Das Ausmaß der geplanten Investitionen in Rechenzentren ist inzwischen gut bekannt – im Grunde gilt: koste es, was es wolle. Die Schätzungen variieren, doch in den kommenden Jahren dürften die Ausgaben eher in Billionen als in Milliarden US-Dollar gemessen werden.1

Gregory Turnbull Schwartz,
Columbia Threadneedle Investments

Ein Großteil dieses Kapitals wird von Hyperscalern wie Apple, Google, Oracle und Amazon bereitgestellt. Von dort fließt es in eine weit größere Gruppe von Unternehmen, die die physische Infrastruktur für den Bau und Betrieb von Rechenzentren liefern: Heizungs-, Lüftungs- und Klimasysteme (HVAC), elektrische Komponenten, Anlagen zur Stromerzeugung sowie weitere unverzichtbare industrielle Vorprodukte.

Für Credit-Anleger ergibt sich daraus ein wichtiger Unterschied. Die Unternehmen, die den Ausbau der Rechenzentren finanzieren, sind nicht die einzigen, die davon betroffen sind. Viele der Zulieferer von Komponenten sind ebenfalls an den globalen Kreditmärkten vertreten – und in einigen Fällen auch in unseren Portfolios. Daher ist es für den Portfolioaufbau und die Titelauswahl unmittelbar relevant zu beurteilen, ob der Boom bei Rechenzentren ihren Geschäftsmix, die Planbarkeit der Cashflows und ihre Kreditqualität verbessert – oder ob er vielmehr eine neue Quelle zyklischer Risiken und von Kunden-Konzentrationsrisiken schafft.

Wer trägt das Abwärtsrisiko?

Die entscheidende Frage lautet, was passiert, wenn sich der Boom als weniger robust erweist als erwartet. Bleibt die Nachfrage hinter den Erwartungen zurück oder kommt es zu einem bedeutenden, unerwarteten Technologiesprung, könnten die Hyperscaler auf wertlosen Vermögenswerten („Stranded Assets“), Abschreibungen und einem Verlust an Glaubwürdigkeit sitzen bleiben.

Gilt das jedoch auch für die diversifizierten Hersteller, die die Infrastruktur für den Ausbau geliefert haben? Würden HVAC-(Heizungs-, Lüftungs- und Klimatisierungs-)Unternehmen wie Carrier oder Johnson Controls unter nennenswerten Belastungen ihrer Kreditqualität leiden? Wären Anbieter elektrischer Komponenten wie Eaton oder Schneider Electric von einer deutlichen Verschlechterung ihrer Fundamentaldaten betroffen?

Und würde Caterpillar, das aufgrund seiner Rolle als Anbieter von Stromerzeugungsanlagen für Rechenzentren Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, zu einem Verlierer aus Sicht von Kreditanlegern werden?

Ein Vergleich der Investitionsvolumina und des freien Cashflows nach Investitionen hilft bei der Beurteilung. Caterpillar dürfte unter diesen Herstellern die ambitioniertesten investitionsbezogenen Pläne im Zusammenhang mit Rechenzentren verfolgen. Die erwarteten Investitionsausgaben für 2026 belaufen sich auf rund 3,5 Milliarden US-Dollar – ein Anstieg um 1,2 Milliarden US-Dollar gegenüber dem Vorjahr, von denen ein Großteil wahrscheinlich auf Rechenzentren entfällt. Dem stand im Jahr 2025 ein freier Cashflow von 9,7 Milliarden US-Dollar gegenüber. Zum Vergleich: Amazons Investitionsausgaben beliefen sich in den zwölf Monaten bis März 2026 auf 151 Milliarden US-Dollar – rund 50 Milliarden US-Dollar mehr als 2025 –, während sich der freie Cashflow im selben Zeitraum von plus 7,7 Milliarden US-Dollar auf minus 2,5 Milliarden US-Dollar verschlechterte.

Dieser Unterschied ist aufschlussreich. Für die Hyperscaler stellen Investitionen in Rechenzentren ein beträchtliches strategisches und finanzielles Engagement dar – mit anderen Worten: einen erheblichen Mittelabfluss. Für die diversifizierten Hersteller ist das Geschäft mit Rechenzentren dagegen nur ein vergleichsweise kleiner Teil ihres Gesamtgeschäfts und zugleich eine Einnahmequelle. Solange diese Unternehmen nicht übermäßig von Rechenzentren abhängig werden, dürfte sich das positiv auf ihre Kreditqualität auswirken.

Diese diversifizierten Hersteller werden traditionell als Unternehmen betrachtet, deren zukünftige Umsätze und Cash-Conversion weniger gut absehbar sind als beispielsweise bei einem Rüstungsunternehmen mit einem langfristigen staatlichen Auftrag. Unter sonst gleichen Bedingungen kann diese geringere Transparenz die Kreditqualität belasten, da Managementteams – ebenso wie Investoren – weniger Sicherheit hinsichtlich zukünftiger Erträge und Cashflows haben. Rechenzentren unterscheiden sich jedoch: Sie verfügen über vergleichsweise lange Planungs- und Bauzeiträume, benötigen kritische Komponenten und schaffen eine Nachfrage, die langfristig besser vorhersehbar und vergleichsweise sicher ist.

Das Ergebnis könnte eine langfristige Verbesserung der Geschäftsqualität von HVAC- und Elektronikzulieferern sein. Die Chancen im Bereich Rechenzentren könnten eine bessere Umsatzvisibilität und eine sinnvolle Diversifizierung ermöglichen – vorausgesetzt, sie sind nicht vollständig mit den bestehenden zyklischen Geschäftsbereichen dieser Unternehmen korreliert. Letzteres sollte die Kreditfundamentaldaten positiv unterstützen.

Vorsicht vor versteckten Konzentrationsrisiken

Der wichtigste Vorbehalt betrifft das Konzentrationsrisiko. Selbst wenn die verschiedenen Rechenzentrumsprojekte unterschiedliche Namen tragen, könnte die letztendliche Nachfragequelle weiterhin dieselbe kleine Gruppe von Hyperscalern sein. Während ein Umsatzanteil aus Rechenzentren von 10 bis 30 Prozent für einen Hersteller möglicherweise noch akzeptabel ist, wäre ein Anstieg auf über 30 Prozent genauer zu prüfen. Investoren müssten sicherstellen, dass sie nicht faktisch Rechenzentrum-Anleihen besitzen, die lediglich als HVAC-Anleihen getarnt sind.

Daher beobachten wir die Investitionsausgaben dieser Nicht-Technologieunternehmen mit Engagements im Bereich Rechenzentren weiterhin genau. Sollte ein steigendes Investitionsniveau die damit verbundenen Kreditkennzahlen – beispielsweise den freien Cashflow im Verhältnis zur Nettoverschuldung – belasten, müsste die Annahme, dass diese Unternehmen „sicher“ sind, erneut überprüft werden. Derzeit liegt die sichtbarste Belastung des freien Cashflows jedoch bei den Unternehmen, die den Ausbau der Rechenzentren finanzieren, und nicht bei den diversifizierten Herstellern, die diesen Ausbau unterstützen.

Fazit

Sollte sich der Boom bei Rechenzentren letztlich als überzogen erweisen, könnten Hyperscaler mit nicht mehr nutzbaren Vermögenswerten („Stranded Assets“), bilanziellen Abschreibungen und Reputationsschäden konfrontiert werden. Ihre Kerngeschäfte dürften jedoch weiterhin robuste Cashflows generieren. Für HVAC- und Elektronikunternehmen scheint das fundamentale Abwärtsrisiko hingegen auf verkraftbare Umsatzanpassungen begrenzt zu sein.

Vor diesem Hintergrund erscheint der Ausbau von Rechenzentren als ein deutlich positiverer Faktor für die Kreditqualität diversifizierter Hersteller als für jene Unternehmen, die die größten direkten Investitionen in diesen Ausbau tätigen.

1 Industrial Info Resources, „Capital Investments in Data Centers Continue to Soar“, 6. Mai 2026