Der seit Jahresbeginn amtierende Vorstandschef der Munich Re, Christoph Jurecka, hat eingeräumt, dass die natürliche Fluktuation bei der Erstversicherungs-Tochter Ergo „womöglich nicht reichen“ werde, um die geplanten Effizienzziele zu erreichen. Das erklärte er im Rahmen einer Veranstaltung in München am vergangenen Donnerstag.

Bei der Vorstellung der neuen Strategie „Ambition 2030“ im Dezember 2025 hatte die Konzernführung noch davon gesprochen, Stellenabbau primär über natürliche Fluktuation abwickeln zu wollen.

Abfindungen statt betriebsbedingter Kündigungen

Der Munich-Re-Chef sieht bei Ergo ein höheres Potenzial als in der Rückversicherung, Technologien wie die Künstliche Intelligenz (KI) einzusetzen. Viele Routine-Tätigkeiten in der Versicherung sollen künftig durch Automatisierung überflüssig werden, sagte er.

Man werde den Mitarbeitern Weiterbildungsangebote machen, um sie in anderen Bereichen im Unternehmen einsetzen zu können. Wo Mitarbeiter nicht weitergebildet werden könnten, seien auf freiwilliger Basis auch Abfindungen möglich. „Es muss niemand bei Ergo Angst haben, seinen Job zu verlieren“, betonte der Manager. Betriebsbedingte Kündigungen seien nicht geplant.

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Um welche Größenordnung es bei dem Stellenabbau gehen wird und welche Tätigkeiten und Standorte betroffen sein werden, wollte Ergo auf Nachfrage von DAS INVESTMENT Versicherungen nicht kommentieren.

In der Rückversicherung reicht natürliche Fluktuation

Anders sieht die Situation beim Mutterkonzern aus. In der Rückversicherung habe die natürliche Fluktuation zuletzt bei rund 10 Prozent im Jahr gelegen, erklärt Jurecka. Es gebe keinen Stellenabbau über diese hinaus. Bei freiwerdenden Stellen etwa in München werde intensiver geprüft, ob sie nachbesetzt werden und „ob nicht die ein oder andere Stelle entweder in Polen oder in Indien oder eben an noch anderen Standorten besetzt werden kann“.

Hintergrund: 600 Millionen Euro Einsparungen bis 2030

Die Personalmaßnahmen sind Teil des im Dezember vorgestellten Effizienzprogramms.   Die Munich Re will Kosten reduzieren und jährlich wiederkehrende Einsparungen bis 2030 auf etwa 600 Millionen Euro erhöhen, um inflationsbedingten Kostensteigerungen entgegenzuwirken. 2026 sollen davon bereits 200 Millionen Euro erreicht werden.

Mit der Strategie „Ambition 2030" verfolgt der Konzern ambitionierte Wachstumsziele: Die Eigenkapitalrendite soll bis Jahresende 2030 über 18 Prozent liegen, der Gewinn je Aktie soll pro Jahr um durchschnittlich mehr als 8 Prozent wachsen. Bei der Erstversicherungs-Tochter Ergo soll der Versicherungsumsatz bis 2030 auf 26 bis 30 Milliarden Euro steigen. Strategische Ziele sind dabei auch eine Überarbeitung der Produktpalette und eine stärkere Fokussierung auf digitale Vertriebskanäle.

Ein zentrales Element des Mehrjahresplans ist eine breitere geschäftliche Aufstellung. Die weniger volatilen Segmente – die Erstversicherung Ergo, die Spezialversicherung sowie die Leben-Rückversicherung – sollen künftig 60 Prozent zum Konzernergebnis beitragen. Die Schaden-Unfall-Rückversicherung soll auf 40 Prozent sinken.

Aktuell beschäftigt der Konzern insgesamt rund 43.600 Mitarbeiter.