Christina Georgiadis

Steuerexpertin fasst zusammen Kirchensteuer: Wie viel du zahlst – und was du bei einem Austritt wissen solltest

Christina Georgiadis, im Hintergrund eine Kirche und Steuerunterlagen
Christina Georgiadis, im Hintergrund eine Kirche und Steuerunterlagen: Was du bei einem Kirchenaustritt für deine Steuer wissen solltest, erfährst du hier.
© Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. / Hannah Ritzmann mit Canva
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Wer muss Kirchensteuer zahlen?

Mitglieder einer staatlich anerkannten Religionsgemeinschaft müssen Kirchensteuer zahlen.

Anerkannte Religionsgemeinschaften gelten im Steuerrecht als Körperschaft des öffentlichen Rechts. Neben bestimmten Auflagen – zum Beispiel mindestens 30 Jahre Bestehen vor der Anerkennung als Körperschaft – sind viele Rechte damit verbunden: Eine Körperschaft des öffentlichen Rechts darf Beamte beziehungsweise Beamtinnen beschäftigen, ist von der Grundsteuer befreit und kann vor allem mithilfe der Finanzämter (Kirchen-)Steuer eintreiben. Für anerkannte Religionsgemeinschaften macht die Kirchensteuer den mit Abstand größten Anteil ihrer Einnahmen aus.

Welche sind die anerkannten Religionsgemeinschaften?

Zu den Religionsgemeinschaften, die in Deutschland eine Kirchensteuer erheben dürfen, gehören laut Bundesministerium des Inneren und für Heimat (BMI) vor allem: 

  • die Evangelischen Kirchen (Landeskirchen, Gemeinden, Zusammenschlüsse)
  • die Römisch-Katholische Kirche (Diözesen, Gemeinden, Zusammenschlüsse, zum Teil auch Ordensgemeinschaften)
  • einzelne jüdische Gemeinden
  • die Altkatholiken und Altlutheraner
  • die Baptisten
  • die Mennoniten 

Wie hoch ist die Kirchensteuer?

Die Höhe der Kirchensteuer richtet sich nach dem Wohnort. In Baden-Württemberg und Bayern fließen 8, in den übrigen Bundesländern 9 Prozent der Einkommensteuer als Kirchensteuer ab:

 

So sieht die Rechnung mit jeweils 8 beziehungsweise 9 Prozent Kirchensteuer aus:

Außer in Bayern – dort erheben drei kircheneigene Steuerämter die Kircheneinkommensteuer und die Kirchengrundsteuer – setzt das Finanzamt die Einkommensteuer und Kirchensteuer fest. Die Arbeitgeber behalten Lohn- und Kirchensteuer ein. Im Anschluss wird die Kirchensteuer an die Kirche weitergeleitet. Diese Transaktion tätigt die Finanzverwaltung allerdings nicht umsonst: Die jeweilige Kirche muss eine Gebühr in Höhe von 3 bis 4,5 Prozent der eingezogenen Kirchensteuern zahlen.

Übrigens: Liegt das eigene Einkommen 2023 unter 10.908 Euro im Jahr beziehungsweise bei rund 909 Euro, müssen keine Lohnsteuer, keine Einkommensteuer und auch keine Kirchensteuer gezahlt werden. Für Ehepaare und eingetragene Lebenspartner gilt der doppelte Grundfreibetrag in Höhe von 21.816 Euro.

 

Kann man die Kirchensteuer von der Steuer absetzen?

Ja – allerdings gilt das nur für die auf die tarifliche Einkommensteuer gezahlte Kirchensteuer: Diese kann als Sonderausgabe von der Steuer abgesetzt werden. Eingetragen wird der Betrag in der Anlage Sonderausgaben unter „Kirchensteuer“.

Nicht absetzbar ist dagegen die Kirchensteuer, die als Zuschlag zur Abgeltungsteuer von der betreffenden Bank einbehalten wurde. Diese Kirchensteuerzahlung kann nicht als Sonderausgabe berücksichtigt werden.

Was, wenn nur ein Ehe- oder Lebenspartner Kirchenmitglied ist?

Gibt ein Ehe- oder Lebenspaar seine Steuererklärung als gemeinsame Veranlagung ab und ist nur einer von beiden Kirchenmitglied, dann greift das besondere Kirchgeld. Wenn die Ehe- oder Lebenspartner verschiedenen Konfessionen angehören und nur einer von beiden verdient, ziehen der Arbeitgeber und das Finanzamt die Kirchensteuer ein, nämlich zur Hälfte für die Kirche des Ehemannes beziehungsweise der Ehefrau und zur Hälfte für die Kirche der Ehefrau beziehungsweise des Ehemannes.

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Was ist das besondere Kirchgeld?

Diese Form der Kirchensteuer betrifft nur verheiratete oder verpartnerte Personen, die für ihre Steuererklärung die Zusammenveranlagung nutzen. Wie das besondere Kirchgeld funktioniert, erklären wir anhand eines Beispiels:

Nehmen wir an, ein leitender Angestellter ist kürzlich aus der Kirche ausgetreten. Seine Ehefrau ist Hausfrau und weiterhin Mitglied einer staatlich anerkannten Kirche. Geben beide eine Steuererklärung zusammen als gemeinsame Veranlagung ab, muss die Ehefrau das besondere Kirchgeld zahlen – und zwar entsprechend dem gemeinsamen Einkommen. Es fällt allerdings niedriger aus als bei einer Kirchenzugehörigkeit beider Ehepartner.

Berechnet wird das besondere Kirchgeld vom zuständigen Finanzamt.

Über die Autorin:

Christina Georgiadis ist Pressesprecherin des Lohnsteuerhilfevereins Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH).

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