Klimaschutz gibt es nicht zum Nulltarif. Er muss aber auch nicht so teuer sein, wie politische Diskussionen nahelegen. Hier sagt Berenberg-Volkswirt Jörn Quitzau, welche Vorteile der Emissionshandel hat.
Unglücklicherweise ist die öffentliche Diskussion über die richtige Klimaschutzpolitik vollgepackt mit planwirtschaftlichen Ideen. So entspringt der Ansatz der eingangs zitierten EIB-Klimaumfrage, jedem nur noch ein begrenztes CO2-Budget für seine Lebensführung zuzugestehen, einer planwirtschaftlichen Logik: Jeder Bürger soll den gleichen Beitrag zur Minderung der Treibhausgasemissionen leisten.
Die Logik findet sich bisher auch bei sektorspezifischen Minderungszielen: Jeder Sektor soll einen spezifischen Beitrag zur Reduktion der Treibhausgasemissionen leisten. Hier will die Regierungskoalition nach dem jüngsten Koalitionsausschusses erfreulicherweise umsteuern. Und letztlich ist auch die Fixierung auf nationale Klimaziele ineffizient, wenn doch im Ausland die CO2-Vermeidungskosten oft geringer sind.
Sachverständigenrat will Zertifikatehandel ausweiten
Für den Umweltökonomen Joachim Weimann ist es sogar ein Kardinalfehler, Klimaschutz insbesondere als nationale Aufgabe zu verstehen. Auch der Sachverständigenrat („Wirtschaftsweise“) hat 2019 in einem Sondergutachten dafür plädiert, den Zertifikatehandel auszuweiten. So sollen die Sektoren Verkehr und Gebäude bis 2030 in das EU-EHS einbezogen werden.
Voraussichtlich 2027 wird nun tatsächlich im Rahmen des Emissionshandels II die Bepreisung der Emissionen in den Sektoren Wärme und Verkehr erfolgen. Zudem empfahl der Sachverständigenrat, das Vorgehen global zu koordinieren, weil der Klimawandel ein globales Phänomen ist und Treibhausgase nicht an nationalen oder kontinentalen Grenzen halt machen.
Debatte um Gas- und Ölheizungen öffnet die Augen
Spätestens die Diskussion über ein mögliches Aus für Gas- und Ölheizungen hat vielen Bürgern gezeigt, dass sie der ökologische Umbau der Gesellschaft finanziell überfordern könnte. Die Kosten, die der Einzelne für Klimaschutzmaßnahmen aufbringen müsste, könnten ganze Lebenspläne durcheinanderbringen. Mit einem flächendeckenden Zertifikatehandel könnten die Kosten erheblich geringer ausfallen.
Schließlich könnten sich auch die 56 Prozent der eingangs erwähnten EIB-Umfrageteilnehmer freuen: Mit einem umfassenden Emissionshandelssystem bekämen sie ihr CO2-Budget. Nur nicht individuell, sondern in einer handelbaren Version für die Volkswirtschaften insgesamt – dafür aber ganz sicher billiger und mit weniger Eingriffen in die persönliche Handlungsfreiheit.