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Innovation als Chance „Durch künstliche Intelligenz steht die Weltwirtschaft vor Umwälzungen“

Rechner im Höchstleistungsrechenzentrum der Universität Stuttgart
Rechner im Höchstleistungsrechenzentrum der Universität Stuttgart: Rechenzentren dürften in den kommenden fünf Jahren ihre Ausgaben für spezielle KI-Server von heute 20 Prozent des Gesamtbudgets auf 45 Prozent steigern. | Foto: Imago Images / Arnulf Hettrich
Tony Kim, Leiter Portfoliomanagement

In den vergangenen Jahrzehnten brachte der Technologiesektor immer wieder Innovationen hervor, die die moderne Gesellschaft maßgeblich geprägt haben. So fanden in den 1980er-Jahren die ersten Personalcomputer ihren Weg in die Haushalte. In den 1990ern betraten die Nutzer mit ihnen erstmals die Weiten des Internets. Zu Beginn des neuen Jahrtausends begann der Siegeszug der Smartphones und mit ihnen der mobile Zugriff auf das Internet. In den 2010er-Jahren schließlich verlieh das Cloud Computing all diesen Innovationen neuen Schub und führte zu einem exponentiellen Wachstum der weltweit generierten Datenmenge. Diese Transformationen haben nicht nur die Welt grundlegend verändert, sondern gigantische Werte geschaffen und die Tech-Branche zum größten Wirtschaftssektor gemacht.

Wir sind davon überzeugt, dass wir heute am Beginn der nächsten Zeitenwende stehen, angestoßen durch eine neue transformative Technologie, die generative künstliche Intelligenz (KI). Fortschritte bei Rechenleistung, Big Data und maschinellem Lernen haben der KI zu einem Durchbruch verholfen, der einen entscheidenden Punkt in der Technologiegeschichte markiert.

Weltwirtschaft vor grundlegenden Änderungen

Die Fähigkeiten der fortschrittlichsten KI-Modelle übersteigen alles, was noch vor einem Jahr vorstellbar war. So bestand der im März 2023 veröffentlichte OpenAI-Chatbot GPT-4 nicht nur die US-Zulassungsprüfung (Uniform Bar Examination) für Anwälte, sondern schnitt dabei sogar besser ab als 90 Prozent der menschlichen Prüflinge, wie der Economist berichtete. Angesichts dieser Entwicklung dürften nach einer Analyse von Goldman Sachs 44 Prozent der juristischen Fachkräfte durch KI betroffen sein.

Diese rasanten Fortschritte bei der generativen KI können nicht nur den Technologiesektor, sondern die Wirtschaft als Ganzes grundlegend umgestalten. Dabei sind Wissensarbeiter stärker durch diese Disruption gefährdet als Arbeitnehmer in Berufen mit manueller Tätigkeit.

Generative KI steht weltweit im Fokus des Interesses und wird die Weltwirtschaft sehr wahrscheinlich in den kommenden Jahren grundlegend verändern. Laut einer aktuellen KPMG-Studie gehen 77 Prozent der globalen Führungskräfte davon aus, dass generative KI in den nächsten drei bis fünf Jahren einen größeren Einfluss auf die Gesellschaft haben wird als jede andere neue Technologie. Dabei stehen wir erst am Anfang dieser Entwicklung. So hatten im März 2023 zwar 58 Prozent der erwachsenen US-Bürger von ChatGPT gehört, aber nur 14 Prozent hatten den Chatbot selbst ausprobiert, ergab eine Umfrage des Pew Research Center.

Wir sind davon überzeugt, dass generative KI – ähnlich wie vor ihr der PC, das Internet und das Smartphone – in den nächsten Jahren ein fester Bestandteil unseres Alltags werden wird. Die größten Profiteure des aktuellen KI-Booms sind Tech-Giganten, die die Halbleiter und Supercomputer bereitstellen, mit denen generative KI-Modelle trainiert und ausgeführt werden. Wir glauben jedoch auch, dass wir uns erst in der Frühphase eines längerfristigen Megatrends befinden, dessen Wertschöpfungspotenzial weit über die großen Anbieter von KI-Infrastrukturkomponenten hinausgeht.

Bei den Unternehmen, die mit KI arbeiten, erwarten wir eine Leistungssteigerung in den kommenden Jahren. Dabei steht und fällt der Erfolg mit der Fähigkeit des Managements, belastbare KI-Strategien zu entwickeln. Wer zu den Gewinnern gehören will, muss seinen Weg durch ein extrem dynamisches Umfeld finden und sich immer wieder neu anpassen. Unternehmen, die künstliche Intelligenz erfolgreich in ihren operativen und strategischen Rahmen einbinden, können sich bedeutende Vorteile vor Wettbewerbern sichern, denen dies weniger gut gelingt.

Generative KI hat einen großen Technologie-Bedarf

In der Informationstechnologie wird der Bedarf an Software- und Hardwarekomponenten, die zusammenwirken, um bestimmte Aufgaben oder Funktionen durchzuführen, als „Stack“ bezeichnet. Generative KI benötigt einen anderen „Stack“ als bisherige Technologien. Um ihr ganzes Potenzial zu nutzen, braucht es eine grundsätzlich anders gestaltete IT-Infrastruktur, innovative Methoden der Datenverarbeitung und neuartige Anwendungen.

 

An der Basis der physischen Infrastruktur für Training und Inferenz stehen Halbleiter und Supercomputer. Beim Training lernen generative KI-Modelle aus gigantischen Datenmengen. Ergebnisse werden dann anhand von logischen Schlussfolgerungen beziehungsweise durch Inferenz generiert. Aktuell liegt der Schwerpunkt der Investitionen auf dem Aufbau der Infrastruktur, die für das Training erforderlich ist. Hierfür werden erhebliche Kapazitäten an Grafikprozessoren mit hoher Rechenleistung (GPU) benötigt, die in Rechenzentren mit Supercomputern zum Einsatz kommen. Das erklärt, warum eine Handvoll von Tech-Riesen, die den GPU- und Cloud-Service-Markt dominieren, zu den Nutznießern der ersten Stunde zählen.

Mit zunehmender Nutzung der generativen KI und deren Einbindung in unternehmerische Abläufe dürfte sich der Fokus auf die Infrastruktur verlagern, die für die Inferenz benötigt wird. Verglichen mit dem Markt für Computerchips und Hardware, die das Training ermöglichen, stellt sich der Inferenz-Markt sehr viel komplexer und wettbewerbsintensiver dar. Insgesamt erfordert der Aufbau der physischen Infrastruktur für generative KI-Modelle enorme Investitionen. Nach Prognosen der Marktforscher von Dell’Oro werden Rechenzentren in den kommenden fünf Jahren ihre Ausgaben für spezielle KI-Server von heute 20 Prozent des Gesamtbudgets auf 45 Prozent steigern.

Über der physischen Infrastruktur liegen die sogenannten KI-Basismodelle. Derzeit findet ein Wettrennen um die größten, besten und kostengünstigsten Modelle statt. Entwickler von Closed-Source-Modellen konkurrieren hier miteinander und mit ihren Wettbewerbern aus der Open-Source-Community. Zudem gibt es vertikale generative KI-Modelle, die mit branchenspezifischen Daten trainiert werden. Auch hier war im ersten Halbjahr ein enormes Entwicklungstempo zu beobachten. In der Zukunft werden wir vermutlich weitere Fortschritte und neue, maßgeschneiderte KI-Modelle sehen, die mit spezifischen Datensätzen trainiert wurden.

Um die massiven, äußerst komplexen Daten zu managen, die generative KI-Modelle benötigen, werden Tools wie Plattformen für das Hosting und Sharing von Open-Source-Modellen sowie Software für die Datenkennzeichnung unverzichtbar sein. Der Zugang zu Daten wird ein Schlüsselfaktor sowohl für die Wettbewerbsfähigkeit bei der Entwicklung von Modellen als auch für die Anwendung von KI in Unternehmen sein.

An der Spitze des Technologie-Stacks sitzen die Anwendungen, für die eine Vielzahl ambitionierter Start-ups bahnbrechende Software entwickelt. Künftige Anwendungen werden ausgefeilter und besser sein als ihre Vorläufer und Fachkräften aus allen Branchen wertvolle Instrumente für ihre tägliche Arbeit bieten.

Investieren in den KI-Sektor: Chancen und Risiken

Generative KI eröffnet neue Chancen, aber auch Risiken für Anleger. In der aktuellen transformativen Phase investieren wir strategisch in Unternehmen, die gut positioniert sind, um sich in der entstehenden KI-Landschaft zu behaupten. Zugleich nehmen wir diejenigen genau unter die Lupe, bei denen wir ein Disruptionsrisiko sehen. Bereits im ersten Halbjahr war ein positiver Trend zu beobachten, denn mehrere Unternehmen konnten dank generativer KI erhebliche Umsatzsteigerungen erzielen. Diese Entwicklung dürfte in der zweiten Jahreshälfte anhalten und in den kommenden Jahren weiter Fahrt aufnehmen.

Die steigende Nachfrage nach Ressourcen für die KI-Entwicklung hat Auswirkungen auf die verschiedensten Segmente der Tech-Branche. Von Grafikprozessoren- und Speicherchip-Produzenten bis hin zu Server-Anbietern profitieren alle Akteure vom notwendigen Ausbau der Infrastruktur für KI.

Diese Nachfrage geht über die Hardware hinaus und verspricht ein stabiles Wachstum der Services und Lösungen, die von Software-Unternehmen angeboten werden.

Firmen, die über spezifische Daten verfügen, sind ebenfalls gut positioniert, da sie Modelle gezielt für bestimmte Branchen trainieren und dadurch ihren Wettbewerbsvorteil ausbauen können.

Zugleich sind wir uns jedoch der Risiken bewusst, die mit den neuen Möglichkeiten einhergehen. Dabei geht es nicht um Sorgen in ferner Zukunft, sondern um reale Entwicklungen im Hier und Jetzt. Bei der Erkundung neuer Chancen und der Abmilderung potenzieller Verluste hat es für uns oberste Priorität, dieses äußerst dynamische Umfeld zu analysieren, unsere Anlagestrategien entsprechend anzupassen und Bewertungen einzubeziehen.

Insgesamt erwarten wir, dass der Technologiesektor auch in der KI-Ära ein Motor der Wirtschaft sein wird – wie er es bereits in früheren technologischen Umbruchphasen war.

 

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