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Net-Zero Insurance Alliance
Klimaschutz: Warum internationale Versicherer die UN-Initiative NZIA verlassen
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Net-Zero Insurance Alliance Klimaschutz: Warum internationale Versicherer die UN-Initiative NZIA verlassen

Ron DeSantis kandidiert für die US-Präsidentschaftswahl 2024
Ron DeSantis: Der Politiker der Republikanischen Partei ist Gouverneur des US-Bundesstaats Floridas und kandidiert für die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2024. Politisch unterscheidet er sich kaum von Ex-Präsident Donald Trump. Die Net-Zero Insurance Alliance (NZIA) hat bereits den vierten großen Versicherer als Mitgliedsunternehmen, die kartellrechtliche Probleme in den USA befürchten. | Foto: IMAGO / ZUMA Wire

In dem Ende 2015 auf der UN-Klimakonferenz in der französischen Hauptstadt beschlossenen „Übereinkommen von Paris“ verpflichteten sich 195 Staaten, die Weltwirtschaft klimafreundlich umzugestalten. Während die EU das Thema Klimawandel mit ihrem European Green Deal⁠ in Angriff nahm, kündigten die Vereinigten Staaten unter Donald Trump Mitte 2017 ihren Austritt an. Unter seinem Nachfolger Joe Biden erfolgte 2021 der Wiedereintritt. Im gleichen Jahr vervollständigten die Staatenlenker ihr Klimaabkommen auf der UN-Konferenz im schottischen Glasgow. 

Um den Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur möglichst auf 1,5 Grad Celsius zu beschränken, sollen in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts demnach nicht mehr klimaschädliche Gase⁠ ausgestoßen werden, als der Atmosphäre durch etwa Wälder entzogen werden. Diese Treibhausgas-Neutralität sei nur zu erreichen, wenn die Wirtschaft deutlich weniger Kohlenstoff freisetzt. An dieser Dekarbonisierung müsse sich auch die globale Finanzbranche beteiligen, deren Geldströme im Einklang mit den Klimaschutzzielen gelenkt werden sollen. 

Allianz, Aviva, Axa, Generali und Scor 

Oliver Bäte (links) und Jacqueline Hunt
Oliver Bäte © Allianz 

„Auch die globale Versicherungs- und Rückversicherungsbranche kann eine Schlüsselrolle beim Übergang zu einer widerstandsfähigen, klimafreundlichen Wirtschaft spielen“, begründete damals die Allianz ihr Engagement für ein globales Klimabündnis der Assekuranz: „Indem wir Netto-Null Ziele sowohl in unser Versicherungs- als auch in unser Investmentgeschäft integrieren, können wir unsere Kunden umfassend bei der Anpassung an kohlenstoffarme Geschäftsmodelle unterstützen“, erklärte hierzu Vorstands-Chef Oliver Bäte.  

Doch das Mitte 2021 zusammen mit den Versicherern Axa, Aviva, Generali, Munich Re, Scor, Swiss Re und Zurich gegründete Bündnis jetzt steht das  vor dem Aus: Das UN-Umweltprogramm hat am Mittwoch erklärt, dass einige Versicherer die NZIA wegen aktueller Diskussionen in den USA verlassen hätten, berichtet das Handelsblatt. Versicherer und Rückversicherer mit starkem Nordamerika-Geschäft befürchteten demnach Nachteile. Neben den französischen Branchenriesen Axa und Scor habe nun auch Europas größter Versicherungskonzern aus München seinen Abschied verkündet. 

Versicherer verfolgen Klimaziele weiter 

Mit Swiss Re verließ zuletzt Anfang dieser Woche ein weiteres Gründungsmitglied kommentarlos Net-Zero Insurance Alliance (NZIA). Der Brancheninitiative für Klimaschutz unter dem Dach der Vereinten Nationen gehörten zeitweise mehr als 30 Unternehmen der Assekuranz an, die gemeinsam auf 15 Prozent des weltweiten Prämienvolumens kamen. Doch ein Branchenriese nach dem anderen hat dem Bündnis seit Ende März den Rücken gekehrt: beispielsweise Munich Re, Zurich, Hannover Rück. Der aktuelle Schritt des weltweit zweitgrößten Rückversicherers kam also nicht überraschend. 

Als Grund für ihren Austritt nannten einige der Versicherungsriesen Angst vor kartellrechtlichen Problemen in den USA: Eine Gruppe von knapp zwei Dutzend republikanischer Generalstaatsanwälte ermittelt gegen die Versicherer, weil sie sich an einer aktivistischen Klimaagenda beteiligt hätten. Sie forderten die NZIA-Mitgliedsunternehmen daher Mitte Mai auf, ihre Verpflichtungen in puncto Nachhaltigkeit zu dokumentieren. Dies ist Teil einer breit angelegten Kampagne der Republikaner gegen die Verwendung nachhaltiger Investment-Kriterien. 

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Munich Re, Zurich, Hannover Rück, Swiss Re  

Joachim Wenning, Vorstandschef der Munich Re
Joachim Wenning
© Munich Re / Andreas Pohlmann

Trump hat als letzter US-Präsident aus den Reihen der Republikaner wiederholt angezweifelt, dass der Klimawandel menschengemacht ist. Seine Parteigänger halten nachhaltige Engagements von Finanzfirmen außerdem nicht als wünschenswerten Beitrag in der Umweltpolitik an. Stattdessen seien sie Teil einer großen Intrige „globaler Eliten, welche die Demokratie und die nationale Sicherheit“ bedrohe. Wenn Versicherer ihre Industriekunden zu einem geringeren CO2-Ausstoß anhalte, führe das zu höheren Prämien und steigenden Gaspreisen, was die Inflation anheize. 

Um nicht in den ölreichen US-Bundesstaaten boykottiert zu werden, verabschiedeten sich einige Finanzinstitute bereits im vorigen Jahr von ihren Versprechen, ihre Treibhausgasemissionen bis 2050 auf null zu senken. Das Ziel betrifft insbesondere die von ihnen versicherten Projekte und ihre Kapitalanlagen. Unabhängig vom Fortbestand der UN-Organisation wollen auch die ausgetretenen Versicherer ihre eigenen Nachhaltigkeitsziele weiter verfolgen. Das hatte beispielsweise die Zurich bei ihrem Rückzug Anfang April öffentlich erklärt. 

Munich Re will an eigenen Klima-Zielen festhalten

„Die Möglichkeiten, im kollektiven Schulterschluss der Versicherungsindustrie weltweit Dekarbonisierungsziele zu verfolgen, ohne materielle Kartellrechtsrisiken einzugehen, sind nach unserer Einschätzung so begrenzt, dass es wirksamer ist, unsere Klimaambition zur Reduktion der globalen Erderwärmung selbstständig als Unternehmen weiterzuverfolgen“, erklärte ebenfalls im April auch Joachim Wenning. „Unser Klimaengagement ist ungebrochen. Bis dato dekarbonisieren wir sogar schneller als es Netto-Null in 2050 erfordert“, betont der Vorstandschef der Munich Re.

 

Aktuell sind noch 23 Unternehmen in der NZIA, unter den kein US-Vertreter ist. Zu den zwölf europäischen Mitgliedern zählen die britische Aviva, die spanische Mapfre und die italienische Generali – allesamt internationale Schwergewichte. Trotz ihrer Bekenntnisse zum Pariser Klimaabkommen versicherten laut Medienberichten aber noch mindestens 69 Unternehmen der Branche neue Öl- und Gasprojekte in Norwegen. „Die Versicherung der Erschließung von neuen fossilen Quellen ist mit diesen Zielen aber nicht vereinbar“, kommentiert Peter Haberstich von Greenpeace Schweiz. 

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