King Coal

Öl, Gas und Uran – die Preise für die drei Energieträger sind in den vergangenen Jahren geradezu explodiert. Die Preisentwicklung bestimmte die öffentliche Diskussion, und besonders die stark steigenden Rohölpreise beunruhigten Investoren und Verbraucher gleichermaßen.

Erstmals importiert China Kohle

Über einen anderen Energieträger war dagegen kaum etwas zu lesen: Kohle. Der fossile Brennstoff hat in den vergangenen 20 Jahren besonders in den Industrienationen stark an Bedeutung verloren. In den aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens erlebt der Rohstoff aber eine Renaissance. „Kohlekraftwerke sind schnell und günstig zu bauen, daher ist besonders in den Schwellenländern die Nachfrage sehr hoch“, sagt Axel-Adrian Roestel, Energie-Experte bei der Berenberg Bank. In China werden über 70 Prozent des Stroms aus der Verbrennung von Kohle erzeugt. Tendenz stark steigend.

Schon heute sind China und Indien für 45 Prozent der weltweiten Nachfrage nach Kohle verantwortlich. Zum ersten Mal überhaupt hat China 2007 mehr Kohle importiert als exportiert. Hintergrund ist der steigende Energiebedarf der rasant wachsenden Volkswirtschaft. Da im Sommer immer mehr Klimaanlagen benutzt werden, legte die Nachfrage nach Strom zuletzt deutlich zu. Die International Energy Agency (IEA) erwartet bis 2030 einen Anstieg der weltweiten Nachfrage um 73 Prozent. Dem Center for Strategic & International Studies ist diese Schätzung zu vorsichtig. Die Nachfrage werde sich bereits bis 2025 verdreifachen, so die US-Wissenschaftler.

Kohle wird sauberer und flüssig

Der Kohlepreis spiegelt diese Erwartungen noch nicht wider. Er liegt noch deutlich unter dem Niveau von vor drei Jahren. Mehrere Faktoren sprechen für einen Anstieg des Kohlepreises: Neben der herkömmlichen Stromerzeugung wird Kohle auch für die globale Stahlproduktion und die Herstellung von Kraftstoffen immer wichtiger. Die Kohleverflüssigung und -vergasung rentiert sich aktuell wegen des hohen Ölpreises. 2007 hat China bereits eine erste auf diese sogenannte CTL-Technologie spezialisierte Anlage in Betrieb genommen.

Gleichzeitig steigen die Transportkosten für den Rohstoff, was sich auf den Endpreis auswirken sollte. Die Verschiffung einer Tonne Kohle von Australien nach Japan kostet inzwischen mehr als 20 Dollar; 46 Prozent mehr als noch vor zwölf Monaten. Ein zusätzlicher Preisauftrieb sollte auch durch Finanzinvestoren erfolgen. Roestel: „Sobald die Bedeutung einer Ware steigt, erhöht sich auch das Interesse von Investoren.“

Da Kohle noch nicht an einer Rohstoffbörse gehandelt wird, bietet sich für Privatanleger nur ein Umweg über das Aktienparkett an. Empfehlenswert ist ein Zertifikat von ABN Amro (WKN: AA0 BWB). Es setzt auf den World Coal Index und ist derzeit das einzige Zertifikat, das alle weltweit wichtigen Kohleunternehmen in einem Korb bündelt. Der Index setzt auf 15 Unternehmen – vorwiegend aus China und den USA. Seit Auflage im Dezember 2006 hat er um 54 Prozent zugelegt.

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