Rob Almeida: Brad, Sie stehen im regelmäßigen Austausch mit Unternehmen, in die Sie investieren. Wie ordnen die dortigen Experten das Thema KI ein?
Brad Mak: Sie vergleichen KI mit der Erschaffung des Internets, der Erfindung des Mobiltelefons. Allerdings gibt es wie bei jedem Mal, wenn die Technologieentwicklung einen großen Sprung macht, mehr Fragen als Antworten. Mein Eindruck ist, dass KI im Moment noch ein bisschen nach Medienspektakel riecht. Es fühlt sich sehr ähnlich an wie 1999 und 2000, als jedes Unternehmen Dotcom an seinen Namen hängte, und wie in den frühen 2010er-Jahren, als jedes Unternehmen betonte, es sei ein Cloud-Unternehmen. Jetzt stellt jedes Unternehmen ins Schaufenster, dass KI ihm helfen wird.
Wir sehen unsere Aufgabe darin, das neue Grundrauschen zu durchdringen und zu verstehen, wie KI sich in den nächsten drei bis fünf Jahren auf Branchen und Unternehmen auswirken könnte. In welchen Bereichen ist es am offensichtlichsten, dass die Unternehmen stark profitieren können? Bei welchen Unternehmen und Branchen bleibt der Einfluss vernachlässigbar, kann aber dennoch unterstützend wirken? Und welche Unternehmen werden möglicherweise in Bezug auf ihr Geschäftsmodell, ihren Gewinn und ihre Gewinnspannen gefährdet sein?
Almeida: Es handelt sich um eine Art schöpferische Zerstörung nach Schumpeter – Innovatoren werden von neuen Innovationen überflügelt. Was müssen wir über die Rolle von KI wissen?
Mak: In den nächsten drei bis fünf Jahren werden wir erleben, dass Unternehmen, die in den vergangenen zehn bis zwanzig Jahren gegründet wurden und über etablierte Profitpools verfügen, sich verteidigen müssen. Sie werden nach Möglichkeiten suchen, KI zu nutzen, um ihre Profite zumindest zu schützen und dann zu versuchen, sie zu erweitern. Hunderte, wenn nicht Tausende von neuen Unternehmen werden nach Finanzierung gieren. Die meisten von ihnen werden nicht erfolgreich skalieren können, aber es wird wahrscheinlich eine Handvoll geben, die richtig gut dastehen werden.
KI macht Arbeitsabläufe, sich wiederholende Aufgaben effizienter. Und die Technologie wird immer intelligenter. Kurzfristig drängt sich das Thema noch nicht auf, aber langfristig stellen sich Fragen: Die Arbeitswelt wird zweifellos unter Druck geraten. Bedeutet das dann, dass es weniger Arbeitsplätze gibt, für die – als Beispiel – Software-Hersteller ihre Produkte entwickeln und verkaufen können?
Almeida: Sie meinen, wenn Wertschöpfung durch KI erledigt wird, fallen massiv Einnahmequellen weg?
Mak: Genau. Nehmen Sie einen Unternehmenssoftware-Anbieter, der Software zur Automatisierung eines Arbeitsablaufs verkauft. Sie führen KI-Merkmale und -Funktionen ein, ähnlich wie ein Copilot, und verlangen dafür mehr Geld. Wir wissen nicht, wie viel die Kunden bereit sein werden, dafür zu zahlen. Aber sicherlich werden sie die Produktivitätssteigerung dem Anbieter vergüten. Die Kehrseite der Medaille ist, wenn ein – oder jedes – Fortune-500-Unternehmen dann sagt, wir brauchen 5 Prozent unserer Mitarbeiter nicht mehr. Wir wissen nicht: Ist der Effekt auf die allgemeine konjunkturelle Entwicklung neutral? Ist sie positiv? Oder sogar negativ?
Almeida: Angesichts der gestiegenen Zinsen ist Geld nicht mehr so billig wie in den vergangenen Jahren zu haben. Gleichzeitig stehen die Unternehmen in der Breite komplexen und kostspieligen Großaufgaben wie Onshoring, Reshoring und der Stärkung ihrer Lieferketten gegenüber. Schaffen die Unternehmen es, jetzt auch noch KI obendrauf zu wuppen?
Mak: Sie haben keine andere Wahl. Ein Unternehmen, das sich dieser potenziellen Disruption gegenübersieht und keinen KI-Plan hat, wird letztendlich disruptiert. Die vergangenen zehn Jahre waren von niedrigen Zinsen und kostenlosem Geld geprägt, das viele Unternehmen in den Bereichen Finanztechnologie und Biotechnologie finanzierte und teils auch alimentierte. Die gewaltigen Finanzzuflüsse haben sich verflüchtigt, aber es gibt immer noch reichlich finanzielle Feuerkraft bei Venture-Capital- und Private-Equity-Firmen – sie finanzieren die zu erwartende Welle von KI-Unternehmen.
