(Quelle: DAS INVESTMENT) Die Volkswirtschaften in Osteuropa dürften auch in diesem Jahr im Durchschnitt wieder schneller wachsen als die Länder in Westeuropa. Selbst in den am stärksten entwickelten mittelosteuropäischen Ländern dürfte das der Fall sein. So sagt die Bank Austria für Ungarn ein Wirtschaftwachstum von 3,1 Prozent, für Tschechien von 4,8 Prozent und für Polen von 5,2 Prozent vorher. Die Europäische Zentralbank prognostiziert bisher für die Länder der Eurozone dagegen nur ein Wachstum von 2 Prozent.

Auch wenn diese zuversichtliche konjunkturelle Einschätzung für den Osten anhält, hat sich in den vergangenen Monaten etwas geändert: Die Börsen haben ihre zuvor jahrelang anhaltende Outperformance eingebüßt. So hat der Cece-Index, der ausschließlich hoch kapitalisierte und liquide Standardwerte aus Polen, Tschechien und Ungarn enthält, seit dem Jahreswechsel in der Spitze fast 8 Prozent nachgegeben. Gegenüber dem Ende Oktober markierten Rekordhoch beträgt das Minus sogar fast 24 Prozent. Doch das ist noch harmlos gemessen daran, was an einigen Randbörsen los ist. So ist beispielsweise der ROTX Index, der die meist gehandelten Aktien an der Bukarester Börse enthält, seit August 2007 um 38 Prozent eingebrochen. Ein Desaster stellt auch die Performance des bulgarischen BG 40 Index dar, der seit Ende Oktober 2007 um rund 40 Prozent zusammengefaltet wurde.

Doch keine Krise ohne Chance: Inzwischen gelten besonders die im Cece-Index vereinten Titel aus Polen, Tschechien und Ungarn als sehr günstig und chancenreich zugleich. So beziffert Raiffeisen Research das Kurs-Gewinn-Verhältnis für ungarische und polnische Standardwerte auf lediglich 10 für das laufende Jahre. Die Kennziffer gibt an, in welchem Verhältnis prognostizierte Unternehmensgewinne zum Aktienkurs stehen. „Die Fundamentaldaten sind stabil, und jetzt bieten sich günstige Einstiegsmöglichkeiten“, erklärt Peter Bodis von Pioneer Austria. Die Bewertungen seien auf attraktive Niveaus gefallen, zudem seien die zu erwartenden Gewinnsteigerungen höher als an den entwickelten Märkten. Die Korrekturen an den osteuropäischen Börsen führt Bodis auf Gewinnmitnahmen nach der zuletzt guten Performance zurück.

Unverkennbar ist jedoch, dass die osteuropäischen Börsen ihren Charakter als Selbstläufer verloren haben. Trotzdem lässt sich an den Märkten des Ostens noch trefflich Geld verdienen. Schließlich strotzt besonders Russland derzeit in vielerlei Hinsicht vor Kraft: das Land ist praktisch schuldenfrei, weist einen Haushaltsüberschuss und ein strammes Wachstum auf sowie enorme Devisen- und Goldreserven. Unter dem Strich sind die Börsen in Osteuropa differenzierter als in den vergangenen Jahren zu betrachten. Die in manchen Ländern viel versprechenden fundamentalen Daten kommen wohl erst dann wieder zum Tragen, wenn sich allgemein die Stimmung an den Weltbörsen gebessert hat.