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KI im Fondsmanagement Schneller und smart

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Einen Schritt weiter will Hendrik Leber gehen. Neben dem Acatis Global Value Total Return (DE000A1JGBX4), bei dem ebenfalls ein Fondsmanager lenkt und die KI auf dem Beifahrersitz Platz nehmen muss, hat der Gründer der Frankfurter Fondsgesellschaft Acatis zwei Fondsstrategien im Programm, die eine KI steuert. Im Mai 2018 erblickte der Acatis AI Buzz US Equities (DE000A2JF683) das Licht der Fondswelt, der auf unkonventionel-lem Weg aussichtsreiche US-Aktien sucht. Ein schlaues Programm durchforstet Online-Beiträge zu Wertpapieren.

Auf der Quellenliste stehen Social-Media-Plattformen, Nachrichtenportale, Finanzblogs und Diskussionsforen. Die Analysetechnik läuft unter dem Namen Natural Language Processing. Die Fülle an Meinungen wertet das Programm so aus, dass es die Aktien identifizieren kann, für die Investoren am zuversichtlichsten gestimmt sind. Damit es aber überhaupt hinreichend Beiträge gibt, müssen die rund 350 Titel im Anlageuniversum wenigstens einen Börsenwert von 4,5 Milliarden Euro aufweisen. Monatlich angepasst soll der Fonds so stets in die Top 75 der aus Anlegersicht vielversprechendsten Unternehmen investieren.

Hendrik Leber, Acatis
Foto: Acatis Investment

Acatis-Boss Leber forscht schon seit Jahren an KI, um sie für das Portfoliomanagement nutzbar zu machen. Den Anfang bildeten Programme zur Textanalyse, die etwa einen Geschäftsbericht nach bestimmten Schlüsselwörtern durchsuchen konnten. Inzwischen arbeitet seine Fondsschmiede zuvorderst mit einem Ansatz des maschinellen Lernens, den sogenannten Deep-Learning-Modellen. Diese Art der KI sei vergleichbar mit einem guten Analysten, der über langjährige Erfahrung verfüge, erklärt Leber. Im Lauf der Zeit entwickle er dann ein Gespür für Muster in den Zahlen und Bilanzen von Unternehmen: „So arbeiten auch Deep-Learning-Modelle. Sie lernen, selbstständig Bilanzmuster zu erkennen, die sie dann auf neue Daten anwenden können.“ Je mehr Daten das System zur Verfügung hat, desto besser kann es lernen, neue Sachverhalte schnell und richtig einzuordnen.

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Für den KI-Vorreiter, der mit großer Begeisterung von seinen aufwendigen Computer-Experimenten berichtet, hat moderne Informationstechnologie zwei entscheidende Vorteile gegenüber Menschen: Sie verfügt über eine viel größere Kapazität und arbeitet losgelöst von Emotionen. „Das System kann auch Muster finden, die der Mensch gar nicht erkennen würde. Zudem entscheidet das System strikt nach selbst generierten Regeln, wodurch alles Emotionale außen vor bleibt“, so Leber.

Zum Einsatz kommt das Handelsprogramm der Zukunft beim Acatis AI Global Equities (DE000A2DR2L2). Kollege Computer verfolgt dort eine klassische Value-Strategie, soll also ein Portfolio aus besonders günstig bewerteten Aktien zusammenstellen. „Die KI übernimmt zu 100 Prozent die Position des menschlichen Portfoliomanagers. Das selbstlernende und adaptive Deep-Learning-Modell bestimmt sowohl Aktienauswahl als auch Gewichtung“, berichtet Leber. Basis der Analysen sei die umfangreiche Unternehmensdatenbank, die Acatis seit 15 Jahre aufbaue. Als jüngster Evolutionsschritt kam mit einem grafischen neuronalen Netz ein neuer Modelltyp zum Einsatz, der beim Mustererkennen besser abschneiden soll. Der Entwicklungsprozess der Fondsstrategie befindet sich damit aber noch keineswegs auf der Zielgeraden, wie der Acatis-Boss betont. Auf Jahressicht liegt die Rendite mit minus 9,5 Prozent deutlich hinter der Vergleichsgruppe internationaler Aktienfonds, die ein hauchdünnes Plus erzielte.

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