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Keine Rente mit 70: Muhammad Yunus klagt gegen die Zentralbank

Reif für die Rente ist er noch lange nicht: Einen Tag nach seinem Rauswurf aus der Chefetage der von ihm 1976 gegründeten Grameen Bank in Bangladesch, die Kleinstkredite an die Armen vergibt, legt Muhammad Yunus Berufung gegen die Entscheidung der Zentralbank vor dem Obersten Gerichtshof des Landes ein. Eine Anhörung soll laut Medienberichten noch im Laufe des Tages stattfinden.

Die Zentralbank begründet Yunus’ Absetzung mit der Altersgrenze von 60 Jahren, die der 70-Jährige deutlich überschritten habe, sowie mit der Tatsache, dass Yunus im Jahr 2000 ohne vorherige Zustimmung der Zentralbank zum Generaldirektor der Grameen Bank ernannt wurde. Experten gehen jedoch davon aus, dass in Wirklichkeit der seit Jahren schwelende Konflikt zwischen dem politisch engagierten Wirtschaftsprofessor und der Regierung, die 25 Prozent an der Grameen Bank hält, hinter seiner Absetzung stecken. So warf die Ministerpräsidentin von Bangladesch Sheikh Hasina Yunus erst kürzlich vor, er würde zu hohe Zinsen erheben und „das Blut der armen Schuldner aussaugen“.

Die Führungsriege der Grameen Bank will laut Medienberichten Yunus als Direktor behalten. Die normale Altersgrenze gelte in Yunus’ Fall nicht, da die Bank gemäß einem Sondergesetz aus dem Jahr 1983 betrieben werde, zitiert „Welt online“ eine Stellungnahme der Grameen Bank.


Hintergrundinfo: Muhammad Yunus gilt als einer der Begründer des Mikrofinanz-Gedanken. 1976 gründete der Wirtschaftsprofessor die Grameen Bank, die Kleinstkredite an die Armen vergibt. 2006 wurde er für sein Lebenswerk mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Derzeit hat die Grameen Bank neun Millionen Schuldner, 97 Prozent davon sind Frauen. Die meisten nutzen das Geld, um ein kleines Geschäft zu gründen und so die eigene Existenz zu sichern.
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