„Klimaschutz ist in den USA kein politisches Gewinnerthema“

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Vom Klimagipfel im südafrikanischen Durban erwarten Experten nicht viel. Auch Umweltminister Norbert Röttgen, der Deutschland vertritt, zeigte sich relativ skeptisch. „In vielen Ländern der Weltgemeinschaft sinkt die Bereitschaft, verpflichtende Vorgaben für den Klimaschutz zu akzeptieren - gleichzeitig schreitet der Klimawandel voran", erklärte er gegenüber „Spiegel online“.

Für den CDU-Minister ist es aber noch lange kein Grund, dem Gipfel fernzubleiben. „Das Ganze ist ein Marathonlauf“, sagte er. Es gehe zum Beispiel darum, ob sich vor allem die Schwellenländer „auf einen Prozess einlassen, der am Ende dazu führt, dass sie sich einem Regime zur Reduktion des Kohlendioxid-Ausstoßes unterwerfen“. Es gehe auch darum, die Regeln des Kyoto-Protokolls am Leben zu erhalten, obwohl es jetzt keine zweite Periode von Verpflichtungen gebe.

Eines der größten Herausforderungen für die Zukunft sieht Röttgen darin, das wirtschaftliche Wachstum von der Produktion von Treibhausgasen abzukoppeln. Dies wäre vor allem für Entwicklungsländer wie Indien relevant, das laut dem Umweltminister fürchtet, beim Wirtschaftswachstum zurückzufallen, wenn es sich zur CO2-Reduktion verpflichtet.

Neben Indien und China sieht Röttgen auch die USA als Hauptverursacher des Klimawandels. „Die USA sehen sich derzeit in einer massiven Konkurrenz zu China, und es gibt die Befürchtung, dass jedes Klimaschutzziel zu einem Wettbewerbsnachteil führt.“, sagte er im Gespräch mit „Spiegel online“.  Andererseits beruhe der American Way of Life sehr stark auf individueller Freiheit und auf Konsum. Da sei es schwer, einen Lebensstil durchzusetzen, der auf Ressourcenschonung und Effizienz setzt.

„Klimaschutz ist in den USA kein politisches Gewinnerthema“, so Röttgen. Das gelte für die Republikaner, habe sich aber auch in weiten Kreisen der Demokraten durchgesetzt.

Des Weiteren vergleicht Röttgen die Umweltprobleme mit der Finanzkrise. Der CDU-Minister führt beide auf eine gemeinsame Ursache – nämlich die egoistische, kurzfristige Denkweise, die sowohl zu der massiven Überschuldung der Volkswirtschaften als auch zu einer Verschwendung natürlicher Ressourcen geführt hat – zurück. Dabei haben ökologische Probleme für Röttgen klar Priorität. „Wenn eine Finanzblase platzt, kann man Rettungspakete schnüren und vom Abgrund wieder wegkommen. Wenn Ökosysteme kaputtgehen, kann man nicht einfach ein Rettungspaket schnüren“, sagte er.

Angst, dass die Klimaforschung sich geirrt hat und die Milliardeninvestitionen in ökologische Projekte somit nicht notwendig waren, hat Röttgen nicht. Davon hätten ihn hochrangige chinesische Gesprächspartner bewahrt, die auch dann in erneuerbare Energien, Effizienz und Elektroautos investieren würden, wenn es den Klimawandel gar nicht gäbe. Für sie sei es ökonomisch sinnvoll, in eine Zukunft zu investieren, die ohne das Verbrennen von Öl, Kohle und Gas auskommt - auch deshalb, um im Wettbewerb mit Hightech-Ländern wie Deutschland zu bestehen. „Sie müssen sich also um meinen Schlaf keine Sorgen machen“, sagte er zu „Spiegel Online“.

Als Vertreter Deutschlands plädiert Röttgen auf dem Klimagipfel für ein Pro-Kopf-Budget für die CO2-Emissionen, das für jeden Menschen auf der Welt gilt.

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