verfügbar gemacht wurden. Darüber hinaus kam die Untersuchung zum Schluss, dass Tim Haywood möglicherweise gegen die Unterschriftenrichtlinien des Unternehmens verstossen und sein privates E-Mail-Konto für Arbeitszwecke verwendet hat. Er verletzte zudem die Richtlinien des Unternehmens für die Annahme von Geschenken und Einladungen.

Alexander Friedman, CEO von GAM, sagte: "Das Herzstück der Kontrollsysteme jedes modernen Finanzdienstleistungsunternehmens sollte aus einer Unternehmenskultur bestehen, die Mitarbeiter dazu ermutigt, sich bei Bedenken über das Verhalten von Kollegen zu Wort zu melden. Der einzige Weg, diese Kultur aufrechtzuerhalten, besteht darin, diejenigen zu schützen, die mutig genug sind, dies zu tun - aber auch diejenigen zur Verantwortung zu ziehen, die gegen die Regeln verstossen. Dies ist von zentraler Bedeutung für vertrauenswürdige Kundenbeziehungen, und wir werden in diesem Punkt keine Kompromisse eingehen. Ich bin all unseren Kunden dankbar, die sich die Zeit genommen haben, unser Vorgehen in dieser Angelegenheit nachzuvollziehen. Wir werden uns weiter voll und ganz für die Interessen unserer Kunden einsetzen."