Gibt es eine KI-Blase? Warum sind Anleihen das neue „Sorgenkind“? Und wie stellt sich der Concept Kaldemorgen auf? Kaldemorgen, Schmidt und Potstada zu aktuellen Entwicklungen.
Gibt es eine KI-Blase? Warum sind Anleihen das neue „Sorgenkind“? Und wie stellt sich der Concept Kaldemorgen auf? Klaus Kaldemorgen, Christoph Schmidt und Henning Potstada sprachen über die aktuellen Entwicklungen.| Bildquelle: KI-generiert
Es gibt derzeit zahlreiche geopolitische Verwerfungen – doch den Aktienmarkt scheint dies kaum zu stören. Der MSCI World liefere dieses Jahr ein auf den ersten Blick „erstaunliches Ergebnis“, wie Christoph Schmidt, Fondsmanager des DWS Concept Kaldemorgen, einordnet. Auf den zweiten Blick zeigt sich: Der enorme Investitionsboom bei Künstlicher Intelligenz stehe allen Problemen entgegen, getrieben durch Hyperscaler und das Cloud-Wachstum.
Auf der anderen Seite befänden sich die Zinsen für die US-amerikanischen Staatsanleihen nun an der „psychologisch kritischen Schwelle“ von 5 Prozent, so Schmidt. Beim DWS-Pressefrühstück in Frankfurt am Main standen entsprechend die Themen KI und Anleihen im Vordergrund - und was das alles für den „Concept Kaldemorgen“ bedeutet.
Christoph Schmidt, Klaus Kaldemorgen und Henning Potstada beim Pressefrühstück der DWS. | Bildquelle: DAS INVESTMENT / Birte Penshorn
Anleihen
Anleihen seien derzeit das „Sorgenkind“, wie Henning Potstada, globaler Leiter Multi Asset & EMEA Leiter FI, betont. Denn eigentlich sollen sie als Puffer bei Schwankungen fungieren – was sie aber zuletzt nicht getan haben. Zwar befinde man sich nicht in einer Situation wie 2022, also in keinem Zinserhöhungszyklus. Aber: Der am Markt gehandelte Zins steige. Derzeit schaue jeder auf die Entwicklung der 30-jährigen US-Staatsanleihen. Aber nicht aufgrund der Inflation, wie Potstada betont – sondern aus den folgenden drei Gründen:
Den Wettbewerb durch Unternehmensanleihen. Seit Jahresbeginn hätten die Hyperscaler bereits Anleihen im Wert von 200 Milliarden Dollar emittiert
Die Kommunikationspolitik der Fed durch Kevin Warsh, die für große Verunsicherung an den Kapitalmärkten sorge
Concept Kaldemorgen ohne US-Staatsanleihen
Das sei auch der Grund, warum der Concept Kaldemorgen derzeit keine US-Staatsanleihen mehr enthalte, sondern nur noch europäische. Bei Unternehmensanleihen sehe es anders aus, da seien solche aus den USA vertreten, wie Schmidt ausführt.
Gold bleibe weiterhin ein wichtiger Baustein, „Gegenwinde“ wie die Verkäufe der Notenbanken hätte das Edelmetall nun „verdaut“. Derzeit halten sie einen Goldanteil von 7 Prozent, nachdem dieser zwischenzeitlich bei der Maximalhöhe von 10 Prozent lag.
Den Schwerpunkt innerhalb des Bereichs KI haben sie von den Ausrüstern hin zu den Hyperscalern verlagert. Insgesamt hätten sie den Anteil an KI-Titeln aber seit Maizurückgefahren, so Schmidt, auf circa ein Drittel des Aktienanteils, nachdem er zuvorbei 40 Prozent gelegen habe.
Schmidt betont: „KI darf in Portfolios nicht zum Klumpenrisiko werden.“ Daher hätten sie defensive und zyklische Sektoren als Gegengewicht, was gut funktioniert habe - auch bei der Korrektur der Halbleitertitel Mitte/Ende Juni, da zum Beispiel der Healthcare-Sektor seitdem zugelegt habe. Der Anteil an US-Aktien liegt nun bei 15 Prozent, Aktien aus der Eurozone machen 20 Prozent aus. Mit weiteren Titeln aus unter anderem UK, Südkorea oder Taiwan würden sie so auf einen Gesamt-Aktienanteil von 43 Prozent kommen.
Künstliche Intelligenz: Blase – ja oder nein?
Der Grund für diese Reduzierung ist ihre Einschätzung der Entwicklung bei Künstlicher Intelligenz. Blähen sich die Bewertungen im Bereich KI derzeit zu einer Blase auf – ja oder nein? Und falls ja: Kommt es dadurch zu einer großen Finanzkrise? Die Angst davor kommt aus Sicht von Klaus Kaldemorgen daher, dass unklar sei, ob sich die Ausgaben im Bereich KI-Infrastruktur, also Datencenter und Energieversorgung für Rechenkapazitäten, wirklich rechnen können und werden. Oder ob bereits zu viel in diese Richtung investiert werde.
„Die Infrastrukturausgaben folgen einem Schweinezyklus“, so Kaldemorgen. Das könne zu Verwerfungen führen. „Der kritische Punkt ist dabei aber nicht KI an sich, sondern sind die Ausgaben für Datencenter, da niemand weiß, ob diese in dieser Menge benötigt werden und ob sich das Angebot final rechnen wird.“ Er geht allerdings davon aus, dass es noch einige Zeit dauern werde, bis der Markt in diese Richtung gesättigt sei und die Auswirkungen spürbar werden. „Aber irgendjemand wird Geld verdienen müssen.“
Das werde aus seiner Sicht durch Produktivitätsfortschritte der Nutzer der KI und die Hyperscaler erfolgen. Aber bis dies sichtbar werde, würden noch einige Jahre vergehen, ist sich Kaldemorgen sicher – derzeit werde vom Jahr 2032 ausgegangen. „Die Ausgaben für Datencenter aber werden schon deutlich vorher zurückgehen.“ Die Frage sei nur: In einem, zwei oder mehr Jahren?
Sein Fazit: es wird einen Einbruch innerhalb dieser Branche geben – aber keine Wirtschaftskrise. Die Geschäftsmodelle der großen Hyperscaler würden genug Wachstum und Gewinne aus ihrem Angebot bieten. Zudem sei die Profitabilität der Banken seit der Finanzkrise deutlich besser geworden und sie würden mehr Eigenkapital vorhalten. Aber es müsse mit mehr Volatilität an den Märkten gerechnet und entsprechende Vorsorge getroffen werden – was sie getan hätten.
Wichtig aus seiner Sicht: Nicht nervös werden und in Panik geraten. „Global hat der Aktienmarkt seit 2005 ein jährliches Wachstum von 10 Prozent erwirtschaftet.“ Wenn man zum falschen Zeitpunkt aussteige, lasse man einiges liegen.
Schmidt ergänzt: Die Finanzierung der KI erfolge nicht auf Pump. Für 2026 oder 2027 seien außerdem noch keine Überkapazitäten bei KI zu befürchten. Die Frage sei aus seiner Sicht, wann die Investitionen in diesem Bereich ein Plateau erreichen, sie sich also einpendeln. Denn: „Es geht nicht darum, dass sie komplett abbrechen.“
Und wie sieht es mit China als Konkurrenten zum US-Markt aus? Bei den Chipherstellern und Large Language Models würde China definitiv aufholen, so Schmidt. Das Angebot fächere sich aber aus seiner Sicht dadurch einfach weiter auf. Die Nachfrage sei aber weiterhin groß genug, das Wachstum der Hyperscaler dadurch nicht gebremst.
„China macht dem Westen in allen Bereichen Konkurrenz“, ergänzt Kaldemorgen. Aber die Frage sei: „Ist der Westen bereit, diese Modelle bei sich hereinzulassen?“ Auch als Investitionsmöglichkeit sieht er diese Firmen eher skeptisch. „Konkurrenz ja – da sie auch ihren eigenen Markt damit besetzen. Aber alles andere müssen wir dann mal sehen.“
Birte Penshorn ist seit September 2023 Redakteurin bei DAS INVESTMENT. Zuvor war sie zuletzt Chefredakteurin eines B2B-Wirtschaftsmagazins für die Bauwirtschaft.
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