Suche
in InterviewsLesedauer: 6 Minuten

Alfred Platow im Gespräch „Keine Lust auf Schlips und Nadelstreifen“

Seite 3 / 3

Und aus dieser Mixtur aus Finanzberatung und politischem Aktivismus wuchs dann Ihre Versicherungsagentur? 

Platow: Ja, ganz richtig. Im Laufe der Zeit wurde mir das Thema Steuern zu langweilig. Ich brauchte wieder einen neuen Dreh und startete 1975 mit meinem Kumpel Klaus Odenthal in einer Garage in Hilden die kollektive Versicherungsagentur Alfred & Klaus. Mehr oder weniger durch Zufall. Aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis wurden Fragen an mich herangetragen, wo man seine Sach-, Feuer-, Gebäude- oder Unfallversicherung herbekommen könnte.

Da habe ich mich dann eben gekümmert und bei der R+V Versicherung angeklopft. Und schon waren wir mittendrin. Das war der Grundstein dessen, was heute daraus erwachsen ist. Es lief damals zunächst alles über Mundpropaganda. Die alternativer angehauchten Betriebe hatten keine Lust auf schlipstragende Versicherungstypen mit Nadelstreifenanzügen.

Damit fanden Sie dann Ihren Weg ins Bürgertum: ein vernünftiger Job. Ihre Eltern müssen stolz auf Sie gewesen sein. 

Platow: Darum ging es mir nie. Langweilig wurde es ab da aber auch nicht: Ich stand auch ab 1975 mit den Behörden auf Kriegsfuß ...

Inwiefern?

Platow: Ganz besonders hanebüchen war es ja, als wir 1995 unsere erste eigene Kapitalanlagegesellschaft gründeten. Sie sollte Ökovision heißen. Das wollten die Behörden aber nicht. Deshalb mussten wir nach Luxemburg ausweichen. Dort waren wir frei in der Namenswahl.

Es ging Ihnen nicht um die steuerlichen Vorteile?

Platow: Darum ging es mir nie. Ganz im Gegenteil. Ich rege mich oft über die Steuervermeider auf, die nach Luxemburg fliehen. Mit Ökoworld sitzen wir beispielsweise auch in Hilden statt im nicht weit entfernten Monheim, wo der Gewerbesteuersatz sehr viel niedriger ist.

Ist das nicht vorgeschoben und Marketing?

Platow: Nein, nehmen wir als Beispiel Amazon. Wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter sich etwas bei Jeff Bezos bestellt und sich die Sendung zur Firma schicken lässt, wird er sie nicht erhalten. Wir nehmen Päckchen und Pakete von diesem kontroversen Unternehmen nicht an. Und wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das nicht einsehen wollen, müssen sie mit den Konsequenzen leben – das Paket geht zurück an Amazon. Da verstehe ich keinen Spaß.




Über den Interviewten:
Alfred Platow ist Vorstandsvorsitzender von Ökoworld. 1996 startete er seinen ersten Fonds unter dem Namen Ökovision. Dieser Fonds heißt mittlerweile Ökoworld Ökovision Classic. Daneben verwaltet Platow vier weitere Fonds mit nachhaltiger Investment-Philosophie.