Robert Shiller: Der US-Ökonom entwickelte die nach ihm benannte Kennzahl Shiller-KGV. | © imago images / ITAR-TASS Foto: imago images / ITAR-TASS

Finanz-Kennzahl

Ist das Shiller-KGV etwa doch aussagekräftig?

Ist das Shiller-KGV eine aussagekräftige Finanz-Kennzahl – oder eine eher akademische Größe ohne praktischen Nutzen? Dieser Frage ist Morningstar-Analyst John Rekenthaler nachgegangen.

Die Kennziffer Shiller-Kurs-Gewinn-Vehältnis, trägt ihren Namen nach dem Nobelpreisträger Robert Shiller. Während das herkömmliche Kurs-Gewinn-Verhältnis einfach den Kurs einer Aktie durch ihren Gewinn teilt, verspricht das Shiller-KGV die Einflüsse bestimmter Ausreißer-Jahre eines Wirtschaftszyklus zu glätten. Zum Beispiel sollen Überbewertungen etwa durch Spekulationsblasen ausgeblendet werden, so die Idee.

Das Shiller-KGV verwendet als Rechengrundlage den inflationsbereinigten mittleren Gewinn der jeweils vergangenen zehn Jahre. Es trägt daher auch die Bezeichnung P/E 10 ratio – wobei P und E für Price und Earnings steht. Noch ein anderer Name ist CAPE Ratio, Cyclically Adjusted Price-to-Earnings Ratio.

Rückschlüsse auf den Aktienmarkt

Wenn das Shiller-KGV beispielsweise aktuell bei 20 statt wie zwei Jahrzehnte zuvor bei 12 liege, erläutert Rekenthaler, könnten Anleger daraus den Schluss ziehen, dass Aktien überbewertet seien. Mit der Kennzahl die zukünftige Aktienmarktentwicklung vorherzusagen, klappe allerdings nur bedingt. Denn zwar sind auf die höchsten Peaks, die die Kennziffer in den Jahren 1929 und 2000 erklomm, jeweils auch deutliche Abstürze am Aktienmarkt gefolgt. Zu vielen anderen Zeiten sei der Indikator allerdings weniger zuverlässig gewesen. 

Analyst Rekenthaler erinnert an die Forschung der britischen Wissenschaftler Elroy Dimson, Paul Marsh und Mike Staunton. Und er vergleicht selbst das Shiller-KGV zwischen Februar 1970 und Dezember 1994 mit den Renditen des US-Index S&P 500 der jeweils nachfolgenden zehn Jahre. Ergebnis: Die höchsten nachfolgenden Renditen – zwischen 19 und 20 Prozent jährlich – folgten entgegen der Grundannahme gerade auf relativ hohe Shiller-KGVs. Und als das Shiller-KGV wiederum Spitzenwerte erreichte, erlebten die Aktienmärkte in der Folge mit einem Durchschnitt von 8 bis 10 Prozent auch keine ganz miese Performance.

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