Von Chips und Leistung bis hin zu Modellen und industrieller Nutzung sind verschiedene Länder weltweit so positioniert, dass sie in den einzelnen Schichten des KI-Stacks – also von der Hardware über Rechenleistung und Algorithmen bis hin zu industrieller Anwendung – erheblichen Wert erzielen können.
US-Unternehmen führen nach wie vor beim Kapitaleinsatz und der Produktion von KI-Modellen, doch ein Vorsprung in der künstlichen Intelligenz lässt sich nicht auf einen einzigen Spitzenreiter reduzieren. 2024 flossen 109 Milliarden US-Dollar in private KI-Investitionen in den USA – deutlich mehr als in China und Großbritannien, die auf den Plätzen zwei und drei lagen.1
Gleichzeitig verschiebt sich die Wertschöpfung von der reinen Modellerstellung hin zu Hardwareproduktion und praktischer Anwendung in Unternehmen. Dadurch profitieren zunehmend auch Firmen außerhalb der USA, die über globale Lieferketten, industrielle Systeme und den Einsatz von KI in der Realwirtschaft verfügen. Diese Entwicklung verändert maßgeblich die Perspektive von Investoren auf globale Aktienmärkte.
Grafik: Jenseits der USA – Länder mit der stärksten KI-Dynamik weltweit (gewichteter Indexwert)
China: KI-Infrastruktur, Fertigung und Plattformen im Fokus
Chinas Stärke im KI-Bereich liegt weniger in proprietären Spitzenmodellen, sondern in der Größe des Marktes, Investitionen in Infrastruktur und der Anwendung über digitale Plattformen und in der Fertigung. Während US-Unternehmen nach wie vor führend in Forschung und Kapital sind, verfolgt China ein kosteneffizientes, Open-Source- und praxisorientiertes Modell, etwa durch Firmen wie DeepSeek, die große Sprachmodelle mit deutlich geringeren Trainingskosten entwickeln.
Dieser Ansatz senkt die Einstiegshürden und beschleunigt die KI-Nutzung in Unternehmen. Große chinesische Internet- und Digitalunternehmen starten derzeit einen mehrjährigen Investitionszyklus, der bis 2027 über 78 Milliarden US-Dollar in KI-Infrastruktur, Rechenzentren und Cloud-Kapazitäten fließen lassen soll.2 Die jährlichen Investitionen steigen voraussichtlich kontinuierlich – ein Zeichen für eine dauerhafte Skalierung der Rechenleistung, nicht nur einmalige Ausgaben.
Chinas KI-Strategie ist eng mit der Modernisierung der Fertigung verknüpft. Nationale Programme fördern intelligente Fabriken, Robotik und Lieferkettenoptimierung, um Produktivität zu steigern, Arbeitsintensität zu senken und die globale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Deshalb spielen Industrie-, Material- und Hardwaretechnologien eine zentrale Rolle im chinesischen KI-Engagement.
Vergleichbare Initiativen in Ländern wie Großbritannien, Deutschland oder Indien zeigen unterschiedliche Schwerpunkte – von industrieller Automatisierung über digitale öffentliche Infrastruktur bis zu Rechenleistungsausbau. Chinas Investitionsvolumen unterstreicht jedoch die Langfristigkeit und Breite seines KI-Ökosystems, das stark mit Infrastrukturprojekten und Aktienmärkten in Asien verbunden ist.
Die strategische Macht der taiwanesischen Halbleiter
Taiwan spielt eine Schlüsselrolle bei der KI-Rechenleistung: Vpn hier kommen rund 90 Prozent der weltweit fortschrittlichsten Logikchips. Diese Konzentration macht Taiwan zu einem strategisch wichtigen Standort: Der „Silizium-Schutzschild“ – also die zentrale Bedeutung für die Chipproduktion – stärkt die wirtschaftliche, technologische und militärische Position des Landes.
Obwohl taiwanesische Hersteller ihre Produktionskapazitäten in den USA und anderen Regionen ausgebaut haben, wird es voraussichtlich noch viele Jahre dauern, bis das gesamte Know-how und die Komplexität des taiwanesischen Halbleiter-Ökosystems reproduziert werden können. Die Fertigung moderner Chips hängt nicht nur von Fabriken ab, sondern auch von einem dichten Netzwerk spezialisierter Zulieferer, erfahrenen Ingenieuren, fortschrittlicher Verpackungstechnologie und schnellen Produktionslernzyklen.
Diese komplexe Tiefe des Ökosystems lässt sich nur schwer nachbilden, was Taiwans Wettbewerbsvorteil angesichts der steigenden Nachfrage nach Hochleistungsrechnern für KI-Anwendungen weiter stärkt.
Vom Speicherchip zur intelligenten Industrie: Südkoreas Erfolgsmodell
Der südkoreanische Chip-Sektor spielt eine Schlüsselrolle für KI-Hardware und ist weltweit führend bei dynamischen Direktzugriffsspeichern, einschließlich solcher mit hoher Bandbreite, sowie bei NAND-Flash-Speichern. Mit dem zunehmenden KI-Ausbau wächst die Nachfrage nach leistungsstärkeren Speicherkonfigurationen – ein Trend, von dem der südkoreanische Technologiesektor klar profitiert.
Südkorea zeigt zudem, dass ein Vorsprung in der KI nicht unbedingt bedeutet, die größten globalen Modelle zu entwickeln. Vielmehr setzen lokale Unternehmen auf lokalisierte und branchenspezifische KI-Systeme, insbesondere für nicht-englische Sprachen und regionale Anwendungsfälle in Unternehmen.
1. Quelle: Artificial Intelligence Index Report 2025
2. Quelle: Bloomberg Intelligence, 9. Februar 2026
Ende 2025 stieg Südkorea um sieben Plätze in der globalen KI-Verbreitungsrangliste, getrieben durch die verstärkte Nutzung von KI am Arbeitsplatz und den Ausbau digitaler Kompetenzen. Laut einem Bericht des AI Economy Institute gehören die beiden größten Sektoren Südkoreas – Technologie und Industrie – zu den weltweit führenden, wenn es um die schnelle Integration von KI-Tools geht.3
Südkoreas Potenzial im Bereich künstlicher Intelligenz zeigt sich zunehmend aber nicht nur in der Softwarebranche, sondern auch in der Schwerindustrie. Ende 2025 kündigte ein großer koreanischer Industriekonzern an, dass KI- und Big-Data-Systeme in den Arbeitsablauf von Werften integriert werden – von Design und Planung bis zur Produktion. Ziel ist es, vollständig vernetzte „intelligente Werften“ zu schaffen, die Produktionsprozesse besser prognostizieren und optimieren können.
Der größte Schiffbauer des Landes nutzt bereits digitale Zwillinge physischer Anlagen und baut diese Systeme zu durchgängigen, KI-gestützten Produktionsplattformen aus. Bis 2030 soll eine intelligente, autonome Werft in Betrieb genommen werden, die die Produktivität um etwa 30 Prozent steigert und die Bauzeiten ähnlich deutlich verkürzt.
Diese Initiativen sollen nicht nur den Arbeitskräftemangel im Schiffbau abmildern, sondern auch die Wettbewerbsposition Südkoreas gegenüber China stärken. Für Investoren zeigt sich: Im Bereich KI zählt in Südkorea vor allem der taktische Einsatz, nicht die Größe oder Dominanz.
Japan: Industrielle KI und Produktivitätssteigerung
Japans Stärke im Bereich künstlicher Intelligenz beruht weniger auf hohen Kapitalinvestitionen, sondern auf praktischer Anwendung in der Industrie, effizienter Umsetzung und klarer politischer Ausrichtung. Diese Position hat sich nach dem überzeugenden Wahlsieg von Premierministerin Sanae Takaichi weiter gefestigt. Die Märkte sehen darin ein starkes Mandat für Strukturreformen und langfristige Wachstumsinitiativen. Anhand der starken Nettozuflüsse in Japan-Fonds seit Jahresbeginn spiegelt die erste Anlegerreaktion den Optimismus wider, dass eine klarere Führung und politische Kontinuität die Umsetzung in Bereichen wie KI, fortschrittlicher Fertigung und Halbleitern beschleunigen könnte.
Obwohl Japan im Vergleich zu anderen Ländern nicht zu den Staaten mit den höchsten KI-Ausgaben zählt, rangiert es im AI Vibrancy Ranking der Stanford University konstant unter den weltweit führenden KI-Volkswirtschaften. Das zeigt die Stärke des Landes in Forschung, Infrastruktur und der Anwendung im privaten Sektor. Unter Takaichis Führung hat die Regierung den ersten nationalen KI-Plan verabschiedet, der über fünf Jahre rund 6,3 Milliarden US-Dollar bereitstellt, um grundlegende KI-Kompetenzen zu fördern, Robotik zu integrieren und industrielle Anwendungen auszubauen. Der Fokus liegt dabei nicht auf Spitzenmodellen, sondern auf der Integration von KI in bereits zentralen Wirtschaftszweigen.
Gleichzeitig verfolgt Japan eine Strategie, um seine Führungsrolle bei Halbleitern in kritischen Bereichen der Wertschöpfungskette zurückzugewinnen. Initiativen wie Rapidus sollen noch in diesem Jahrzehnt die Produktion von 2-Nanometer-Chips ermöglichen, während Japan seine weltweite Stärke bei Halbleitermaterialien, Wafern, Testgeräten und Präzisionsfertigungsmitteln behält – unverzichtbare Grundlagen für moderne Chips. Diese Tiefe des Ökosystems unterstreicht Japans strategische Bedeutung innerhalb der globalen Lieferketten für KI-Hardware. Damit ist das Land nicht nur Produktionsstandort, sondern auch wichtiger Lieferant der Werkzeuge und Materialien, auf die jede fortschrittliche Fabrik angewiesen ist.
Für Investoren ist das relevant, da der japanische Aktienmarkt stark auf Industrieunternehmen (rund 28 Prozent), Finanzunternehmen (16 Prozent), zyklischen Konsum (14 Prozent) und Technologieunternehmen (14 Prozent) fokussiert ist. Diese Zusammensetzung zeigt eine Wirtschaft, die auf tief verwurzelter Fertigungskompetenz und Kapitaldisziplin basiert. Nur wenige Länder sind so vertraut mit der Integration von Robotik in Industrie und Alltag, was prägt, wie KI in Japan eingesetzt und skaliert wird.
Brasilien und Saudi-Arabien: Energieüberfluss als Vorteil für die KI-Infrastruktur
Brasiliens Engagement im Bereich künstlicher Intelligenz geht über Rohstoffe hinaus. Das Land zählt zu den Staaten mit dem saubersten Energiemix weltweit: Rund 90 Prozent des Stroms stammen aus erneuerbaren Quellen. Dieser Vorteil wird für KI-Infrastrukturen immer wichtiger, da Stromkosten und Versorgungssicherheit die Wirtschaftlichkeit von Rechenzentren direkt beeinflussen.
Zudem hat sich Brasilien zu einem wichtigen KI-Zentrum in Lateinamerika entwickelt. Mit mehr als 7.000 Kilometern Küstenlinie verfügt das Land über direkten Zugang zu zentralen Unterseekabeln, die Amerika, Europa und Afrika verbinden – ein struktureller Vorteil angesichts stetig wachsender Datenmengen und zunehmenden grenzüberschreitenden Datenverkehrs. Für Investoren zählt in Brasilien weniger die Spitzenforschung, sondern die Infrastruktur: saubere Energie, Konnektivität und ein wachsendes digitales Ökosystem, das den regionalen Einsatz von KI unterstützt.
Saudi-Arabien verfolgt eine der ehrgeizigsten staatlich gelenkten KI-Strategien außerhalb der USA und Chinas. Im Rahmen der Vision 2030 nutzt das Land seine kostengünstige Energie, Kapital und Flächenressourcen, um sich als regionaler Knotenpunkt für KI-Infrastruktur und Rechenkapazität zu positionieren. Allein 2025 plant die Regierung Investitionen von fast 15 Milliarden US-Dollar in KI und digitale Transformation, mit Fokus auf Rechenzentren, Cloud-Ausbau und Kommerzialisierung von KI.
Für Investoren liegt der Wert Saudi-Arabiens nicht nur darin, KI-Endnutzer zu sein, sondern ein Anbieter von grundlegender Infrastruktur – Strom, Rechenzentren und digitale Konnektivität – zu werden.
Insgesamt zeigt sich, dass KI zunehmend geografisch verteilt und mehrschichtig aufgebaut wird – von Halbleitern über Energie und Automatisierung bis zur digitalen Infrastruktur. Da sich die Ausgaben von der Modellentwicklung hin zur praktischen Umsetzung verlagern, profitieren immer mehr Regionen und Unternehmen – und eröffnen Anlegern neue Investitionschancen weltweit.
3. Quelle: „Global AI Adoption in 2025—A Widening Digital Divide.” Microsoft: AI Economy Institute. 8. Januar 2026.
4. Quelle: Bloomberg, Stand Februar 2026. Der MSCI Japan Index misst die Wertentwicklung der Large- und Mid-Cap-Segmente des japanischen Marktes. Mit 183 Komponenten deckt der Index etwa 85 % der frei handelbaren Marktkapitalisierung in Japan ab. Der FTSE Japan RIC Capped Index spiegelt die Wertentwicklung japanischer Large- und Mid-Cap-Aktien wider. Die Wertpapiere werden auf Basis ihrer frei handelbaren Marktkapitalisierung gewichtet und halbjährlich überprüft. Indizes werden nicht verwaltet, und es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Wichtige Hinweise und Bedingungen für Datenanbieter finden Sie unter www.franklintempletondatasources.com.
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