Klimaschutz gibt es nicht zum Nulltarif. Er muss aber auch nicht so teuer sein, wie politische Diskussionen nahelegen. Hier sagt Berenberg-Volkswirt Jörn Quitzau, welche Vorteile der Emissionshandel hat.
Der englische Ökonom Arthur Cecil Pigou schlug deshalb bereits vor rund 100 Jahren vor, die sozialen beziehungsweise ökologischen Kosten der Produktion oder des Konsums durch eine Steuer zu berücksichtigen. Denn die Umwelt braucht einen Preis. Die Wirtschaftsakteure richten ihr Handeln dann an diesen ökologisch ehrlicheren Preisen aus. Umwelt-, beziehungsweise klimaschädliches Verhalten wird dadurch tendenziell reduziert. Unternehmen erhalten Anreize, in die Erforschung und Entwicklung umwelt- und klimafreundlicher Produktion zu investieren, weil sie dadurch langfristig Geld – nämlich die Umweltsteuer – einsparen.
Es hat lange gedauert, bis die Idee von Pigou in die Praxis umgesetzt wurde. In Deutschland wurde die ökologische Steuerreform im Jahr 1999 eingeführt. Die Folge war unter anderem eine höhere Mineralölsteuer. Aus klimapolitischer Perspektive gibt es jedoch ein noch besseres Instrument: Emissionszertifikate. Bei ihnen wird eine konkrete Höchstmenge an CO2-Emissionen festgelegt, die aus klimapolitischer Sicht noch akzeptabel zu sein scheint. Damit gibt es eine feste Obergrenze, die nicht durch hohe Zahlungsbereitschaften der Wirtschaftsakteure nach oben verschoben werden kann.
So funktioniert der Handel mit CO2-Zertifikaten
Wer CO2-Emissionen nicht vermeiden kann, muss Emissionszertifikate erwerben. Der Handel dieser Zertifikate führt dazu, dass CO2-Emissionen dort eingespart werden, wo die Einsparung besonders leichtfällt beziehungsweise dort, wo die Vermeidung von CO2-Emissionen zu geringen Kosten möglich ist. Oder andersherum: Die Zertifikate landen letztlich bei Unternehmen, die sie wirklich dringend benötigen, weil sie im Produktionsprozess CO2-Emissionen nicht vermeiden können. Sie haben deshalb eine hohe Zahlungsbereitschaft.
Informationen darüber, wo Vermeidungskosten am niedrigsten sind, sind dezentral verteilt. Der Staat verfügt nicht über diese Informationen. Jeder Akteur, der wirtschaftlich denkt, wird sich überlegen, was günstiger ist: ein Emissionszertifikat oder der Versicht auf die Emission. Fällt es den Wirtschaftsakteuren insgesamt leicht, CO2-Emissonen zu vermeiden, ist das Ergebnis ein niedriger Zertifikate-Preis, weil die Nachfrage nach Emissionszertifikaten neidrig ist. Ist es aber schwierig beziehungsweise kostspielig, Emissionen zu vermeiden, ist die Nachfrage nach Zertifikaten hoch und ihr Preis steigt.
Der Preis von CO2-Zertifikaten passt sich an
Entscheidend ist: Auf die Menge der Gesamtemissionen hat das alles keinen Einfluss. Die Menge ist politisch begrenzt. Der Preis passt sich entsprechend an. Handelbare Emissionszertifikate sind deshalb ein kosteneffizientes Instrument, um klimaschädliche CO2-Emissionen auf ein politisch vorgegebenes, verträgliches Maß zu reduzieren.
Die Europäische Union hat bereits im Jahr 2005 das Europäische Emissionshandelssystem (EU-EHS) installiert, um die Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Das EU-EHS umfasst 30 Länder, nämlich alle 27 EU-Länder sowie Norwegen, Island und Liechtenstein. Insgesamt werden durch das EU-EHS die Emissionen von rund 10.000 energieintensiven Anlagen erfasst – vor allem aus der Stromerzeugungs- und Verarbeitungsindustrie. Damit werden rund 36 Prozent der Treibhausgasemissionen in der EU abgedeckt.