Robert Halver (Kolumnist)Lesedauer: 6 Minuten

Robert Halver zur Rendite-Dürre Klimawandel auf dem Rentenmarkt

Grüne Natur
Grüne Natur: Auf den Anleihe-Märkten breitet sich dagegen die Dürre aus | Foto: Unsplash.com

Trotz deutlicher Wachstums- und Inflationsraten bleibt aktuell der typisch starke Anstieg der Anleiherenditen aus. Was sind die Gründe für den „Klimawandel“ am Rentenmarkt?

Die Angst vor dem konjunkturellen Strohfeuer

Beispiellos hohe Staatsausgaben haben die Weltwirtschaft in den Vor-Corona-Status versetzt. Doch arbeiten sich die Nachholeffekte zunehmend ab. Und vor allem Europa legt dem Nach-Corona- Wirtschaftswachstum mit Innovationsstau dickste Wackersteine in den Weg. Ohnehin könnten weitere Corona-Varianten die Konjunktur zumindest psychologisch beeinträchtigen.

Wenn Vorsicht die Mutter der Porzellankiste ist, dann ist EZB-Chefin Christine Lagarde die Mutter des europäischen Geschirrschranks. Sie packt die Konjunktur mit zinsgünstigster Liquiditätsschwemme in Watte. Auch vor Geldentwertung schreckt sie dabei nicht zurück. Denn dann lohnt es sich nicht zu sparen und das Geld - so die Hoffnung - kommt der Wirtschaft zugute. Das gilt noch mehr, wenn derzeit hohe Inflationsraten die Anlagezinsen förmlich auffressen.

Für Notenbanken hat Inflation keinen Nachgeschmack mehr

Eigentlich haben die Notenbanken ja die Aufgabe, Inflation zu bekämpfen. Und mit Blick z.B. auf deutsche Großhandelspreise, die gegenüber Vorjahr so stark gestiegen sind wie seit 40 Jahren nicht mehr oder eine US-Verbraucherinflation, die selbst für amerikanische Verhältnisse unverhältnismäßig ist, müssten die Inflationssirenen theoretisch 24 Stunden am Tag schrillen.

Praktisch erzählt die Geldpolitik jedoch die Geschichte von der nur vorübergehenden, eben nicht nachhaltigen Preisbeschleunigung. Es war zwar einmal ein z.B. hoher Ölpreis, der setzte früher immer eine berühmt-berüchtigte Preis-Lohn-Preis-Spirale in Gang. Zur Kaufkrafterhaltung erstritten Gewerkschaften damals Lohnsteigerungen, die die Unternehmen an ihre Kunden weitergaben.

Aber aktuell lassen die Gebrüder-Grimm-Notenbanken die Inflations-Geschichte glücklich enden. In unserer globalen Welt mit wettbewerbsstarken Standorten und der Konkurrenz von Industrierobotern gegenüber Arbeitskraft seien nicht mehr Lohnzuwächse, sondern Job-Erhalt das höchste Gut. Ohnehin wären die Opec-Länder nicht mehr der starke Tiger. Klare Preissteigerungen würden den Strukturwandel hin zu alternativen Energien – und auch zum Fracking – noch beschleunigen. Sie sägten am Ast, auf dem sie sitzen.

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